14.02.2008 · China kommentiert „empört“ den Rückzug Steven Spielbergs als künstlerischer Berater der Olympischen Spiele. Der amerikanische Filmregisseur protestiert damit gegen die Sudan-Politik Pekings. Nun appellieren auch acht Friedensnobelpreisträger an Präsident Hu Jintao.
China hat am Donnerstag die Kritik an seiner Sudanpolitik zurückgewiesen. Die Probleme dort sollten nicht mit den Olympischen Spielen im Sommer verstrickt werden, erklärte der Sprecher des Außenministeriums, Liu Jianchao. Er reagierte damit auf eine Erklärung des amerikanischen Filmregisseurs Steven Spielberg, der die künstlerische Beratung für die Eröffnungs- und Schlusszeremonie der Olympischen Spiele in Peking aus Protest gegen die chinesische Sudan-Politik aufgegeben hat.
Spielberg forderte, China solle seinen Einfluss nutzen, um die Lage in der sudanesischen Krisenregion Darfur zu verbessern. Liu sagte nun, es sei verständlich, wenn einige Menschen die chinesische Darfurpolitik nicht verstünden. Er befürchte aber, dass es dabei auch anderweitige Motive gebe, was nicht zu akzeptieren sei.Auch eine chinesische
Auch eine chinesische Staatszeitung hat den Rückzug Spielbergs scharf kritisiert. Boykotte wie dieser „empörten“ das chinesische Volk, hieß es am Donnerstag in dem Blatt „Global Times“, einem Ableger des Zentralorgans der Kommunistischen Partei, „Renmin Ribao“. Der Westen instrumentalisiere die Olympischen Spiele.
„Verbrechen gegen die Menschlichkeit“
Es sei „absolut absurd“, der Volksrepublik die Schuld für die Lage in Darfur zuzuschreiben. Spielberg hatte erklärt, er könne seine Zeit und Energie nicht in die Feierlichkeiten für die Spiele stecken, sondern müsse alles ihm Mögliche daran setzen, den „entsetzlichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ in Darfur ein Ende zu bereiten.
In der westsudanesischen Unruheregion liefern sich von der Zentralregierung in Khartum unterstützte Milizen seit Jahren Kämpfe mit Rebellen. Schätzungsweise mehr als 200.000 Menschen wurden seither getötet und 2,5 Millionen vertrieben. China bezieht große Mengen Öl aus dem Sudan und liefert im Gegenzug Waffen an das afrikanische Land.
Appelle und „stille Diplomatie“
Schon als ihn im vergangenen Jahr die Schauspielerin Mia Farrow Spielberg davor gewarnt, „als die Leni Riefenstahl der Pekinger Spiele in die Geschichte einzugehen“. Kurz darauf hatte er sich in einem Brief an Staatspräsident Hu Jintao dafür eingesetzt, dass China mehr gegen den Massenmord unternimmt. Aber Spielberg musste einsehen, dass mit Appellen wenig getan ist, wenn handfeste energie- und geopolitische Interessen im Spiel sind.
Das chinesische Außenministerium und die Olympia-Organisatoren haben sich zu dem Schritt des Regisseurs noch nicht geäußert. In der Vergangenheit verwies Peking stets darauf, in Sudan den Einfluss seiner stillen Diplomatie zu nutzen.
Doch unter einen Druck, der spürbare Ergebnisse zeitigt, hat die chinesische Regierung das sudanesische Regime bisher nicht gesetzt. So haben Menschenrechtsgruppen das beabsichtigte Humanismus-Spektakel mittlerweile umgetauft in „Genozid-Spiele“. Der Unmut wird immer lauter, und Peking reagiert darauf, indem es sich gegen eine „Politisierung“ von Olympia verwahrt. Seine Außenpolitik hat die „Nichteinmischung in innere Angelegenheiten“ als oberstes Gebot.
Friedensnobelpreisträger schreiben an Hu Jintao
Nun haben auch acht Friedensnobelpreisträger wegen der Krise in Darfur einen offenen Brief an den Präsident Hu Jintao geschrieben. China müsse helfen, den Konflikt in der Krisenregion zu beenden, heißt es in dem Brief, den die britische Tageszeitung „Independent“ am Donnerstag veröffentlichte. „Im Jahr der Olympischen Spiele muss China gewährleisten, dass die Taten den olympischen Idealen von Frieden und internationaler Zusammenarbeit entsprechen.“ China habe den Handel mit dem Sudan im vergangenen Jahr verdoppelt und es der sudanesischen Regierung damit leichter gemacht, „ihre Kriegsgräuel weiter fortzuführen“.
Zu den Unterzeichnern gehören neben Sportlern, Geschäftsleuten und Politikern die Nobelpreisträger Bischof Carlos Filipe, Erzbischof Desmond Tutu, die iranische Juristin Schirin Ebadi, der argentinische Bürgerrechtler Adolfo Perez Esquivel, die guatemaltekische Menschenrechtsaktivistin Rigoberta Menchu, der Holocaust-Überlebende Elie Wiesel, die nordirische Friedensaktivistin Betty Williams und die amerikanische Menschenrechtsaktivistin Jody Williams. Die Gewalt in dem Land werde immer schlimmer. „Von den sieben Millionen Einwohnern in Darfur starben bereits Hunderttausende in dem Konflikt - 2,5 Millionen wurden vertrieben“, heißt es in dem Brief. Zudem würden Vergewaltigungen als Kriegsmittel eingesetzt. Chinas militärische Zusammenarbeit mit dem Sudan gehe dennoch weiter, kritisierten die Unterzeichner und betonten: „Wir wissen, dass China ein enormes Potential hat zu helfen, den Konflikt in Darfur zu beenden.“
Chapeau!
Gabor von Zoltan (Putinras)
- 14.02.2008, 10:58 Uhr
One World, one Dream...
Raimund Poppinga (Diplom-Amateur)
- 14.02.2008, 11:56 Uhr
Spielberg mit Riefenstahl vergleichen?
Duschan Otto Lovric (bigtree)
- 14.02.2008, 12:31 Uhr
There is no such a thing like one world, one dream...
Stephan Hitzel (StephanHitzel)
- 14.02.2008, 13:04 Uhr
„Verbrechen gegen die Menschlichkeit?“
Nathan Seeliger (beth.shalom)
- 14.02.2008, 13:09 Uhr