04.09.2007 · Der Mord an der russischen Journalistin Anna Politkowskaja ist noch lange nicht aufgeklärt. Nur eine Woche nachdem der Generalstaatsanwalt den Fall mit zehn Festnahmen für beendet erklärte, wurden die Haftbefehle gegen fünf Verdächtige aufgehoben. Nun muss der Chefermittler gehen.
Nach einer Reihe von Pannen bei der Aufklärung des Falls der ermordeten russischen Journalistin Anna Politkowskaja hat die Generalstaatsanwaltschaft den leitenden Ermittler ausgewechselt. Das berichteten Moskauer Medien am Dienstag. Eine offizielle Bestätigung lag zunächst nicht vor, wie die Agentur Interfax meldete.
„Uns ist der Wechsel bekannt“, sagte der Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung „Nowaja Gaseta“, Dmitri Muratow, der Agentur. Die Kremlkritikerin Politkowskaja hatte für die Zeitung gearbeitet. Gegen mehrere der zehn Verdächtigen in dem Mordfall wurden die Haftbefehle aus Mangel an Beweisen inzwischen aufgehoben.
„Wie ein Kartenhaus zusammengebrochen“
Vor einer Woche hatte Generalstaatsanwalt Juri Tschaika die „Aufklärung des Mordfalls“ verkündet. Nach seinen Worten sollen Tschetschenen sowie „Staatsfeinde im Ausland“ die Journalistin ermordet haben. „Die Ermittlungen sind in die Sackgasse geraten: die sorgfältig zusammengelegte Version der Fahnder ist wie ein Kartenhaus in sich zusammengebrochen“, kommentierte die Boulevardzeitung „Twoi Den“.
Politkowskaja war am 7. Oktober 2006 erschossen worden. Sie hatte für die „Nowaja Gaseta“ vor allem aus der Teilrepublik Tschetschenien über Menschenrechtsverletzungen durch russische und tschetschenische Sicherheitskräfte berichtet. Der Mord löste international Bestürzung aus.