Home
http://www.faz.net/-gq5-tm2e
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Nach der Hinrichtung Wird Saddam ein Märtyrer?

Tausende pilgern im Irak an die Grabstätte Saddam Husseins. Seine Tochter Raghda rief im jordanischen Amman einer jubelnden Menge zu, ihr hingerichteter Vater, der „irakische Präsident“, sei ein „Märtyrer“.

© AP Vergrößern Tausende pilgerten zur Grabstätte Saddams in Udscha

In seinem letzten Brief hatte sich Saddam Hussein einen „Märtyrer“ bezeichnet, und am Montag rief seine Tochter Raghda in Amman einer jubelnden Menge zu, ihr Vater, der „irakische Präsident“, sei ein „Märtyrer“.

Im Koran kommt die Bezeichnung Märtyrer nicht vor. Erst die Tradition des Propheten, die Sunna, entwickelt eine umfassende Theologie des Märtyrertums und versprach den Getöteten, sie würden die Ewigkeit nahe an Gottes Thron verbringen. Anknüpfungspunkt im Koran ist die Sure 3, Vers 163: „Nicht aber rechne du, die da erschlagen sind auf Gottes Weg, für Tote, sondern für Lebende.“ Konsens ist, dass als Märtyrer (shahid) gilt, wer im Dschihad getötet wird oder wer den Tod ungerecht erleidet. Der Islam nimmt damit die jüdisch-christliche Tradition auf, dass ein Märtyrer ist, wer Gott bis in den Tod bezeugt. „Shahid“ heißt in seinem ursprünglichen Wortsinn daher „Zeuge“.

Mehr zum Thema

Opfer des Kampfes gegen Kampf gegen Ungläubige?

Märtyrer ist einer, der sein Leben im Kampf gegen zur Verbreitung oder Verteidigung des Islam gelassen, also im Kampf gegen Ungläubige. In der schiitischen Tradition gelten auch der Kalif Ali und dessen Sohn Hussein als Märtyrer, die von der Hand ihrer innerislamischen Widersacher getötet wurden. In vielen islamischen Ländern wird die Auszeichnung Märtyrer auch jenen verliehen, die in Ausübung ihrer Dienstpflicht starben, etwa Soldaten und Polizisten.

Offiziell verleiht keine Stelle die Auszeichnung eines „Märtyrers“. Ob er sich im täglichen Leben durchsetzt, hängt vor allem davon ab, ob die Menschen ihn im Zusammenhang mit einem Namen gebrauchen. Bisher wurde Saddam auch nach seiner Verhaftung weiter „der irakische Präsident“ genannt. Vieles spricht dafür, dass sie vor diesen Titel nun auch noch „der Märtyrer“ setzen werden.

Quelle: Her./F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Kampf um den Tempelberg Unter fremden Menschen

Seit immer mehr rechte und religiöse Israelis auf den Jerusalemer Tempelberg pilgern, kehrt dort keine Ruhe mehr ein. Jeder Zentimeter, jede Sekunde ist umkämpft. Mehr Von Hans-Christian Rößler, Jerusalem

14.11.2014, 11:10 Uhr | Politik
Beschneidung Ein Schnitt ins Leben

Diese Operationen sind in der Türkei ein Grund für Familienfeste: Zu Besuch im Istanbuler Beschneidungspalast. Mehr Von Cigdem Akyol, Istanbul

12.11.2014, 06:34 Uhr | Gesellschaft
Islamischer Staat Das übersehene Gründungsdokument der Terrorherrschaft

Der Islamische Staat kommt keineswegs aus dem Nichts. Schon vor acht Jahren legte er in einem Manifest seine Ziele und Methoden offen. Mit großer Präzision wird hier versucht, die Terrorherrschaft aus der islamischen Tradition abzuleiten. Mehr Von Joseph Croitoru

25.11.2014, 16:41 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 01.01.2007, 17:12 Uhr

Tretet doch einfach zurück!

Von Reinhard Müller

Die Politik schreibt den Dax-Unternehmen eine Quote vor, die sie selbst nicht auf die Reihe bekommt. Oder hat schon ein Koalitionsminister freiwillig auf seinen Platz zugunsten einer Frau verzichtet? Mehr 21 58