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Verdächtige im Mordfall Nemzow : Die Spur führt nach Tschetschenien

Dadajew: Einer der Verdächtigen im Mordfall Boris Nemzow. Bild: Reuters

Die ersten Festnahmen im Mordfall Boris Nemzow stehen in Verbindung zum tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow. Nemzow bezeichnete diesen als „psychisch schwer krank“.

          Kurz nach dem Mord an Boris Nemzow hatte Ramsan Kadyrow, das „Oberhaupt“ der russischen Teilrepublik Tschetschenien, schon eine genaue Vorstellung von den Schuldigen. „Es besteht keinerlei Zweifel daran, dass der Mord an Nemzow von Geheimdiensten des Westens organisiert worden ist, die sich darum bemühen, mit allen Mitteln einen inneren Konflikt in Russland hervorzurufen“, schrieb Kadyrow auf Instagram, seinem bevorzugten Online-Netzwerk. An dieser These war seinerzeit nichts Ungewöhnliches.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Einerseits macht Kadyrow - wie viele andere russische Politiker - „westliche Geheimdienste“ für Missstände aller Art verantwortlich. Andererseits hatte auch das Ermittlungskomitee die These von dem Mord als einer möglichen „Provokation zur Destabilisierung der politischen Lage“ vertreten. Nach den fünf Festnahmen vom Wochenende und dem vom Gericht verkündeten Eingeständnis von Saur Dadajew, einem der Männer, an dem Mord beteiligt zu sein, richtet sich die Aufmerksamkeit jedoch tatsächlich auf Kadyrow. Denn Dadajew ist in Grosnyj offenbar ein alter Bekannter.

          Dadajew mutmaßlich auch an anderen Morden beteiligt

          Aus dem Gericht, das alle fünf Festgenommenen am Sonntag in Untersuchungshaft nehmen ließ, wurde bekannt, dass Dadajew 1982 geboren worden sei und in Malgobek gewohnt habe, einer Stadt in Inguschetien, einer Nachbarrepublik Tschetscheniens.

          In Inguschetien wurden Dadajew und ein weiterer Verdächtiger auch festgenommen. Der Sekretär des inguschetischen Sicherheitsrates Albert Barachojew lieferte weitere Informationen zu Dadajew: „Er ist stellvertretender Kommandeur eines Regiments des Bataillons ,Sewer‘ des Innenministeriums der Republik Tschetschenien.“

          Das Bataillon wurde 2006 als eine Art Leibgarde Ramsan Kadyrows gegründet. Es ging darum, Moskaus Kampf gegen den islamistischen Untergrund in tschetschenische Hände zu legen. „Sewer“ wird von dem Bruder eines Duma-Abgeordneten kommandiert; der Mann von der Regierungspartei „Einiges Russland“ ist seinerseits ein Verwandter Kadyrows und von diesem - so Kadyrow vor einiger Zeit in einem Interview - für den Fall der Fälle zum Nachfolger auserkoren worden.

          Gedenken an den erschossenen Oppositionellen Boris Nemzow in Moskau.

          Das Internetportal „Kawkaskij Usel“ erinnerte zudem an zwei Mordfälle, in denen Männer mit dem Nachnamen Dadajew verurteilt wurden. Für den Mord an einem ehemaligen Leibwächter Kadyrows in Wien im Jahr 2009 wurde demnach ein Mann namens Sulejman Dadajew verurteilt, für den Mord an dem früheren Duma-Abgeordneten Ruslan Jamadajew 2008 in Moskau ein gewisser Aslanbek Dadajew. Jamadajew, ein Tschetschene, war in einen Konflikt mit Kadyrow geraten. Wie Nemzow, wurde auch er im Zentrum Moskaus erschossen: nahe dem „Weißen Haus“, dem Sitz der Regierung.

          Nemzow bezeichnete Kadyrow als „psychisch schwer krank“

          Dadajew, darauf wurde nun hingewiesen, ist zwar ein häufiger Nachname. Doch insbesondere zum Fall Jamadajew ließen sich weitere Parallelen ziehen. Nemzow war nicht nur als Kritiker von Präsident Wladimir Putin hervorgetreten, sondern auch als Kritiker Kadyrows. Erst Ende Dezember hatte er die jährlichen Zuwendungen aus Moskau nach Grosnyj auf „mindestens 60 Milliarden Rubel“ (mehr als 915 Millionen Euro) beziffert. Kurz zuvor hatte Kadyrow im Stadion von Grosnyj vor Tausenden seiner Kämpfer geschworen, er und seine Männer seien die „Infanterietruppen“ Putins persönlich. Jeden Befehl des „nationalen Führers“ werde man „an jedem Ort der Welt“ ausführen. „Das glaube ich gern“, schrieb Nemzow dazu auf seiner Facebook-Seite.

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