Home
http://www.faz.net/-gq5-75q3x
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Nach französischen Luftschlägen Gegenoffensive von Al Qaida in Mali

In Mali haben die Islamisten Diabali 400 Kilometer nördlich von Bamako erobert. Amerika und mehrere EU-Staaten sicherten Frankreich Hilfe zu. Verteidigungsminister Le Drian sagte, die Gesamtsituation entwickele sich positiv.

© AP Vergrößern Ungepanzert: Malische Soldaten am Montag 40 Kilometer von Segou entfernt.

Während die französische Luftwaffe ihre Angriffe auf Ziele im Norden Malis am Montag intensiviert hat, ist islamistischen Gruppen eine Gegenoffensive im Westen des umkämpften Gebiets geglückt. In der Stadt Diabali etwa 400 Kilometer nördlich der malischen Hauptstadt Bamako rückten am Montag islamistische Krieger ein, die nach Angaben aus Bamako zum Terrornetz „Al Qaida im islamischen Maghreb“ (Aqim) zählen. Die malischen Streitkräfte zogen sich nach einem kurzen Schusswechsel zurück, hieß es in Paris.

Der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian sagte, die malischen Soldaten seien unzureichend ausgerüstet gewesen. Frankreich habe mit einer Gegenoffensive der Islamisten im Westen gerechnet, sagte der Minister im Fernsehsender BFM TV. Die Gesamtsituation entwickele sich „positiv“. „Im Osten Malis ist der Vormarsch der Terroristengruppen gestoppt“, sagte Le Drian. Im Westen sei der Feind hingegen „extrem bewaffnet“.

Ein britisches Transportflugzeug, das am Montag in der Normandie mit Militärausrüstung beladen wurde, konnte wegen eines Defekts nicht sofort ins Einsatzgebiet fliegen. London stellt zunächst zwei Transportflugzeuge bereit, will aber keine Kampfeinheiten entsenden. Der französische Außenminister Laurent Fabius dankte neben Großbritannien ausdrücklich nur Dänemark für dessen Bereitschaft, den Einsatz zu unterstützen. Berlin blieb zurückhaltend. Die Bundesregierung „denkt jetzt darüber nach, und zwar zügig, wie sie das Anliegen dort unterstützen kann“, sagte ein Sprecher. Außenminister Guido Westerwelle sagte, es solle jetzt in Gesprächen mit Frankreich geklärt werden, „inwieweit wir auch das Engagement Frankreichs jenseits der Entsendung von Kampftruppen unterstützen können“. Westerwelle sagte, es sei sowohl logistische Hilfe möglich als auch humanitäre oder medizinische Unterstützung. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton ließ in Brüssel mitteilen, die Vorbereitungen für die geplante EU-Mission zur Ausbildung malischer Soldaten würden beschleunigt; der Einsatz könne voraussichtlich in der zweiten Februarhälfte oder Anfang März beginnen.

Yacouba Konate wears a French flag to show his support for the French military intervention in Mali in the Malian capital of Bamako © REUTERS Vergrößern Zeichen der Zustimmung: in Malis Hauptstadt Bamako

Deutschland hat zugesagt, sich an der EU-Ausbildungsmission zu beteiligen. Die von Westerwelle erwogene Logistikhilfe könnte Truppen aus den Ländern der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas zuteilwerden, die prinzipiell ein gemeinsames Vorgehen zur Befreiung des Norden Malis verabredet und für den nächsten Herbst geplant hatten. Der UN-Sicherheitsrat hatte Ende Dezember ein entsprechendes Mandat verabschiedet, auf das sich nun auch die Franzosen berufen. Die EU bekräftigte am Montag, dass sie jenseits der Logistik-Hilfe für eine afrikanische Eingreiftruppe derzeit nicht vorhabe, sich an den Kampfhandlungen in Mali zu beteiligen. Die Mitgliedstaaten hatten im Dezember beschlossen, die malischen Sicherheitskräfte für den Kampf gegen die Aufständischen im Norden auszubilden. Der Operationsplan wird derzeit in Brüssel ausgearbeitet; es sollen etwa 150 bis 200 europäische Militärausbilder entsandt werden.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Im Kino: Timbuktu Am Anfang war Gewalt

Abderrahmane Sissakos Film Timbuktu zeigt den Albtraum des islamistischen Wütens - und ruft zugleich die Sanftmut als die Quelle des Widerstands auf den Plan. Meisterhaft ist auch die Bildsprache der Kamerafrau Sofiane El Fanisi. Mehr Von Hans-Jörg Rother

12.12.2014, 13:47 Uhr | Feuilleton
Soldaten

Apokalypse erster Weltkrieg: Soldaten Mehr

18.07.2014, 16:08 Uhr | Feuilleton
Gestoppte Lieferung Putin besteht nicht mehr auf französischen Kriegsschiffen

Russlands Präsident Putin will offenbar nicht mehr um zwei von ihm bestellte Kriegsschiffe aus Frankreich streiten. Er wäre nach eigenen Worten zufrieden, wenn Paris seine Anzahlung zurück überweist. Mehr

06.12.2014, 18:55 Uhr | Politik
Kiew meldet russische Truppen in Ukraine

Nach Angaben der ukrainischen Regierung gibt es russische Truppenbewegungen auf ukrainischem Boden. Premierminister Arseni Jazenjuk sagte, Russland habe Panzern und Truppen geschickt, russische Soldaten seien bereits auf ukrainischem Grund. Mehr

28.08.2014, 15:05 Uhr | Politik
Mit Bundestagsmandat Regierung will Soldaten in den Nordirak senden

Bisher hat sich Deutschland vor allem mit Waffenlieferungen an die Kurden am Kampf gegen die Terrormiliz IS beteiligt. Jetzt will die Regierung etwa hundert Soldaten für einen Ausbildungseinsatz in den Nordirak senden. Der Bundestag soll schon bald über ein Mandat entscheiden. Mehr Von Majid Sattar, Berlin

11.12.2014, 16:50 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 14.01.2013, 17:01 Uhr

Falsche Führung

Von Reinhard Müller

Der Bamberger Erzbischof Schick warnt Christen vor der Teilnahme an „Pegida“-Demonstrationen. Gegen was soll ein Christ demonstrieren dürfen, wenn nicht gegen die „Islamisierung Europas“? Mehr 8 41