02.01.2010 · Nach dem Angriff auf den dänischen Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard soll der Täter bis zum 27. Januar in Haft bleiben. Ihm wird versuchter Mord vorgeworfen. Polizisten hatten den Somalier mit Schüssen in Bein und Arm gestoppt.
Nach dem versuchten Anschlag auf den Zeichner der umstrittenen Mohammed-Karikaturen bleibt der aus Somalia stammende Täter in Haft. Das entschied ein Richter in Kopenhagen nach einer nicht-öffentlichen Anhörung am Samstag. Der 28-Jährige hatte am Freitagabend den Zeichner Kurt Westergaard in dessen Haus mit einer Axt und einem Messer bedroht. Die Justiz wirft ihm versuchten Mord an Westergaard und an einem Polizisten vor.
Wie der Chef des dänischen Geheimdienstes, Jakob Scharf, bestätigte, bedrohte der Somalier, der enge Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Qaida unterhalten soll, den 75-Jährigen Zeichner sowie dessen fünfjährige Enkelin. Der mutmaßliche Täter bleibt nun zunächst bis zum 27. Januar hinter Schloss und Riegel, davon die ersten zwei Wochen in Isolationshaft, entschied der Richter. Der Mann weist den Vorwurf des Mordversuchs zurück, gibt aber zu, im Haus des Zeichners gewesen zu sein.
Westergaard war es gelungen, in sein als „Panikraum“ ausgebautes Bad zu flüchten und die Polizei zu verständigen. Der Eindringling habe vergeblich versucht in den Sicherheitsraum einzudringen. Er habe in gebrochenem Dänisch unter anderem „Rache“ und „Blut“ geschrien. Mehrere Polizeieinheiten rasten zum Tatort. Westergaard wurde noch in der Nacht an einen sicheren Ort gebracht.
Nachdem der Somalier seine Axt nach einem Polizisten geworfen habe, habe die Polizei auf den Angreifer geschossen und ihn dabei an Hand und Bein verwundet.
Täter wurde schon länger beobachtet
Nach Angaben des dänischen Geheimdienstes PET hatte der Mann enge Verbindungen zur führenden Mitgliedern von Al-Kaida in Ostafrika sowie zur somalischen Terror-Organisation al-Shabaab. Der Somalier, der über eine legale Aufenthaltsgenehmigung für Dänemark verfügte, werde verdächtigt, in terroristische Aktivitäten in Ostafrika verwickelt zu sein, teilte der Geheimdienst mit. Er sei als Teil eines Netzwerks mit terroristischem Hintergrund bereits seit längerem im Zusammenhang mit Drohungen gegen Westergaard beobachtet worden. Es war zunächst unklar, ob der Somalier bei seinem Angriffsversuch alleine handelte.
Die dänische Zeitung „Jyllands-Posten“ hatte im September 2005 Karikaturen des Propheten Mohammed gedruckt, die weltweit wütende Proteste von Muslimen auslösten („Jyllands-Posten“ unter Polizeischutz). Dabei starben mindestens 50 Menschen. Viele Muslime empfinden jegliche Abbildungen des Religionsstifters des Islam als Beleidigung.
Polizeischutz, Anfeindungen, Morddrohungen: Für Kurt Westergaard hat sich vor gut vier Jahren das Leben dramatisch verändert. Damals hat er den Propheten Mohammed als finsteren Gesellen mit gezündeter Bombe im Turban gezeichnet. Seine Meinung geändert hat der heute 74-Jährige seitdem nicht. „Ich bin zu alt und starrköpfig, um mich noch zu beugen“, sagte er einmal. „Fanatiker haben mich bedroht und zum Tode verurteilt, nur weil ich meine Arbeit getan und dänische Grundwerte verteidigt habe.“ Im Februar 2008 war der Zeichner schon einmal Ziel eines Anschlags gewesen (Anschlag auf Mohammed-Karikaturisten vereitelt ).
Im Oktober wurden in Chicago zwei Männer festgenommen, die verdächtigt wurden, Anschläge auf Westergaard und das Verlagshaus der Zeitung geplant zu haben. In Dänemark sind mehrere junge Muslime wegen Plänen für Bombenanschläge verurteilt worden, die sie zum Teil als Protest gegen die Karikaturen vorhatten. Rund drei Prozent der 5,5 Millionen Einwohner Dänemarks sind Muslime.