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Nach Mexiko-Reise : Papst Franziskus außer Kontrolle

Über den Wolken: Papst Franziskus vor Journalisten auf der Rückreise. Bild: Reuters

Auf dem Rückflug von Mexiko nach Italien spricht der Papst vor Journalisten. Die Abtreibung vergleicht er mit den Verbrechen der Mafia, er rüttelt am Verhütungstabu und bescheinigt Donald Trump, kein Christ zu sein. Was ist los mit Franziskus?

          Wenn der Papst über den Wolken ist, wenn er mit Journalisten in einem Flugzeug sitzt, scheint nahezu alles möglich zu sein. Die Pressemitarbeiter, die mit dem Heiligen Vater auf Reisen sind, machen sich bereit, um im Anschluss die Wogen zu glätten.

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          Franziskus hat den Ruf eines Reformers und Kritikers des Klerus. Vor allem aber gelten seine spontanen Äußerungen als unberechenbar. Er ist das Gegenteil seines Vorgängers Benedikt XVI., er redet einfach drauf los. Im Frühjahr 2015 sagte er beim Rückflug auf einer Asienreise: „Einige glauben – entschuldigt bitte das Wort – um gute Katholiken zu sein, müssen wir sein wie die Kaninchen, nicht wahr? Nein.“

          Damit bescherte der Argentinier der Kirche eine Debatte über die Frage, wie viel Katholiken und Karnickel gemein haben – und einen Aufschrei des Kaninchenzüchterverbandes. Denn: Die Zucht von Kaninchen verlaufe in sehr geregelten Bahnen und solle nicht als Analogie für unkontrolliertes Sexualverhalten genutzt werden.

          In diesen Tagen war der Papst wieder auf Reisen, er flog von Mexiko zurück nach Italien. Und natürlich ließ er die Gelegenheit nicht aus, sich zu Wort zu melden. Dieses Mal über das Zika-Virus, das sich in Brasilien und Kolumbien immer mehr verbreitet. Es sei kein „absolutes Übel“, eine Schwangerschaft durch Verhütung zu verhindern, sagte Franziskus. Eine Abtreibung sei dagegen nicht das kleinere Übel, sondern ein Verbrechen.

          Damit erinnerte er die mitreisenden Reporter an Papst Paul VI., der von 1963 bis 1978 katholisches Kirchenoberhaupt war. Er hatte damals Frauen im Kongo Verhütungsmittel erlaubt, weil sie Opfer von Vergewaltigungen durch Soldaten geworden waren.

          Mit einem Handstreich scheint der Papst die Haltung der Kirche zur Verhütung aufzuweichen. Manche sprechen jetzt von einem Tabubruch, was das angedeutete Eingeständnis von Franziskus betrifft, sich durch Verhütung vor dem Zika-Virus zu schützen. Denn wenn dieses Virus in Lateinamerika als Argument dient, auch mit kirchlichem Segen Kondome nutzen zu dürfen, dann müsste das auch für andere Viren gelten. Konservative in der Kirche fürchten deshalb, dass Humanae Vitae, die sogenannte Pillen-Enzyklika, die Gläubigen die Verhütung untersagt, nun ins Wanken geraten könnte.

          In der italienischen Zeitung „La Stampa" vergleicht der Papst die Schwere einer Abtreibung mit den Verbrechen der Mafia. An anderer Stelle sagt Franziskus, ein Bischof, der einen pädophilen Priester versetzt, solle lieber zurücktreten. Es sind viele kleine Salven, die Franziskus scheinbar willkürlich verschießt und unkommentiert stehen lässt. Kirchenpolitisch steckt in den Äußerungen auf der Rückreise, die, überschattet von Trump und Zika, medial wenig Aufmerksamkeit bekommen haben, noch Sprengkraft. Der Papst kontrolliert nicht, was er sagt.

          Auch zur Politik wollte Franziskus eigentlich nichts sagen. Trotzdem attestierte er dem republikanischen Präsidentschaftsbewerber Donald Trump eine unchristliche Haltung gegenüber Einwanderern. „Jemand, der Mauern anstelle von Brücken bauen will, ist kein Christ“, sagte das katholische Kirchenoberhaupt.

          Der Papst bezog sich mit seiner Äußerung auf die Ankündigung Trumps, im Falle eines Wahlsiegs eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu errichten, um die illegale Einwanderung in die Vereinigten Staaten einzudämmen. Franziskus betonte, er wolle sich nicht in den amerikanischen Wahlkampf einmischen und oder eine Wahlempfehlung für oder gegen Trump abgeben. „Ich sage nur: Wenn er solche Dinge sagt, dann ist dieser Mann kein Christ.“

          Trump reagierte umgehend: „Es ist schändlich von einem religiösen Führer, den Glauben eines Menschen in Frage zu stellen“, erklärte Trump. „Ich bin stolz, ein Christ zu sein und als Präsident werde ich nicht erlauben, dass das Christentum ständig angegriffen und geschwächt wird.“ Er hatte bereits vergangene Woche Kritik am Papst geübt und ihm vorgeworfen, die Grenze zu den Vereinigten Staaten nur auf Drängen der mexikanischen Regierung zu besuchen.

          Franziskus sagt, er wolle sich nicht in die Politik einmischen – und mischt sich sehr wohl ein. Er will Gutes tun, offen sprechen. Indem er das aber zu oft tut, bewirkt er genau das Gegenteil. Es gibt keine Instanz, die ihn zur Ordnung rufen könnte. Seine Berater reden ihm nicht rein oder er hört nicht auf sie. Dabei hätte Franziskus das Konfliktpotential der Trump-Äußerung durchaus erahnen können. Im Interview, nicht während der improvisierten Pressekonferenz, in der das gesprochene Wort gilt, äußerte er sich danach ähnlich. Doch von der Äußerung des Papstes profitiert in erster Linie nur einer: Donald Trump. Er bekommt zusätzliche Aufmerksamkeit und profiliert sich mit Antikatholizismus, argumentiert etwa die „Washington Post". Für Trump ist die Ablehnung des Papstes ein Segen.

          Quelle: FAZ.NET

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