http://www.faz.net/-gpf-929tc

Nach Kurden-Referendum im Irak : Türkei stoppt Ausbildung der Peschmerga

  • Aktualisiert am

Kurdische Peschmerga-Soldaten Ende September nahe der irakischen Stadt Hawidscha an der Front mit der Terrormiliz „Islamischer Staat“ Bild: dpa

Ankara hat mit Verärgerung auf das kurdische Unabhängigkeitsreferendum reagiert. Nun stoppt die Türkei die Zusammenarbeit mit den Peschmerga-Kämpfern – und schwächt so den Kampf gegen den IS.

          Die Türkei hat nach dem Unabhängigkeitsreferendum der Kurden im Nordirak die Ausbildung der Peschmerga-Kämpfer gestoppt, die im Kampf gegen die Extremisten-Miliz „Islamischer Staat“ (IS) eine wichtige Rolle spielen. Vize-Ministerpräsident Bekir Bozdag gab die Entscheidung am Donnerstag im Gespräch mit dem Sender TGRT bekannt und kündigte weitere Maßnahmen an, ohne Einzelheiten zu nennen.

          Zudem will die Türkei nach Angaben des irakischen Ministerpräsidenten Haider al Abadi nur noch Öl von der Regierung in Bagdad kaufen. Dies habe der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim in einem Telefongespräch angekündigt. Bislang fließen Tausende Barrel Öl aus dem Nordirak durch türkische Pipelines.

          Das Nato-Mitglied Türkei bildet die Peschmerga seit 2014 im Kampf gegen den IS aus. Besonders im Westen war die Volksbefragung der irakischen Kurden zur Unabhängigkeit kritisiert worden mit dem Hinweis, der Streit darüber könne vom gemeinsamen Kampf gegen die Islamisten ablenken. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hatte am Dienstag – einen Tag nach der Abstimmung – erklärt, dieser müsse weiter oberste Priorität haben. Die Kurden hatten sich unter anderem in der Stadt Kirkuk dem IS entgegengestellt, als das irakische Militär vor der anrückenden Miliz floh.

          Laut der kurdischen Wahlkommission stimmten am Montag fast 93 Prozent der Kurden für die Unabhängigkeit vom Irak. Das Parlament in Bagdad hat inzwischen angeordnet, Soldaten in die von den Kurden kontrollierten Öl-Felder in der Region um Kirkuk zu entsenden. Sie lehnt Verhandlungen über eine Unabhängigkeit der Kurden-Region ab. Die Türkei und Iran befürchten ihrerseits, dass das Referendum Separatisten unter ihren kurdischen Minderheiten Auftrieb geben könnte.

          Die Türkei hat mit einer Blockade der Region im Norden des Irak gedroht. Zwar werde sein Land nicht davor zurückscheuen, mit größter Härte auf eine Bedrohung der nationalen Sicherheit an seiner Grenze zu reagieren, sagte Yildirim in der Provinz Corum. Dies sei jedoch nicht die bevorzugte Antwort.

          Quelle: Reuters

          Weitere Themen

          Söder spricht nach Abschluss der CSU-Klausur Video-Seite öffnen

          Livestream : Söder spricht nach Abschluss der CSU-Klausur

          Nach dem Abschluss der Klausur der CSU-Landtagsfraktion im Kloster Banz treten Markus Söder und der Fraktionschef Thomas Kreuzer vor die Presse. Verfolgen Sie ihre Statements hier ab etwa 12.30 Uhr im Livestream.

          Britisches Unterhaus stimmt für Brexit Video-Seite öffnen

          Austrittsgesetz : Britisches Unterhaus stimmt für Brexit

          Nachdem die Briten im Juni 2016 mit knapper Mehrheit für den Brexit gestimmt hatten, sind die Zweifel an der Richtigkeit dieser Entscheidung gewachsen. Das Unterhaus im britischen Parlament hat den Austrittsprozess jetzt aber wieder ein Stück vorangebracht.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Eine Diskussionsveranstaltung zu den Berliner Studentenunruhen hinter dem Bockenheimer Studentenhaus in Frankfurt.

          Fünfzig Jahre nach 1968 : Die Zeiten konnten nicht finster genug sein

          Vom Familienrecht bis zur öffentlichen Dauerentrüstung: Wer sich heute über das „versiffte links-rot-grüne 68er-Deutschland“ ereifert, übersieht, wie viel er in der eigenen Lebensführung jenen Protesten verdankt. Ein Kommentar.
          In Heinsberg (Nordrhein-Westfalen) hat Sturm „Friederike“ ein Schild umgeworfen.

          Wetter zu verkaufen : 236,81 Euro für „Friederike“

          Ob Kyrill, Burglind oder Friederike: Ein Berliner Institut verkauft die Namen der Hoch- und Tiefdruckgebiete, die das Wetter in Europa beeinflussen. Auch prominente Paten sind dabei.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.