05.08.2008 · Offiziell hat Syrien den Tod eines engen Vertrauten von Präsident Assad nicht bestätigt. Brigadegeneral Mohammed Suleiman soll am Strand der syrischen Hafenstadt Tartus erschossen worden sei. Er wurde als nationaler Sicherheitsberater des Präsidenten bezeichnet.
Von Hans-Christian RößlerSyrien hat auch am Montag nicht offiziell den Tod eines mutmaßlichen engen Vertrauten von Präsident Assad bestätigt. In der arabischen und israelischen Presse war am Wochenende übereinstimmend berichtet worden, dass am Samstag am Strand der syrischen Hafenstadt Tartus Brigadegeneral Mohammed Suleiman erschossen worden sei. Er wurde als nationaler Sicherheitsberater des Präsidenten bezeichnet.
Suleiman habe jedoch deutlich mehr Zuständigkeiten gehabt, als sein Titel vermuten lasse, hieß es aus amerikanischen und israelischen Geheimdienstkreisen, die in den Berichten zitiert werden. So sei er Assads Kontaktmann zur libanesischen Hizbullah gewesen. Er habe dabei engen Kontakt zu dem im Februar in Damaskus unter immer noch ungeklärten Umständen ermordeten Sicherheitschef der Miliz, Imad Mughniyah, gehalten. Zugleich soll der Ermordete sich auch um die atomare Aktivität Syriens gekümmert haben. Hier habe er sowohl mit Iran als auch mit Nordkorea zusammengearbeitet, hieß es am Montag aus israelischen Sicherheitskreisen.
Schlechter Zustand und schwierige Lage
Israelische Kampfflugzeuge hatten im vergangenen September eine mutmaßliche syrische Atomanlage in Al Kibar zerstört, die dort angeblich mit nordkoreanischer Hilfe gebaut wurde. Die dem früheren syrischen Vizepräsidenten Khaddam nahestehende Website „Free Syria“ bezeichnete Suleiman als „rechte Hand“ des Präsidenten in Militärangelegenheiten. Das Mitglied der regierenden Baath-Partei sei in der syrischen Führung für den Libanon zuständig gewesen.
Die in London erscheinende Zeitung „Al Sharq al Awsat“ zitierte einen ungenannten Syrer, der sagte, Suleiman sei wichtiger gewesen als der Verteidigungsminister: „Das syrische Regime ist in einem schlechten Zustand und einer schwierigen Lage.“ Der arabische Sender Al Dschazira berichtete am Montag, dass ein „israelischer Agent“ hinter dem Mord stecke, teilte aber nichts Genaueres mit.
Einen Anhaltspunkt für Suleimans Bedeutung in der syrischen Führung sehen manche auf der Gästeliste seiner Beerdigung am Sonntag. Präsident Assad war zu einem Besuch in Teheran, aber sein Bruder Maher nahm nach mehreren Meldungen daran teil; er führt die Präsidentengarde. Einige wollen auch Assef Schaukat gesehen haben, den Schwager des Präsidenten. Über Rolle und Verbleib des Chefs des militärischen Geheimdienstes gibt es jedoch wenig Informationen, nachdem berichtet worden war, er sei im Frühjahr an einem Putschversuch beteiligt gewesen.
Hans-Christian Rößler Jahrgang 1967, politischer Korrespondent für Israel und die Palästinensergebiete mit Sitz in Jerusalem.
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