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Aktualisiert: 11.01.2015, 15:40 Uhr

Weltelite geht auf die Straße Solidaritätsmarsch in Paris ist gestartet

Der französische Präsident Hollande und Kanzlerin Merkel sind gemeinsam mit anderen Staats- und Regierungschefs zum großen Pariser Solidaritätsmarsch gestartet. Bis zu eine Millionen Menschen werden in Paris erwartet.

© AP Bildergalerie: Paris gedenkt der Opfer des Terrors

Der französische Staatspräsident François Hollande und Kanzlerin Angela Merkel sind gemeinsam mit anderen Staats- und Regierungschefs zum großen Pariser Solidaritätsmarsch gestartet. Merkel und Hollande liefen zunächst eine kurze Strecke nebeneinander. Die Spitzenpolitiker versammelten sich unweit der Place de la République. Mit dem Marsch, zu dem bis zu eine Million Menschen erwartet werden, wird an die Opfer von islamistischen Terroranschlägen und Geiselnahmen erinnert. Dabei kamen in der zurückliegenden Woche 17 unschuldige Menschen ums Leben.

Kurz vor Beginn des großen Solidaritätsmarsches in Paris empfing Frankreichs Präsident François Hollande am Sonntag zahlreiche Staats- und Regierungschefs im Élysée-Palast empfangen.Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel wurden auch Israels Ministerpräsident  Benjamin Netanjahu und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas erwartet.

32526996 © AFP Vergrößern Frankreichs Präsident Hollande (5.v.l.) empfängt am Elysee-Palast Staatschefs und Politiker, die für den Gedenkmarsch nach Paris gereist sind.

Der Platz der Republik im Stadtzentrum war schon über eine Stunde vor Beginn des geplanten Schweigemarsches überfüllt. Demonstranten schwenkten französische Fahnen und riefen immer wieder in Sprechchören. „Vive la France“. „Ich bin hier, um zu zeigen, dass die Terroristen nicht gewonnen haben“ sagte etwa die 34-jährige Franko-Marokkanerin Zakaria Moumni. „Im Gegenteil sie bringen die Menschen aller Religionen zusammen“.

Neben französischen wurden zum Gedenken an die bei der Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt umgekommenen Menschen auch israelische Flaggen geschwenkt. Auf Transparenten hieß es: „Freiheit - Wir sind deinetwegen hier“ oder „Charlie Akbar“ - in Anspielung auf das islamische Glaubensbekenntnis „Allah ist groß“.

Solidaritätsmarsch hat begonnen Frankreichs Präsident Hollande empfängt Kanzlerin Merkel, die wie dutzende andere Staatschefs nach Paris gereist ist, um der Opfer der Anschläge zu gedenken. © AP Bilderstrecke 

Der Marsch soll etwa drei Stunden dauern. Vom Platz der Republik bis zum Platz der Nation sind zwei gesicherte Routen vorgesehen. Die Hauptstrecke von etwa drei Kilometern Länge führte über den Boulevard Voltaire, der beide Plätze in einer Linie direkt verbindet. Damit gehen die Demonstranten in unmittelbarer Nähe der Redaktion von „Charlie Hebdo“ vorbei. Der zweite Weg markierten Avenue de la République, Boulevard de Ménilmontant und Avenue Philippe Auguste, mit einer Ausweichmöglichkeit über Avenue Charonne und Cours de Vincennes.

Seit dem Zweiten Weltkrieg ist nur ein Mal ein französischer Staatschef bei einer Demonstration mitgelaufen: François Mitterrand im Mai 1990 nach der Schändung eines jüdischen Friedhofs.

32527178 © AFP Vergrößern Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ist bereits in Paris eingetroffen und von Hollande begrüßt worden.

Tausende Polizisten sollen Demonstranten schützen

In Frankreich gilt der Marsch, um an die Opfer der jüngsten Terrorwelle zu erinnern, schon jetzt als historisch. Die Tageszeitung „Le Monde“ schreibt: „Die Solidarität zahlreicher führender Politiker aus Europa...hat eine historische Dimension. Ihre beispiellose und spektakuläre Geste der Solidarität verdient Anerkennung und bedeutet für uns eine Verpflichtung.“

Auch Politiker, zwischen deren Ländern große Spannungen herrschen, werden gemeinsam durch die Straßen laufen. Neben dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu nimmt auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas teil. Russlands Außenminister Sergej Lawrow wird genauso mitlaufen wie der ukrainische Präsident Petro Poroschenko.

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Für die Sicherheitskräfte wird die Demonstration auch wegen der hochrangigen Gäste eine Herausforderung - zumal neue Anschläge befürchtet werden und im Großraum Paris noch immer die höchste Terrorwarnstufe gilt. Die beiden größten Gefahren: Fahrzeuge, die in die Menschenmenge rasen könnten, und Angreifer, die sich unter die Demonstranten mischen.

Rund 5500 Polizisten und Soldaten sollen für die Sicherheit der Teilnehmer des Schweigemarsches sorgen. Zivilpolizisten werden sich unter die Demonstranten mischen, auf den umliegenden Dächern werden Scharfschützen postiert.  „Was wir normalerweise für eine große Demonstration machen, wird verdoppelt oder sogar verdreifacht“, sagt ein Polizeivertreter.

© ZDF Der Livestream: Solidaritätsmarsch in Paris

Zu der Solidaritätsveranstaltung werden aus Deutschland neben Bundeskanzlerin Merkel und Vizekanzler Sigmar Gabriel auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier und  Innenminister Thomas de Maizière  erwartet. Letzterer trifft sich zuvor mit EU-Kollegen, um über Konsequenzen im Kampf gegen den Terrorismus zu beraten. Daran nimmt auch der amerikanische Justizminister Eric Holder teil.

Aus Europa haben unter anderem auch die Spitzen der EU sowie die Regierungschefs Großbritanniens, Italiens, Spaniens, Dänemarks, Belgiens, der Niederlande, Finnlands, Griechenlands, Polens, Portugals, Schwedens, Tschechiens, Ungarns, Lettlands, Bulgariens, Kroatiens und Rumäniens ihre Teilnahme zugesagt. Dabei sein werden auch Jordaniens König Abdullah II. und der türkische Regierungschef Ahmet Davutoglu.

Schon am Samstag waren in ganz Frankreich insgesamt 700.000 Menschen auf die Straße gegangen und hatten der 17 Todesopfer der Gewalttaten von Paris gedacht.

© afp Muslime in Frankreich nach Anschlägen schockiert

Quelle: spo./dpa/AFP

 

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