http://www.faz.net/-gpf-93n2x

Nach Rücktritt Hariris : Bricht im Libanon ein neuer Konflikt aus?

  • Aktualisiert am

Der saudi-arabische König Salman ibn Abd al Aziz trifft sich in Riad mit dem ehemaligen libanesischen Ministerpräsidenten Saad Hariri. Bild: dpa

Die Erzrivalen Saudi-Arabien und Iran unterstützen im Libanon unterschiedliche Parteien. Nach dem Rücktritt des libanesischen Ministerpräsidenten wächst die Angst vor einen Stellvertreterkrieg. Deutschland und Frankreich bemühen sich um Deeskalation.

          Angesichts einer drohenden Eskalation im Libanon haben sich Deutschland und Frankreich um eine Entspannung der Lage bemüht. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) drückte am Freitag in einem Telefonat mit seinem saudischen Kollegen Adel al Dschubair seine „große Sorge“ über die Entwicklung im Libanon aus. Nach der Rücktrittsankündigung von Ministerpräsident Saad Hariri gibt es Ängste, in dem kleinen Land könnte ein neuer Stellvertreterkonflikt zwischen den Erzrivalen Saudi-Arabien und Iran ausbrechen.

          Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte sich bereits am Donnerstagabend bei einem überraschenden Besuch in der saudischen Hauptstadt Riad für eine friedliche Lösung der Krise eingesetzt. In einem Gespräch mit Kronprinz Mohammed bin Salman habe Macron die Bedeutung hervorgehoben, die Frankreich der Stabilität und Sicherheit des Libanons zumesse, teilte der Élysée-Palast mit.

          Hariri hatte am Wochenende von Saudi-Arabien aus seinen Rücktritt von der Spitze der libanesischen Koalitionsregierung angekündigt. Zugleich warf er den libanesischen Schiitenmiliz Hizbullah vor, Unruhe zu schüren. Hariri ist ein enger Verbündeter Saudi-Arabiens. Das sunnitische Königreich bekämpft die Hizbullah und deren schiitische Schutzmacht Iran. Am Donnerstag rief Riad seine Staatsbürger auf, den Libanon so schnell wie möglich zu verlassen.

          Angespannte Lage : Macron vermittelt in Saudi-Arabien

          Im multikonfessionellen Libanon herrscht ein fragiles politisches Gleichgewicht zwischen Sunniten, Schiiten und Christen. Stärkste Kraft ist die Hizbullah , gegen die nicht regiert werden kann. Zwischen 1975 und 1990 hatte es in dem kleinen Land am Mittelmeer einen blutigen Bürgerkrieg gegeben. Heute leidet der Libanon auch unter der Last von mehr als einer Millionen syrischen Flüchtlingen.

          Zypern bereitet sich bereits auf eine mögliche Flüchtlingswelle aus dem destabilisierten Libanon vor. Sein Land könnte im Notfall wie 2006 abermals als eine Art Brücke zur Evakuierung europäischer und amerikanischer Bürger werden, sagte der zyprische Außenminister Ioannis Kasoulidis am Freitag. Der Krisen- und Evakuierungsplan unter dem Namen „Hestia“ könne umgesetzt werden, „sobald es nötig ist“.

          Die Erzrivalen Saudi-Arabien und Iran stehen sich bereits in Syrien sowie im Jemen auf der Arabischen Halbinsel als Feinde gegenüber. Teheran unterstützt im Jemen die schiitischen Huthi-Rebellen, die von einer Koalition unter Führung Riads seit mehr als zwei Jahren aus der Luft bombardiert werden. Der Iran und die Hizbullah sind zugleich wichtige Partner der Regierung im Bürgerkriegsland Syrien, wo Saudi-Arabien Rebellen fördert.

          Die Bundesregierung bemüht sich um Entspannung

          Gabriel drückte im Gespräch mit seinem saudischen Kollegen die Überzeugung aus, dass die Fortschritte im Libanon unter der Führung von Hariri „nicht in Gefahr geraten“ dürften, wie eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin berichtete. Die Grünen-Abgeordnete Franziska Brantner forderte ein Krisentreffen der EU-Außenminister, um eine gewaltsame Eskalation im Libanon zu verhindern. Regierungssprecher Steffen Seibert hob hervor, die Bundesregierung sehe die Politik des Irans und seine Unterstützung des syrischen Regimes und der Hizbullah -Miliz kritisch. Sie appelliere an Saudi-Arabien und den Iran, „die politische Stabilität im Libanon nicht zu schwächen“. Gabriel drang den Angaben zufolge im Gespräch mit al Dschubair auch darauf, die Lieferung von Hilfsgütern an die notleidende Bevölkerung im Jemen wieder zu ermöglichen. Dass die von Saudi-Arabien geführte Militärallianz im Jemen jetzt wieder Lieferungen über den Hafen von Aden zulasse, sei zwar ermutigend, aber nicht ausreichend.

          Die Vereinten Nationen übten scharfe Kritik an Saudi-Arabiens Einsatz im Jemen. Die jüngste Blockade der Flug- und Seehäfen mache das Elend der Zivilbevölkerung untragbar, berichteten UN-Organisationen in Genf. Seit vergangenem Wochenende könnten keinerlei Hilfsgüter für die rund 27 Millionen Einwohner mehr ins Land gebracht werden.

          Hilfsorganisationen hatten in dieser Woche bereits vor einer der weltweit größten Hungerkatastrophen im Jemen gewarnt. Saudi-Arabien hatte als Reaktion auf einen Raketenangriff der Huthi-Rebellen eine Blockade über die Flug- und Seehäfen des Bürgerkriegslandes verhängt.

          Quelle: dpa

          Weitere Themen

          Rückkehr nach Beirut angekündigt Video-Seite öffnen

          Hariri in Paris : Rückkehr nach Beirut angekündigt

          Der libanesische Politiker war von seinem Posten zurückgetreten. Dazu hatte sich zuletzt Bundesaußenminister Gabriel geäußert und damit Riad gegen sich aufgebracht.

          Droht ein Krieg gegen Israel?

          Naher Osten : Droht ein Krieg gegen Israel?

          In einem Bericht kommen pensionierte Generäle zu dem Schluss, dass ein neuer Waffengang zwischen der Hizbullah und Israel nur noch eine Frage der Zeit sei. Darin wird die Schiitenmiliz als der „mächtigste nichtstaatliche bewaffnete Akteur in der Welt“ bezeichnet.

          Gabriel besorgt um Stabilität des Libanon Video-Seite öffnen

          „Spiel mit dem Feuer“ : Gabriel besorgt um Stabilität des Libanon

          Nach Gesprächen mit seinem libanesischen Amtskollegen in Berlin sagte Gabriel am Donnerstag, der Libanon dürfe nach den Erfolgen der letzten Jahre nicht wieder destabilisiert werden. Der Außenminister rief die Länder der Region dazu auf, „das Spiel mit dem Feuer“ einzustellen.

          Topmeldungen

          Der Tatort: Das Briefzentrum Frankfurt. Millionen echte Briefe kommen hier täglich an. Etliche Millionen wurden offenbar nur erfunden.

          F.A.S. exklusiv : Millionen-Betrug mit erfundenen Briefen

          Staatsanwälte sind einem riesigen Betrugsfall in der Deutschen Post auf der Spur. Offenbar sind hunderte Millionen Briefe abgerechnet worden, die nie geschrieben wurden und frei erfunden waren.

          Ernennung neuer Bundesrichter : Wie Trump Amerikas Justizsystem umbaut

          Von seinen Wahlversprechen hat Donald Trump noch nicht allzu viel erreicht. Aber seine Regierung verändert das Land schon tiefgreifend. Ein mächtiger Hebel ist besonders nachhaltig – und wird noch andere Präsidenten beschäftigen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.