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Nabucco-Pipeline Warum Russland dagegen ist

13.07.2009 ·  Mit der Realisierung der Nabucco-Gasleitung würde Moskau zwei Monopolstellungen verlieren: Bisher können Kasachstan und Turkmenistan ihr Gas nur über Russland nach Westen verkaufen - und der Westen kann zentralasiatisches Gas nur über Russland beziehen.

Von Reinhard Veser
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Drei Tage bevor in der Türkei der Nabucco-Vertrag unterzeichnet worden ist, wurde Moskau durch einen Paukenschlag aus Bulgarien aufgeschreckt: Der Sieger der bulgarischen Parlamentswahl vom 5. Juli forderte ein „Moratorium“ zu allen Energieabkommen, die die scheidende Regierung geschlossen habe, da es Warnsignale gebe, dass bulgarische Staatsunternehmen nationale Interessen missachteten.

In einem Schreiben des mutmaßlich künftigen Ministerpräsidenten Bojko Borissow an das Energieministerium wurde als eines der in Frage stehenden Projekte die Gaspipeline „South Stream“ genannt.

Beide Leitungen sind möglich

Diese Leitung, die der russische Monopolist Gasprom gemeinsam mit dem italienischen Konzern Eni bauen möchte, wird in Russland wie im Westen als Konkurrenzprojekt zu Nabucco angesehen - sie sollte nach Moskaus Vorstellung das europäische Projekt unwirtschaftlich machen und so verhindern.

Die Nachrichten aus Bulgarien bedeuten nicht zwangsläufig, dass „South Stream“ gescheitert ist. Beide Leitungsprojekte sind schon mehr als einmal totgesagt worden. Und doch ist es nicht ausgeschlossen, dass beide zustande kommen.

Doch das Ziel, Nabucco mit Hilfe von „South Stream“ zu verhindern, hat Moskau nun verfehlt. Russland ist gegen Nabucco, weil es dadurch auf einen Schlag zwei Monopolstellungen verliert: Bisher können Kasachstan und Turkmenistan ihr Gas nur über Russland nach Westen verkaufen - und der Westen kann das zentralasiatische Gas nur über Russland beziehen.

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Mit „South Stream“ dagegen wollte Gasprom zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Außer Nabucco sollte das Transitland Ukraine das zweite Opfer sein: Zusammen mit der Ostseeleitung „Nordstream“ sollte „South Stream“ Gasproms Gas direkt zu den europäischen Abnehmern bringen.

Bevor die Pläne für Nabucco Gestalt anzunehmen begannen, hat Gasprom es gegenüber den zentralasiatischen Förderern mitunter rüde ausgespielt, dass diese ihr Gas über die alten sowjetischen Leitungssysteme nur an Russland loswerden konnten. Je konkreter das europäische Vorhaben wurde, desto größer wurde indes die Bereitschaft des Kremls, den Kasachen, Usbeken und Turkmenen Zugeständnisse zu machen.

Dass allein eine mögliche Konkurrrenz der Transportwege ihre Verhandlungsposition so deutlich verbesserte, war für die Zentralasiaten freilich das Signal, dass für sie noch mehr herauszuholen sei - sie ließen daher lange offen, ob und wenn ja in welchem Umfang sie an Nabucco teilnehmen wollten. Zuletzt trieb auch Aserbaidschan dieses Spiel, das lange als sicherer Kandidat galt.

Blitzbesuch Medwedjews in Aserbeidschan

Erst vor zwei Wochen schloss es während eines Blitzbesuchs des russischen Präsidenten Medwedjew in Baku einen Vertrag mit Moskau über die „Prinzipien des Gasverkaufs“, in dem Gasprom laut russischen Medienberichten 350 Dollar für 1000 Kubikmeter aserbaidschanisches Gas bot - gut ein Drittel mehr, als russisches Gas derzeit in Westeuropa kostet.

Dass sich zuletzt die Waage zugunsten von Nabucco neigte, begründete der turkmenische Präsident Berdymuchammedow vergangenen Freitag damit, dass sein Land dem Prinzip einer „Diversifizierung der Transportwege“ folge. Erst im April hatte Russland ihm vor Augen geführt, was Abhängigkeit bedeutet: Nachdem Gasprom in Verhandlungen mit dem Versuch gescheitert war, den Preis für turkmenisches Gas (für das es zur Zeit etwa 300 Dollar zahlt, also wiederum mehr, als es in Europa bekommt) zu drücken, explodierte die Pipeline in Richtung Russland.

Russisch-ukrainischer Gasstreit

Nach turkmenischer Lesart wurde die Explosion von Gasprom absichtlich herbeigeführt. Allerdings hat Russland im Falle des turkmenischen Gases noch ein Druckmittel: Eine Pipeline durch das Kaspische Meer kann nach derzeitigem Stand nur mit Zustimmung aller Anrainer gebaut werden, weil es sich völkerrechtlich um ein Binnengewässer handelt.

Der georgische Präsident Micheil Saakaschwili hatte daher vermutlich recht, als er in Ankara sagte, Russland habe den Bau von Nabucco selbst beschleunigt. Er dachte vor allem an den russisch-georgischen Krieg vergangenes Jahr, in dem russische Flugzeuge Bomben in der Nähe der schon bestehenden Öl- und Gasleitungen aus Aserbaidschan über Georgien in die Türkei abwarfen. Diese Demonstration aber verstärkte in der EU nur den Willen, sich nicht zu abhängig von Russland zu machen. Der russisch-ukrainische Gasstreit tat ein Übriges.

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Jahrgang 1968, Redakteur in der Politik.

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