Als Mario Monti vor zehn Monaten Chef einer „Technokraten“-Regierung in Italien wurde, galt er als Reformer nach deutschem Muster. Inzwischen hat er sich zum Vormann der Südländer in der Eurozone gewandelt und Bundeskanzlerin Merkel mehrfach in die Bredouille gebracht - in Erinnerung bleibt besonders der EU-Gipfel in Brüssel, wo er die Interpretationshoheit über die Beschlüsse an sich riss und diese im Sinne der Südländer auslegte.
Im gleichen Zug wurden seine Reformschritte in Italien immer kürzer: Inzwischen ist dort viel von Steuererhöhungen, aber nur noch wenig von Strukturreformen zu hören. Im Streit zwischen Rom und Berlin über die künftige Rolle und die Aufgaben der EZB kommen diese Differenzen gebündelt zum Ausdruck. Sicher: Monti steht wie Rajoy in Spanien und Hollande in Frankreich unter innenpolitischem Druck.
Es ist eben nicht populär, den Leuten dauernd sagen zu müssen, sie sollten den Gürtel (noch) enger schnallen. Das tut man vor allem dann nicht gern, wenn man politisch weiter eine Rolle spielen will - und das will wohl auch der „Technokrat“ Monti.
An kurzer Leine
Wolfgang Richter (langweiler2)
- 29.08.2012, 21:54 Uhr
Monti wartet geduldig auf die Bombe des "mit allen Mitteln"
berauschten draghischen €-Retters!
Gerhard Storm (gerhardstorm)
- 29.08.2012, 21:52 Uhr
