http://www.faz.net/-gpf-7ry94
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 23.07.2014, 20:28 Uhr

Nach Abschuss von MH17 Rebellenkommandeur: „Wir hatten Buk-Raketen“

Erstmals hat ein Separatistenführer in der Ostukraine zugegeben, dass die Aufständischen Buk-Luftabwehrraketen besessen haben. Gleichzeitig machte der Kommandeur des Wostok-Bataillons, Alexander Chodakowski, Kiew schwere Vorwürfe.

© REUTERS Der Kommandeur des Wostok-Bataillons Alexander Chodakowski

Ein einflussreicher Rebellenkommandeur in der Ostukraine hat in einem am Mittwoch veröffentlichten Reuters-Interview zugegeben, dass die Separatisten über Buk-Luftabwehrraketen verfügt haben. Mit solchen Raketen wurde nach amerikanischen Informationen vermutlich von Separatisten die malaysische Passagiermaschine mit 298 Menschen ab Bord vor einer Woche abgeschossen.

Alexander Chodakowski, der Kommandeur des Wostok-Bataillons, sagte, das Buk-System stamme möglicherweise aus Russland. Es könne sein, dass es dorthin zurückgebracht worden sei, um zu verschleiern, dass die prorussischen Rebellen über es verfügt hätten. Chodakowski ist ein früherer Chef der Anti-Terror-Einheit „Alpha“ des Sicherheitsdienstes in Donezk. Zwischen ihm und anderen Rebellenkommandeuren wie dem aus Moskau stammenden Igor Strelkow, der sich zum Kommandeur aller Rebelleneinheiten in der Provinz Donezk erklärt hat, ist es in der Vergangenheit zu Reibereien gekommen.

Mehr zum Thema

„Ich weiß, dass ein Buk-System von Luhansk gekommen ist“, sagte Chodakowski. Man habe ihn darüber informiert, dass dieses Raketenabwehrsystem unter die Flagge der Volksrepublik Luhansk gestellt werde. Dies ist die größte Gruppe von Aufständischen, die in der Region um die Stadt Luhansk in der Provinz Donezk operiert. In der Region in der Ostukraine war Flug MH17 abgestürzt.

30324650 © AP Vergrößern Ein Wrackteil der abgeschossenen Boeing weist deutliche Spuren von Schrapnelleinschlägen auf, die vermutlich von einer Luftabwehrrakete stammen.

Vor dem Absturz hatten Aufständische damit geprahlt, sie verfügten über Buk-Raketensysteme. Doch seither hat die Volksrepublik Donezk, die wichtigste Separatistenorganisation in der Ostukraine, den Besitz solcher Abwehrwaffen bestritten. Chodakowski gab nun erstmals nach dem Absturz zu, dass Kämpfer über Buk-Raketen verfügten.

„Ich weiß von diesem Buk-System“, sagte der Rebellenkommandeur. „Ich habe davon gehört. Ich denke, sie haben es zurückgeschickt. Denn ich habe genau in dem Moment davon erfahren, als diese Tragödie geschehen ist. Sie haben es vermutlich zurückgeschickt, um den Beweis seiner Existenz zu beseitigen.“

Chodakowski: Kiew trägt Mitschuld

Der ukrainischen Führung in Kiew wies Chodakowski eine Verantwortung an dem Flugzeugabsturz zu. Sie habe zeitig gewusst, dass die Separatisten über eine solche Raketentechnologie verfügten, sagte er. Die Regierung in Kiew habe „nicht nur nichts getan, um die Sicherheit zu gewährleisten, sondern sie hat den Einsatz eines solchen Waffentyps gegen ein Flugzeug mit Zivilisten an Bord provoziert“. Denn sie habe einen Luftangriff just in dem Moment gestartet, als das zivile Flugzeug das Gebiet überflogen habe.

Ukrainian government, rebels deny shooting down Malaysian plane © dpa Vergrößern Buk-Luftabwehrraketen (Archivbild)

„Sie wussten, dass dieses Buk-System existiert hat, dass es auf dem Weg nach Sneschnoje war“, sagte Chodakowski unter Verweis auf ein zehn Kilometer westlich der Absturzstelle gelegenes Dorf. „Sie wussten, dass es dort stationiert werden würde, und sie provozierten den Einsatz dieses Buk-Systems, indem sie einen Luftangriff auf ein Ziel begonnen haben, den sie nicht brauchten.“

Quelle: FAZ.NET mit Reuters

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Abschuss über der Ukraine Angehörige von MH17-Opfern verklagen Russland und Putin

33 Hinterbliebene von Opfern des Abschusses von Flug MH17 haben offenbar vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Klage eingereicht. Sie fordern von Russlands Präsident Putin Schmerzensgeld in Millionenhöhe. Mehr

21.05.2016, 17:44 Uhr | Politik
Syrien Raketenangriff auf Krankenhaus in Aleppo

Ungeachtet internationaler Friedensbemühungen eskalieren die Kämpfe in der syrischen Großstadt Aleppo. Dort ist am Dienstag ein Krankenhaus von Raketen getroffen worden. Mindestens 19 Menschen sollen bei dem Vorfall getötet worden sein. Mehr

03.05.2016, 17:54 Uhr | Politik
Ostukraine Tausende Fälle von Folter

Das Ausmaß von Kriegsverbrechen in der umkämpften Ostukraine ist größer als bisher bekannt. Menschenrechtler haben die gängige Praxis aus Folter und Verschleppung dokumentiert. Mehr Von Konrad Schuller, Kiew

18.05.2016, 09:17 Uhr | Politik
Berlin Bundesregierung prüft Abgas-Vorwürfe gegen Opel

Neben dem Opel Zafira verfügt angeblich auch der Opel Astra über eine Motorensoftware, die in vielen Fahrsituationen die Abgasreinigung abschaltet. Das sollen Recherchen des ARD-Magazins Monitor und des Spiegels, zusammen mit der Deutschen Umwelthilfe ergeben haben. Das Bundesverkehrsministerium hat den Autohersteller deshalb nun vorgeladen. Mehr

13.05.2016, 15:40 Uhr | Wirtschaft
Gefangenenaustausch Ukrainische Kampfpilotin Sawtschenko frei

Nach monatelangen Geheimverhandlungen hat Russland die verurteilte ukrainische Kampfpilotin Nadija Sawtschenko an ihr Heimatland überstellt. Die 35-Jährige landete am Mittwoch in Kiew. Mehr

25.05.2016, 12:41 Uhr | Politik

Anleitung zur Reparatur

Von Jasper von Altenbockum

Die SPD hält das Integrationsgesetz für ein neues Einwanderungsgesetz. Warum nur? Beim Thema Einwanderung geht es um eine ganz andere Frage. Mehr 132