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Moschee am Ground Zero Amerikas Muslime

20.08.2010 ·  Der Protest vieler Amerikaner gegen den Bau einer Moschee nahe Ground Zero hat nichts mit irrationaler Islamophobie zu tun. Er entspringt der Angst vor einer Bedrohung, die in den vergangenen Monaten immer realer wurde.

Von Matthias Rüb, Washington
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Sind die Amerikaner einer Handvoll islamophober Hetzer auf den Leim gegangen? Wird das Mutterland der Freiheit zu einem unwirtlichen Platz für seine muslimischen Bürger, weil die ihre Religion nicht mehr frei ausüben dürfen - jedenfalls nicht so frei wie die Mehrheit der Christen oder auch die Minderheiten der Juden, Buddhisten oder Hindus? Neben der Wirtschaftskrise hat sich der Streit über den geplanten Bau eines islamischen Gemeindezentrums in New York, unweit des Orts der Terroranschläge vom 11. September 2001, zum wichtigsten innenpolitischen Thema vor den Kongresswahlen vom 2. November entwickelt. Gut zwei Drittel der Amerikaner bestreiten den Muslimen zwar nicht das Recht, ihre Moschee nahe Ground Zero zu bauen, ebenso viele meinen aber, dass sie es aus Gründen der Pietät dennoch nicht tun sollten.

Wenn knapp vierhundert Meter nicht genug sind - so weit ist das Grundstück der geplanten Moschee von jenem Ort des nationalen Gedenkens entfernt, an dem fast dreitausend Menschen von islamistischen Terroristen ermordet wurden -, wie weit muss es dann sein? Mindestens einen Kilometer oder besser mehrere? Gegner des Bauvorhabens sagen, auch wenn es keine Maßeinheit für den angemessenen Abstand zu einer Gedenkstätte gebe, sei die Forderung nach Rücksicht auf die Gefühle der Hinterbliebenen nicht von der Hand zu weisen. Sie erinnern daran, dass Papst Johannes Paul II. 1987 das Karmeliterkloster an der Gedenkstätte Auschwitz habe schließen lassen - aus Rücksicht auf die jüdischen Opfer.

Katholiken waren größerem Misstrauen ausgesetzt

Der Protest gegen den Moscheebau bei Ground Zero ist ein Sonderfall, ein Einzelfall ist er nicht. Gewiss, auch gegen Pläne zum Bau von mindestens acht Moscheen in anderen Bundesstaaten gibt es Proteste. Doch diese sind ihrerseits weder Sonder- noch Einzelfälle, weil die eifrige Sakralbautätigkeit aller Religionen und Konfessionen in Amerika häufig mit Bebauungsplänen und Sorgen der Nachbarn vor erhöhtem Verkehrsaufkommen kollidieren. Meistens werden die Gotteshäuser dennoch gebaut. Allein in New York City gibt es über hundert Moscheen. Im ganzen Land sind es bis zu 1800 islamische Gotteshäuser, in denen amerikanische Muslime, Alteingesessene wie Neuankömmlinge, ihren Glauben ungestört und gemäß Verfassungsrecht frei praktizieren können.

Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hat sich die Zahl der Moscheen in den Vereinigten Staaten fast verdoppelt. Weder sehen sich die - je nach Schätzung - zweieinhalb bis sieben Millionen Muslime in Amerika heute einer religiösen oder gesellschaftlichen Diskriminierung ausgesetzt, noch stehen sie im historischen Vergleich mit anderen religiösen Minderheiten schlechter da. Katholische Immigranten, die Ende des 19. Jahrhunderts aus Europa in die Neue Welt strömten, sahen sich in einem vom protestantischen Christentum geprägten Amerika weit tieferem Misstrauen und offenerer Anfeindung ausgesetzt als die amerikanischen Muslime heute.

Amerika führt keinen Krieg gegen den Islam

Dass in den vergangenen Monaten die Angst vieler Amerikaner vor islamistischem Terrorismus gewachsen ist, hat nichts mit irrationaler Islamophobie zu tun, sondern mit realer Bedrohung. Im November erschoss ein muslimischer Heeres-Major in Fort Hood in Texas dreizehn unbewaffnete Kameraden und Zivilisten; es war der blutigste Terrorangriff auf amerikanischem Boden seit den Anschlägen von New York und Washington vor fast neun Jahren.

Auch bei den gescheiterten Anschlägen auf ein Passagierflugzeug über Detroit an Weihnachten und auf den Times Square in Manhattan vom Mai hatten die in Amerika aufgewachsenen und ausgebildeten muslimischen Attentäter eine islamistische Terroragenda und standen mit dem Terrornetz Al Qaida in Verbindung. Dass es dabei nicht zu Blutbädern wie in London oder Madrid kam, war reines Glück. Im Jahresbericht des amerikanischen Außenministeriums über die weltweite terroristische Bedrohung wird ausdrücklich die wachsende Gefährdung der Vereinigten Staaten durch den heimischen Terrorismus radikalisierter Muslime hervorgehoben.

Präsident George W. Bush besuchte sechs Tage nach den Anschlägen vom 11. September die größte Moschee in der amerikanischen Hauptstadt und bekräftigte, was auch sein Nachfolger Barack Obama in seiner Kairoer Rede an die muslimische Welt vom Juni herausstrich: Der Islam ist eine Religion des Friedens, Amerika führt keinen Krieg gegen den Islam, sondern verfolgt Terroristen, die einen verfälschten Islam als Begründung für Massenmord und Menschenverachtung missbrauchen. Viele Amerikaner würden sich wünschen, dass die maßgeblichen Führer der amerikanischen Muslime öfter und lauter die fortgesetzten Massaker islamistischer Terroristen an Muslimen in Afghanistan, im Irak und anderswo verurteilten, statt lautstark Klage über die amerikanische Außenpolitik im Nahen Osten zu führen. Das ändert aber nichts daran, dass Amerika auch für Muslime ein Land der Freiheit und der Toleranz bleibt.

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Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

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