04.01.2005 · Nach dem Tod von sieben palästinensischen Jugendlichen hat Präsidentschaftskandidat Mahmud Abbas Israel zum ersten Mal als „zionistischen Feind“ bezeichnet. Die Regierung wehrt sich.
Der Favorit für das Amt des Palästinenser-Präsidenten, Mahmud Abbas, hat Israel nach dem Tod von sieben palästinensischen Jugendlichen am Dienstag erstmals als „zionistischen Feind“ bezeichnet. Israel wies die ungewohnt scharfen Äußerungen des PLO-Chefs als „untragbar“ zurück. Auf dieser Basis könne es keine künftige Zusammenarbeit geben, sagte der stellvertretende israelische Ministerpräsident Ehud Olmert.
Augenzeugen und Ärzten zufolge hatten die zwischen elf und 17 Jahre getöteten alten Palästinenser auf einem Feld im Gaza-Streifen Erdbeeren geerntet, als sie von einer israelischen Panzergranate getroffen wurden. Die israelische Armee erklärte hingegen, ihr Panzer habe auf eine Gruppe palästinensischer Extremisten gefeuert, kurz nachdem diese die jüdische Siedlung Nissanit mit Granaten beschossen hätten. Sollten Unschuldige getötet worden sein, bedaure er dies, sagte ein israelischer Militärkommandeur.
Blut im Erdbeerfeld
Das Erdbeerfeld im nördlichen Gaza-Streifen war mit Blut und Leichenteilen übersät. 15 Menschen seien bei dem Einschlag des Panzergeschosses verletzt worden, einige von ihnen schwer, berichteten Ärzte und Zeugen in der Stadt Beit Lahija. Die getöteten Jugendlichen hätten zwei Farmer-Familien angehört. Tausende Menschen beteiligten sich an dem Trauerzug für die Getöteten.
„Wir beten für die Seelen unserer Märtyrer, die heute den Geschossen des zionistischen Feindes zum Opfer gefallen sind", sagte Abbas bei einem Wahlkampfauftritt im Flüchtlingslager Chan Junis im südlichen Gaza-Streifen. Die Bezeichnung Israels als „zionistischer Feind“ wird häufig von militanten Palästinensern gebraucht, die sich der Zerstörung des Landes verschrieben haben.
Allgemein gilt Abbas als gemäßigter Palästinenser-Führer, mit dem die Hoffnung auf eine Wiederbelebung des
Friedensprozesses nach der am Sonntag geplanten Präsidentenwahl verbunden ist. „Nach dem 9. Januar werden wir solche Äußerungen in einem anderen Zusammenhang sehen und sie anders bewerten", sagte Olmert dem Sender Radio Israel.
Zeugen berichteten, die israelische Armee sei noch am Dienstag in die Randgebiete von Gaza-Stadt vorgerückt. Bei Gefechten mit Extremisten seien ein Mensch getötet und sieben weitere verletzt worden. Erst am Montag hatte die israelische Armee eine Militäraktion gegen palästinensische Extremisten in Beit Hanun und Dschabalja im Norden des Gaza-Streifens beendet. Militante Palästinenser feuern immer wieder Granaten und Raketen auf die jüdischen Siedlungen oder über die Grenze nach Israel.
Geheimdienst warnt vor jüdischen Extremisten
Der israelische Inlandsgeheimdienst Schin Beth hat am Dienstag vor einem Attentat jüdischer Extremisten auf den Tempelberg in Jerusalem gewarnt. Mit einem Angriff auf die dortigen Moscheen könnten rechte Extremisten versuchen, den Gaza-Abzugsplan von Ministerpräsident Ariel Scharon zu torpedieren,
sagte Schin-Beth-Chef Avi Dichter im Außen- und Verteidigungsausschuß des Parlaments. Verdächtige seien bisher aber nicht festgenommen worden, weil ausreichende Beweise fehlten. Dichter warnte außerdem, jüdische Siedler könnten bei der Räumung von Siedlungen im Gazastreifen auf die Sicherheitskräfte schießen. Die Zahl gewaltbereiter Siedler liege allerdings lediglich bei einigen Dutzend.