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Veröffentlicht: 13.10.2011, 15:31 Uhr

Mutmaßliches Mordkomplott Obama weist Zweifel an Verwicklung Teherans zurück

Der amerikanische Präsident will Iran wegen eines angeblichen Mordkomplotts zur Verantwortung ziehen. Zugleich wies Obama Zweifel an einem geplanten Anschlag gegen den saudischen Botschafter zurück.

© REUTERS Amerika würde solche Vorwürfe ohne Beweise nicht erheben

Der amerikanische Präsident Obama hat Iran wegen eines mutmaßlichen Mordkomplotts gegen den saudi-arabischen Botschafter in den Vereinigten Staaten am Donnerstag in Washington die „härtesten Sanktionen“ angedroht. Es lägen alle Optionen auf dem Tisch. Wann immer der Iran das Recht verletze, würde Amerika und seine Verbündeten Sorge dafür tragen, dass das Land dafür einen Preis zahle, sagte Obama. Der Iran bestreitet die Vorwürfe, die Ermordung des saudi-arabischen Diplomaten geplant zu haben und wirft Washington Kriegshetze vor.

Obama beschuldigte die iranische Regierung, das Komplott gesteuert zu haben. „Individuen in der iranischen Regierung“ hätten das Komplott bezahlt und dirigiert. „Selbst wenn die höchsten Stellen nicht in die Einzelheiten eingeweiht waren, gibt es doch eine Verantwortlichkeit“, sagte er. Die Vereinigten Staaten würden solche Vorwürfe nicht erheben, wenn sie nicht die notwendigen Beweise hätten.

Stümperhaftes Vorgehen

Ranghohe Mitarbeiter der Regierung in Washington teilten in Hintergrundgesprächen mit Zeitungen und Fernsehsendern mit, dass selbst die Ermittler der Bundespolizei FBI und der Drogenfahndungsbehörde DEA angesichts des stümperhaften Vorgehens des Hauptverdächtigen Mansur Arbabsiar lange Zeit Zweifel gehegt hätten, dass die Al-Quds-Brigade der iranischen Revolutionsgarde in die Attentatspläne verwickelt sei.

Der 56 Jahre alte Mansur, der seit mehr als 30 Jahren Texas lebt und neben der iranischen auch über die amerikanische Staatsangehörigkeit verfügt, befindet sich seit Ende September in Haft. Er hat nach Angaben des FBI nach seiner Festnahme auf dem Kennedy-Flughafen in New York vom 29. September mit den Ermittlern kooperiert. Nach Angaben seines Pflichtverteidigers will sich Arbabsiar in dem bevorstehenden Prozess als nicht schuldig bekennen. Auch die amerikanischen Ermittler konzedieren, dass die Pläne zur Ermordung des saudischen Botschafters Adel al Dschubeir in einem Washingtoner Restaurant sowie für Bombenanschläge auf die saudische und israelische Botschaft in Buenos Aires nicht die Handschrift der Al-Quds-Brigade trage.

„Schlampige Operation“

Üblicherweise ermorden Agenten der Elite- und Terroreinheit der mächtigen iranischen Revolutionsgarde iranische Dissidenten im Ausland, jedoch nicht die diplomatischen Vertreter anderer Staaten. „Was wir sehen, scheint unvereinbar mit den hohen Standards, die wir aus der Vergangenheit kennen“, wird ein amerikanischer Regierungsmitarbeiter in der Zeitung „Washington Post“ zitiert. Erst nach monatelangen verdeckten Ermittlungen seien die Fahnder zunehmend überzeugt gewesen.

Saudi Arabia's Foreign Minister Saud al-Faisal delivers a speech during a ceremony in Vienna © REUTERS Vergrößern „Alle Informationen, die uns vorliegen, richten sich gegen Iran“: Saudi-Arabiens Außenminister Faisal am Donnerstag in Wien

Die Behörden stützen ihre Anschuldigungen gegen Arbabsiar auch auf die Tatsache, dass dieser in engem Kontakt mit dem ranghohen Offizier der Al-Quds-Brigade Gholam Shakuri gestanden habe, sagte ein weiterer Regierungsmitarbeiter der Zeitung „Wall Street Journal“. Shakuri sei als Unterstützer des internationalen Terrorismus bekannt. Ebenfalls im „Wall Street Journal“ äußerte der Iran-Fachmann Roozbeh Mirebrahimi jedoch die Ansicht, dass „der operative Flügel der Al-Quds zu intelligent und erfahren ist, um solch eine schlampige Operation auszuführen“.

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