18.02.2010 · In der Affäre um den Mord an einem Hamas-Führer gerät Israel immer mehr unter Druck. Der Nahost-Beauftragte des Außenministeriums in Berlin führte am Donnerstag ein Gespräch mit dem Gesandten der israelischen Botschaft über den Fall, Interpol löste eine Fahndung nach elf Verdächtigen aus.
Die Affäre um den Mordanschlag auf Hamas-Funktionär Mahmud al Mabhuh in Dubai zieht weite Kreise. Auf Antrag von Dubai löste Interpol am Donnerstag eine internationale Fahndung nach elf Verdächtigen aus. Derweil gerät Israel wegen einer möglichen Verstrickung seines Geheimdienstes Mossad zunehmend unter Druck. Das britische Außenministerium bestellte den israelischen Botschafter Ron Prosor ein, nachdem bekanntgeworden war, dass einige der mutmaßlichen Attentäter gestohlene britische Pässe mitführten.
Auch Deutschland unterstützt die Aufklärung des Mordanschlags. Auf Veranlassung von Bundesaußenminister Guido Westerwelle führte der Nahost-Beauftragte des Ministeriums, Andreas Michaelis, am Donnerstag ein Gespräch mit dem Gesandten der israelischen Botschaft in Berlin. Das teilte aus Auswärtige Amt mit. Einer der elf Verdächtigen hatte nach Angaben der Ermittlungsbehörden in Dubai einen deutschen Pass bei sich.
Höfliche Worte in London
Die britische Regierung bemüht sich, ihre tiefe Verärgerung gegenüber Israel in höfliche Worte zu fassen. Die Benutzung britischer und irischer Pässe in einer mutmaßlichen Tötungsaktion des israelischen Geheimdienstes Mossad führte am Donnerstag zur Einbestellung der israelischen Botschafter in London und Dublin. Der britische Außenminister Miliband sagte anschließend, sein Staatssekretär Ricketts, der die Unterredung mit dem israelischen Botschafter Prosor führte, habe deutlich gemacht, „wie ernst wir jeden Anschein einer betrügerischen Verwendung eines britischen Passes nehmen“
Ricketts habe dem Botschafter deutlich gemacht, „dass wir Israel jede Gelegenheit geben wollen, mit uns alle Erkenntnisse zu teilen, die es über den Vorfall in Dubai gibt. Es werde von Israel „die volle Bereitschaft zur Zusammenarbeit“ erwartet bei der Aufklärung des Sachverhalts - mit den entsprechenden Ermittlungen ist in London die polizeiliche „Einsatzstelle gegen Organisiertes Verbrechen“ betraut worden, die auch über Verbindungsbeamte in Dubai verfügt. Sie soll ihre Aufklärungsarbeit auf die Verwendung der Pässe beschränken und nicht in die Ermittlungen des Mordfalles selber eingreifen.
Polizei in Dubai geht von Mossad-Tat aus
Der israelische Botschafter Prosor sagte nach der Begegnung im Londoner Auswärtigen Amt, er habe „keine neuen Erkenntnisse“ zu den Vorfällen beitragen können. Die Polizei in Dubai, die den Mord eines Hamas-Waffenhändlers durch ein mindestens elfköpfiges Kommando untersucht, teilte unterdessen mit, sie glaube mit sehr hohe Wahrscheinlichkeit an eine Aktion des Mossad. Miliband sprach von einem „sehr ernsten Vorfall“; man habe Israel klargemacht, dass die Umstände der Verwendung britischer Pässe bei dieser Aktion „vollständig aufgeklärt werden müssen“, das sei aus britischer Sicht das wichtigste.
In Milibands sorgfältigen Worten wird die Erinnerung an den früheren Missbrauch britischer Identitätspapiere durch den israelischen Geheimdienst wach. 1988 brach die damalige Premierministerin Thatcher die Zusammenarbeit mit dem israelischen Sicherheitsdienst ab und verfügte die Schließung von dessen britischer Niederlassung, nachdem eine Tasche mit gefälschten britischen Pässen aufgefunden wurde, die ein Mossad-Agent verloren hatte. Nach britischen Zeitungsmeldungen wurde die Kooperation erst wieder nach einer Zusicherung aufgenommen, dass die Verwendung britischer Dokumente zu geheimdienstlichen Zwecken fortan unterbleibe.
Auch in Irland hat unterdessen die Polizei Ermittlungen aufgenommen, um die Verwendung dreier irischer Pässe in der Aktion aufzuklären. Es habe sich herausgestellt, dass die Registriernummern der Pässe authentisch seien, dass jedoch die Namen der Inhaber auf den in Dubai verwendeten Dokumenten nicht mit den Namen übereinstimmten, die zu den Nummern der Pass-Originale gehörten.
Fatah macht Druck auf Dubai
Die beiden Palästinenser, die die Polizei von Dubai im Zusammenhang mit der Ermordung des Hamas-Führers Mabhouh festgenommen hat, seien Angehörige der Geheimdienste von Fatah gewesen, der innerpalästinensischen Rivalen von Hamas. Das berichtete die panarabische, in London erscheinende Zeitung al Hayat unter Berufung auf führende Kreise in der Hamas. Ahmad H. sei Angehöriger des „Allgemeinen Palästinensischen Geheimdienstes“, Anwar Sh. arbeite für einen Geheimdienst der Autonomiebehörde in Ramallah. Beide hätten in Dubai die Hotels ausgesucht, die Zimmer reserviert und die Mietwagen für das Killerkommando besorgt.
Nach der Tat hätten sie Dubai verlassen und sich in Amman abgesetzt. Die jordanische Polizei habe sie aber an Dubai ausgeliefert. Beide stammten aus dem Sicherheitsapparat der Fatah in Gaza. Sie hätten Gaza nach der Machtübernahme durch die Hamas verlassen und lebten seither als Angestellte einer Immobilienfirma, die einem führenden Funktionär von Fatah gehöre, in Dubai, so al Hayat weiter. Die Autonomiebehörde in Ramallah übe Druck auf Dubai aus, die beiden auf freien Fuß zu setzen, berichtet die seriöse Zeitung. Der Nachrichtensender al Arabiya meldete, einer der beiden habe sich aus Gaza abgesetzt, als seine Tätigkeit als Agent für den Mossad aufzufliegen drohte. Nur einer der beiden sei unmittelbar in den Mord verwickelt, erklärte der Polizeichef von Dubai, Dahi Chalfan Tamim.
„Die Hinrichtungsmethode ist charakteristisch für den Mossad“
Die Hinweise auf eine Täterschaft des Mossad verdichteten sich, sagte Tamim weiter. „Die Hinrichtungsmethode ist charakteristisch für den Mossad.“ Allerdings seien auch andere Parteien beteiligt, wie die Involvierung der beiden Palästinenser zeige. Sollte die Täterschaft des Mossad bewiesen werden, würden die Vereinigten Arabischen Emirate einen Haftbefehl gegen den israelischen Ministerpräsidenten Netanyahu ausstellen, sagte der Polizeichef. Er widersprach Äußerungen, dass die elf benutzten Pässe gefälscht gewesen seien. Die Passbeamten im Flughafen von Dubai seien von europäischen Sicherheitsexperten ausgebildet worden, um gefälschte Pässe zu erkennen.
Unklar bleibt weiter der Grund, weshalb sich der Waffenhändler Mabhouh, ein Führer des militärischen Arms von Hamas, in Dubai aufgehalten hatte. Der Repräsentant der Hamas in Beirut, Hamdan, sagte, der Grund würde in Kürze bekannt gegeben. Vorbei sei die Zeit des Redens über Rache, sagte Meshaal, der politische Führer der Hamas. In einer Ansprache, die von seinem Wohnort Damaskus nach Gaza ausgestrahlt wurde, sagte er, jetzt sei es Zeit zu handeln.