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Chinesische Studie : Testgelände Nordkoreas teilweise zerstört

Am Berg: Das nordkoreanische Atomtestgelände Punggye-ri Bild: Reuters

Chinesische Fachleute sind sich sicher, dass das nordkoreanische Atomtestgelände Punggye-ri partiell zerstört ist. Nach dem letzten Test soll das Bergmassiv teilweise eingestürzt sein.

          Schon in den Wochen nach dem sechsten Atomwaffentest Nordkoreas im September 2017 hatte es Gerüchte gegeben, dass Teile des Tunnelsystems des unterirdischen Testgeländes in Punggye-ri eingestürzt seien. Auch von Toten war die Rede. Eine Studie chinesischer Forscher scheint diese Vermutungen nun zu bestätigen. Die Erkenntnisse werfen auch ein neues Licht auf die Zusicherung des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un vom Wochenende, das Testgelände aufzugeben.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Nach Angaben von Geologen der Universität für Wissenschaft und Technik im chinesischen Hefei ließ die Explosion am 3. September, die ein Beben der Stärke 6,3 verursachte, einen Teil des Bergmassivs in sich zusammenstürzen. Andere Teile seien einsturzgefährdet. Der Leiter der Forschergruppe, Wen Lianxing, sagte laut einer Mitteilung: „Es ist notwendig, weiter zu beobachten, ob es möglicherweise durch den Zusammenbruch zum Austritt radioaktiven Materials gekommen ist“. Neben Nordkorea selbst wäre das vor allem für China höchst beunruhigend, da Punggye-ri weniger als 100 Kilometer von der chinesischen Grenze entfernt liegt. Den Forschern zufolge riss der Sprengsatz mit einer Detonationswucht von 100 Kilotonnen, den Nordkorea als Wasserstoffbombe deklariert hat, ein 200 Meter großes Loch in die Bergdecke. Dies habe einen Erdrutsch zur Folge gehabt, was  auf Satellitenbildern zu erkennen sei, teilten die Forscher mit. Sie hätten zudem eine große Zahl an seismischen Daten ausgewertet. Später sei es in der unmittelbaren Umgebung zu drei weiteren kleineren Beben gekommen.

          Ein anderer chinesischer Forscher, Zhao Lianfeng von der chinesischen Wissenschaftsakademie, sagte der Zeitung „South China Morning Post“, die Studie bestätige frühere Erkenntnisse. Das Gelände sei „vollkommen zerstört“ und könne nicht mehr instand gesetzt werden.

          Zwei Wochen nach dem Atomtest sei Nordkoreas führender Geologe, Lee Doh-sik, nach Peking gereist und habe sich mit Geologen staatlicher chinesischer Stellen in Peking getroffen, berichtete die Zeitung. Denkbar sei, so wird ein weiterer Wissenschaftler zitiert, dass China Nordkorea aufgrund des Strahlungsrisikos gedrängt habe, das Testgelände zu schließen.

          Auch südkoreanische Geheimdienstquellen legten den Schluss nah, dass ein Teil des Bergmassivs eingestürzt sei und radioaktive Strahlung ausgetreten sei, sagte Jun Bong-geun von der Korea National Diplomatic Academy am Donnerstag in Seoul. Es sei aber unmöglich, dies zu verifizieren. Jun wandte sich gegen Einschätzungen, wonach die Schäden in dem Tunnelsystem der Grund sein könnten, dass Nordkoreas Machthaber am Wochenende die Schließung des Geländes angekündigt hatte. „Die Ankündigung ist bedeutend“, sagte Jun. „Es war das erste Mal, dass das Wort Abbau (des Testgeländes) verwendet wurde. Er sprach nicht von vorrübergehend.“ Jun verwies auf Indien und Pakistan, die ebenfalls nach einer begrenzten Zahl von Atomtests ihr Testprogramm eingestellt hätten.

          Auch Fachleute des US-Korea-Institute der Johns-Hopkins-Universität sehen keinen Zusammenhang zwischen etwaigen Schäden und der angekündigten Stilllegung des Geländes. Nach ihren Erkenntnissen sei Punggye-ri weiter nutzbar, heißt es in einem Kommentar auf der Fach-Website „38 North” des Instituts. Allein der nördliche Teil des Geländes sei nach dem Test offenbar verlassen worden. Es seien aber anschließend neue Tunnelarbeiten vorgenommen worden, die Mitte März zurückgefahren worden seien, wie aus Satellitenaufnahmen hervorgehe.

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