28.12.2009 · Nach dem fehlgeschlagenen Selbstmordattentat auf ein Passagierflugzeug hat die amerikanische Heimatschutzministerin Napolitano ein Versagen der Sicherheitsvorkehrungen eingestanden. Präsident Obama versprach eine umfassende Aufklärung des Vorfalls.
Der amerikanische Präsident Barack Obama hat eine umfassende Aufklärung des vereitelten Anschlages auf ein amerikanisches Passagierflugzeug versprochen. Seine Regierung werde nicht ruhen, bis alle an den Plänen Beteiligten zur Verantwortung gezogen sind, sagte Obama am Montag in seinem Urlaubsort auf Hawaii. Der Präsident wies auf seine Anordnungen hin, sowohl die bisherige Handhabung von Listen mit verdächtigen Personen wie auch die allgemeinen Sicherheitsvorkehrungen im Luftverkehr grundlegend zu überprüfen.
Obama erklärte, seine Regierung werde „jedes Element unserer Macht als Nation“ nutzen, um Terroristen zurückzuschlagen, die die Vereinigten Staaten bedrohten - „ob sie aus Afghanistan oder Pakistan, dem Jemen oder Somalia sind, oder von wo auch immer sie Attacken auf amerikanische Boden planen“. Der Präsident lobte darüber hinaus den Mut von Passagieren und Crew an Bord der Delta-Maschine, durch deren Eingreifen am ersten Weihnachtstag eine Katastrophe an Bord verhindert wurde. Obama war kritisiert worden, weil er sich von seinem Familienurlaub in Hawaii aus nicht zu dem schweren Zwischenfall geäußert hatte.
„Das System hat nicht funktioniert“
Zuvor hatte Heimatschutzministerin Janet Napolitano ein Versagen der amerikanischen und der internationalen Sicherheitsvorkehrungen eingestanden. Noch am Wochenende hatte Frau Napolitano mit Blick auf die Reaktion der Passagiere, der Flugbegleiter und der Behörden nach dem fehlgeschlagenen Anschlag gesagt, „das System hat funktioniert“. Nun gelte es zu fragen, warum „diese Person das Flugzeug betreten“ konnte, warum Sprengstoff nicht gefunden wurde und ob die Bestimmungen für die Sicherheitsliste geändert werden müssten, auf denen Terrorverdächtige geführt werden. Der Name des gescheiterten Attentäters war in einem Verzeichnis gefährlicher Personen gespeichert gewesen.
Im Nachrichtensender CNN kündigte die Ministerin eine Überprüfung weiterer Schutzmaßnahmen mit der Begründung an, „diese Person hätte mit diesem Material das Flugzeug nicht betreten dürfen“. Sie wolle allerdings nicht so weit gehen und grundsätzlich von einer neuen Form der Bedrohung wegen ungenügender Sicherheitssysteme sprechen. „In diesem Fall hat das System nicht funktioniert. Darüber ist niemand glücklich. Eine umfassende Untersuchung ist im Gange“, sagte Frau Napolitano. Die nun zusätzlich ergriffenen Sicherheitsvorkehrungen am Boden und in den Flugzeugen machten den Flugverkehr jedoch sicher.
„Es gibt viel zu untersuchen“
Der amerikanische Regierungssprecher Robert Gibbs sagte, die Ermittler müssten „klären, ob eindeutige Indizien übersehen wurden und ob die Verfahrensweisen geändert werden sollten“. Oppositionspolitiker wie der republikanische Fraktionschef im Senat, Mitch McConnell, äußerte mit Blick auf Sicherheitslücken: „Es gibt viel zu untersuchen.“
Derweil wurde der verhinderte Attentäter, der 23 Jahre alte Nigerianer Umar Faruk Abdulmutallab, der am ersten Weihnachtsfeiertag mit Plastiksprengstoff den aus Amsterdam kommenden Airbus 330 beim Anflug auf Detroit zum Absturz zu bringen versucht hatte, aus einem Krankenhaus entlassen und in ein Gefängnis im Bundesstaat Michigan verlegt. Dort soll ihm am 8. Januar vor Gericht die Anklageschrift verlesen werden.
Jemen wird zum Schlüsselland des Terrors
Unterdessen konzentrieren sich die Ermittlungen auf vermutete Verbindungen Abdulmutallabs zu Terroristenführern im Jemen. Amerikanische Medien berichteten am Montag übereinstimmend, dass die amerikanische Streitkräfte und Geheimdienste seit Monaten verstärkt im Jemen operieren und das Land am Roten Meer und am Golf von Aden als wichtige Front im Kampf gegen den internationalen Terrorismus betrachten. Die Tageszeitung „New York Times“ berichtete, einige im Anti-Terror-Kampf geschulte CIA-Agenten seien schon seit einem Jahr im Jemen tätig. Als eine der Schlüsselfiguren des Terrorismus gilt der im Jemen lebende fanatische Prediger Anwar al Awlaki, der Kontakte zu dem verhinderten Attentäter von Detroit gehabt haben soll.
Die Tageszeitung „Washington Post“ berichtete am Montag unter Berufung auf Quellen in der Regierung, bei eingehender Überprüfung hätte der Nigerianer, der sein Flugticket in Accra in Ghana bei der niederländischen Fluggesellschaft KLM in bar bezahlt hatte und nur mit Handgepäck gereist war, den Sicherheitskräften ins Netz gehen müssen.
Die niederländischen Behörden untersuchten unterdessen, ob Abdumutallab, der in Amsterdam umgestiegen war, einen einen Komplizen hatte. Die niederländische Polizei gehe derzeit Angaben von Mitreisenden nach, wonach der Nigerianer vor dem Abflug am Amsterdamer Flughafen Schiphol mit einem anderen Mann gesehen wurde, sagte ein Sprecher am Montag. Es habe sich um einen großgewachsenen, etwa 50 Jahre alten Mann gehandelt. Die niederländische Polizei hatte bereits erklärt, Abdulmutallab sei nach seiner Ankunft aus Lagos nicht durch die Passkontrolle gegangen. Dennoch sei es unwahrscheinlich, dass er vor dem Einstieg in das Flugzeug der Fluggesellschaft „Delta/Northwest“ nach Detroit nicht an einer anderen Stelle kontrolliert worden sei.
Kein Einzeltäter?
Nach Vermutungen des britischen Innenministers Johnson hat Umar Faruk Abdulmutallab das Attentat nicht alleine geplant. Johnson sagte am Montag im britischen Rundfunk, die britischen Sicherheitsbehörden prüften derzeit, ob Abdulmutallab während seiner Studienzeit am Londoner University College „radikalisiert“ worden sei. Mehrere britische Zeitungen berichteten am Montag unter Berufung auf einen früheren britischen Lehrer des Attentäters, dass Abdulmutallab schon als Schüler zu fundamentalistischen muslimischen Ansichten geneigt habe. Der Lehrer unterrichtete an einem Internat in Lomé, der Hauptstadt Togos, das Abdulmutallab besuchte. Er begleitete dessen Klasse auf einer Klassenfahrt nach Großbritannien und berichtete, er erinnere sich an eine Debatte nach dem Al-Qaida-Bombenanschlag auf Amerika am 11. September 2001, in der alle Schüler sich entsetzt gezeigt hätten über die Tat, Abdulmutallab hingegen Verständnis für die Attentäter gezeigt habe. Abgesehen von dieser Tendenz sei Abdulmutallab allerdings ein Musterschüler gewesen.
Der britische Innenminister bestätigte am Montag auch, Abdulmutallab sei im Mai diesen Jahres durch seinen fehlgeschlagenen Versuch, ein neues Einreisevisum nach Großbritannien zu erhalten, auf eine „schwarze Liste“ gelangt. Ihm war im Frühjahr die Einreise verweigert worden, weil das College, das er als neuen Studienort angegeben hatte, über einen zweifelhaften Ruf verfügt. Johnson sagte, die Liste, auf der Abdulmutallab eingetragen worden sei, sei keine Liste von spezifischen „Terrorverdächtigen“. Trotzdem müsse geklärt werden, warum die Informationen über die britische Einreiseverweigerung nicht sogleich an amerikanische Behörden weitergegeben worden seien; da üblicherweise aufgrund der „engen Zusammenarbeit“ die Amerikaner auch in den Besitz solcher, weniger brisanter Sicherheitsinformationen gelangten.
Eklatante Fehlbesetzung
Gerhard Rinker (GerdR)
- 28.12.2009, 21:51 Uhr
"Teure" Muslime - in Amerika
pauline mohr (paulinemohr)
- 28.12.2009, 23:47 Uhr