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Nach den Wahlen Dutzende Tote bei Unruhen in Kenia

Einen Tag nach der Bekanntgabe des umstrittenen Wahlsieges von Präsident Kibaki versinkt Kenia zunehmend in Gewalt, Dutzende Leichen wurden aufgefunden. Oppositionskandidat Odinga bezeichnete Kibaki als Militärherrscher. Polizisten sagen, sie hätten einen Schießbefehl mit Tötungsabsicht.

© dpa Vergrößern Polizisten lösen eine Barrikade auf

Einen Tag nach der Bekanntgabe des umstrittenen Wahlsieges von Präsident Mwai Kibaki versinkt Kenia zunehmend in Gewalt. In Nairobi und anderen Landesteilen lieferten sich Demonstranten heftige Straßenschlachten mit der Polizei. Nach Angaben des Roten Kreuzes kamen seit den Wahlen am Donnerstag mindestens 54 Menschen ums Leben, mindestens 315 wurden verletzt. Die Zahl der Opfer könnte tatsächlich noch weitaus höher liegen; andere Quellen nennen mehr als hundert Tote. Ein Mitarbeiter der Leichenhalle in der westlichen Stadt Kisumu sagte der Nachrichtenagentur AFP, allein dort hätten Polizisten in der Nacht 46 Leichen abgegeben. Die Körper hätten Schusswunden aufgewiesen.

Der in der Präsidentenwahl unterlegene Oppositionskandidat Raila Odinga bezeichnete Kibaki am Montag als einen Militärherrscher, der nur noch mit der Gewalt der Gewehre regiere. Für Donnerstag rief er zu einer Großdemonstration in Nairobi auf, zu der alle Teilnehmer mit einem schwarzen Armband erscheinen sollen. Odinga verglich die Situation mit der Lage der Elfenbeinküste im Jahr 2002. Das bis dahin exemplarisch stabile Land wurde damals durch einen Militärputsch in einen Bürgerkrieg gerissen.

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Auswärtiges Amt warnt Kenia-Reisende

Schwerpunkte der Unruhen in Kenia sind die Elendssiedlungen der Hauptstadt Nairobi, die 300 Kilometer nordwestlich gelegene Stadt Kisumi und die Küstenstadt Mombasa, wo sich zahlreiche Touristenhotels befinden. Das Auswärtige Amt in Berlin hat Kenia-Reisenden empfohlen, sich von Menschenansammlungen und politischen Kundgebungen fernzuhalten.

Dutzende Tote bei Unruhen in Kenia Polizisten lösen eine Barrikade auf © dpa Bilderstrecke 

Die Wahlkommission hatte Kibaki am Sonntagabend, drei Tage nach den Wahlen, zum Sieger erklärt. Etliche Ungereimtheiten bei der Auszählung konnten zu diesem Zeitpunkt noch nicht aufgeklärt werden. Odinga, der nach Angaben der Wahlkommission nur um 231.728 Stimmen hinter Kibaki lag, zweifelte das Wahlergebnis an. Seine Orange Demokratiebewegung ODM wollte ihn am Montag als „Präsidenten des Volkes“ in einem Park von Nairobi feiern. Schwer bewaffnete Polizisten verhinderten den Vormarsch von Demonstranten ins Zentrum der Hauptstadt, es kam zu blutigen Zusammenstößen.

Schießbefehl mit Tötungsabsicht?

In Nairobi schossen Bereitschaftspolizisten mit Tränengas in Häuser und Geschäfte. Bewohner klagten darüber, dass keine Nahrungsmittel mehr aufzutreiben seien. Die meisten Geschäfte sind seit dem Wahltag geschlossen. In Mombasa plünderten Aufständische Geschäfte mit dem Ruf „Kein Raila, kein Frieden!“.

Mehrere hohe Polizeioffiziere teilten unabhängig voneinander in Nairobi der Nachrichtenagentur AP mit, sie hätten den Befehl bekommen, tödliche Schüsse abzugeben. Das führte offenbar zu Spannungen innerhalb der Polizei, da viele Beamte mit der Opposition sympathisieren. Ein Regierungssprecher dementierte, dass es einen solchen Schießbefehl mit Tötungsabsicht gebe.

Quelle: FAZ.NET

 
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Veröffentlicht: 01.01.2008, 10:41 Uhr

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