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Christophe Castaner : Der Mann für die Macron-Begeisterung

Zu Besuch in den Banlieue: Christophe Castaner trägt nun Verantwortung für die schwierige Lage in vielen Vororten. Bild: AFP

Als „verlorene Gebiete“ hat sein Vorgänger die französischen Banlieue bezeichnet – jetzt soll Macrons neuer Innenminister Christophe Castaner für Ordnung sorgen. Der ist in seiner Jugend auch schon mal vom rechten Weg abgekommen.

          Nach langer Suche hat sich der französische Präsident entschieden, seinem treuen Adlatus Christophe Castaner die Verantwortung für das Innenministerium zu übertragen. Es dürfte die schwierigste Mission für den 52 Jahre alten Politiker werden, der sich zuvor als Regierungssprecher, Parlamentsminister und Chef von Macrons Bewegung „La République en marche“ verdient gemacht hat.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Castaners Vorgänger Gérard Collomb hat zum Abschied ein dramatisches Bild von der Sicherheitslage in der Peripherie der Großstädte gezeichnet. Teile der Banlieue seien „außer Kontrolle“. Es herrsche das Gesetz des Stärkeren, „Rauschgifthändler und radikale Islamisten haben die Republik verdrängt“, warnte Collomb.

          Sicherheitsoffensive zugunsten der Banlieue

          Der neue Innenminister muss nun zeigen, wie er die „verlorenen Gebiete“ für den Rechtsstaat zurückzuerobern gedenkt. Gleich am Dienstag zog Castaner in die Banlieue. In der Vorstadt Les Lilas im Norden von Paris sprach er mit den Polizisten, die einen zwölf Jahre alten Jungen nicht hatten retten können, der von einer Bande am Wochenende zu Tode geprügelt wurde. Weitere Stationen waren die Vorstädte Fosses und Argenteuil.

          Damit deutete Castaner darauf hin, dass von ihm eine Sicherheitsoffensive zugunsten der Banlieue zu erwarten ist. Aber auch in der Frage des Umgangs mit dem Islam und in der Flüchtlingspolitik hat ihm sein Vorgänger ein schwieriges Erbe hinterlassen. Die Reform des Islamrates wurde wiederholt aufgeschoben. In Frankreich sind die Innenminister auch für die Beziehungen zu den Religionen zuständig. Vor allem aber soll Castaner den Eindruck vermitteln, dass bei ihm die Sicherheit der Franzosen angesichts der anhaltend hohen Terrorismusbedrohung in guten Händen ist.

          Nicht immer hatte der Spross einer Militärfamilie so geklungen, als sei er ein beherzter Verfechter von Recht und Ordnung. Im Wahlkampf fiel der Mann mit dem Fünf-Tage-Bart vielmehr als leutseliger Animateur auf, der es verstand, bei Kundgebungen den Saal in Macron-Begeisterung zu versetzen. Im Pariser Politbetrieb wirkte seine südfranzösische Lebensfreude manchmal geradezu irritierend.

          Castaner ist zwischen den Lavendelfeldern der Provence, in einem kleinen Dorf bei Manosque, aufgewachsen. Aus der strengen Militärfamilie brach er nach eigenen Worten als Heranwachsender aus, indem er nach Marseille zog. Dort schlug er sich mit Gelegenheitsjobs und als Pokerspieler durch. Er freundete sich damals auch mit einem Gangsterboss an, wie er gern bei einem Glas Wein erzählt.

          Castaner kam dann aber doch wieder auf den rechten Weg, holte das Abitur nach und studierte Jura in Aix-en-Provence. Seine politische Karriere begann er bei den Sozialisten. 2001 zog der Vater von zwei Töchtern als Bürgermeister ins Rathaus von Forcalquier ein, das er bis 2017 leitete. Für die Sozialisten saß er auch im Regionalrat. Seine politische Geburtsstunde datiert er selbst jedoch auf den Tag, an dem er Macron kennenlernte. Er sei dem Präsidenten „in Bewunderung, ja in Liebe“ zugetan, sagte Castaner erst kürzlich.

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