Während die französische Luftwaffe ihre Angriffe auf Ziele im Norden Malis am Montag intensiviert hat, ist islamistischen Gruppen eine Gegenoffensive im Westen des umkämpften Gebiets geglückt. In der Stadt Diabali etwa 400 Kilometer nördlich der malischen Hauptstadt Bamako rückten am Montag islamistische Krieger ein, die nach Angaben aus Bamako zum Terrornetz „Al Qaida im islamischen Maghreb“ (Aqim) zählen. Die malischen Streitkräfte zogen sich nach einem kurzen Schusswechsel zurück, hieß es in Paris.
Der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian sagte, die malischen Soldaten seien unzureichend ausgerüstet gewesen. Frankreich habe mit einer Gegenoffensive der Islamisten im Westen gerechnet, sagte der Minister im Fernsehsender BFM TV. Die Gesamtsituation entwickele sich „positiv“. „Im Osten Malis ist der Vormarsch der Terroristengruppen gestoppt“, sagte Le Drian. Im Westen sei der Feind hingegen „extrem bewaffnet“.
Ein britisches Transportflugzeug, das am Montag in der Normandie mit Militärausrüstung beladen wurde, konnte wegen eines Defekts nicht sofort ins Einsatzgebiet fliegen. London stellt zunächst zwei Transportflugzeuge bereit, will aber keine Kampfeinheiten entsenden. Der französische Außenminister Laurent Fabius dankte neben Großbritannien ausdrücklich nur Dänemark für dessen Bereitschaft, den Einsatz zu unterstützen. Berlin blieb zurückhaltend. Die Bundesregierung „denkt jetzt darüber nach, und zwar zügig, wie sie das Anliegen dort unterstützen kann“, sagte ein Sprecher. Außenminister Guido Westerwelle sagte, es solle jetzt in Gesprächen mit Frankreich geklärt werden, „inwieweit wir auch das Engagement Frankreichs jenseits der Entsendung von Kampftruppen unterstützen können“. Westerwelle sagte, es sei sowohl logistische Hilfe möglich als auch humanitäre oder medizinische Unterstützung. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton ließ in Brüssel mitteilen, die Vorbereitungen für die geplante EU-Mission zur Ausbildung malischer Soldaten würden beschleunigt; der Einsatz könne voraussichtlich in der zweiten Februarhälfte oder Anfang März beginnen.
Deutschland hat zugesagt, sich an der EU-Ausbildungsmission zu beteiligen. Die von Westerwelle erwogene Logistikhilfe könnte Truppen aus den Ländern der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas zuteilwerden, die prinzipiell ein gemeinsames Vorgehen zur Befreiung des Norden Malis verabredet und für den nächsten Herbst geplant hatten. Der UN-Sicherheitsrat hatte Ende Dezember ein entsprechendes Mandat verabschiedet, auf das sich nun auch die Franzosen berufen. Die EU bekräftigte am Montag, dass sie jenseits der Logistik-Hilfe für eine afrikanische Eingreiftruppe derzeit nicht vorhabe, sich an den Kampfhandlungen in Mali zu beteiligen. Die Mitgliedstaaten hatten im Dezember beschlossen, die malischen Sicherheitskräfte für den Kampf gegen die Aufständischen im Norden auszubilden. Der Operationsplan wird derzeit in Brüssel ausgearbeitet; es sollen etwa 150 bis 200 europäische Militärausbilder entsandt werden.
Mujao droht mit Anschlägen in Frankreich
Ein Anführer der Terrorgruppe „Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika“ (Mujao) drohte Frankreich mit Anschlägen. „Frankreich hat den Islam angegriffen. Wir werden das Herz Frankreichs angreifen. Überall, in Frankreich, in Afrika, in Bamako“, zitierte die Nachrichtenagentur AFP den Mujao-Führer Abu Dardar. Nach ersten Berichten aus den von den Islamisten gehaltenen Großstädten Timbuktu, Gao und Kidal haben die französischen Luftangriffe offenbar zahlreiche Opfer gefordert. Aus Gao wurde gemeldet, dort seien am Wochenende mehr als 60 Kämpfer umgekommen. Aus Timbuktu hieß es, zahlreiche Familien von Gotteskämpfern hätten sich in die Wüste zurückgezogen.
Die Tuareg-Rebellen der „Nationalen Bewegung zur Befreiung von Azawad“ (MNLA) boten den französischen Truppen ihre Hilfe an. „Wir begrüßen ausdrücklich die französischen Luftangriff“, sagte Moussa Ag Assarid, einer Führer des MNLA. Der MNLA könne die „Arbeit am Boden machen“. Der MNLA hatte im vergangenen Jahr die Rebellion im Norden Malis begonnen, war aber danach von den Islamisten entmachtet worden. Die Bewegung tritt für eine unabhängige Region Azawad ein, lehnt aber die Scharia als alleiniges Rechtssystem ab.
Le Drian sagte, die Stadt Diabali sei von Gruppen erobert worden, die von der mauretanischen Grenze her eingedrungen seien und zuvor von der französischen Luftwaffe bombardiert worden seien. „Sie sind schwer bewaffnet. Sie sind zu allem entschlossen. Sie sind sehr gut organisiert. Wir wussten das“, sagte Le Drian. Angeblich wurde der Angriff auf die Stadt von einem der bekanntesten Aqim-Führer, Abu Zeid, befehligt. Die malische Armee hat nach eigenen Angaben Hubschrauber in die Stadt geschickt.
Le Drian bestätigte, dass Algerien seinen Luftraum für französische Kampfflugzeuge freigegeben hat. In der algerischen Presse wurde die „unverbesserliche Kolonialhaltung Frankreichs“ unterdessen scharf kritisiert. Die Operation sei nach der Wüstenraubkatze Serval benannt, „zu deren Eigenarten es zählt, dreißig Mal pro Stunde zu urinieren, um ihr Territorium zu markieren“, schrieb die Zeitung „Liberté“. Frankreich markiere wie der Serval sein früheres Territorium. Zum Schutz der Uranminen in Niger sei Frankreich dazu bereit, wieder die Rolle des Gendarmen Afrikas zu übernehmen, kritisierte „L’Expression“.
In Berlin wandte sich der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion Andreas Schockenhoff am Montag dagegen, mögliche deutsche Unterstützungsleistungen von vornherein einzugrenzen. Sollten militärische Fähigkeiten Deutschlands erbeten werden, müsse dies „selbstverständlich geprüft werden“. In der kommenden Woche werden das französische Kabinett und das französische Parlament in Berlin erwartet, um den fünfzigsten Jahrestag des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages zu begehen.
Die verteidigungspolitische Sprecherin der FDP, Elke Hoff, hielt deutsche Unterstützung vor allem außerhalb des Krisengebietes für denkbar. Auch die Ausbildungsmission für malische Soldaten solle außerhalb Malis stattfinden. Andernfalls werde Deutschland zur Partei in einem Konflikt, dessen Ende nicht vorhersehbar sei. Sie verlangte, es müsse genauer erläutert werden, was unter „logistischer Unterstützung“ verstanden werde. Dazu könne auch die Bereitstellung von Munition zählen. Nach Einschätzung Frau Hoffs wird ein Mandat des Bundestages notwendig, sobald deutsche Lufttransporte bis nach Mali hineinführen. Der Grünen-Fraktionschef Trittin verlangt, Anfragen nach Unterstützung, etwa bei Ausbildung oder Logistik, „konstruktiv prüfen“.
Es geht nichts über den deutschen Infanteristen
Carsten Berg (Carberg)
- 16.01.2013, 10:18 Uhr
Europäische Barbaren
joachim tarasenko (truthful)
- 16.01.2013, 09:00 Uhr
Zum Thema Sturmgewehre,
Reinhold -Helmut Becker (ReinholdHelmut1)
- 16.01.2013, 04:12 Uhr
Dahinter steckt immer ein kluger Kopf...
Mirco Kreibich (mirquito)
- 15.01.2013, 22:58 Uhr
Wenig Substanz
Carsten Berg (Carberg)
- 15.01.2013, 09:32 Uhr
