Die Bundesregierung erstattet wegen des jüngsten Piratenangriffs auf ein deutsches Kriegsschiff vor der afrikanischen Küste Strafanzeige. Die zuständige Staatsanwaltschaft Kiel werde bei den Ermittlungen gegen die sieben mutmaßlich somalischen Angreifer unterstützt, teilte das Bundesverteidigungsministerium am Dienstag in Berlin mit. Gleichzeitig werde die Möglichkeit einer Strafverfolgung in Kenia geklärt. Ein interministerielles Gremium mit Vertreter des Außen-, Innen-, Justiz- und des Verteidigungsministeriums hatten sich am Montag über dieses Verfahren geeinigt.
Deutsche Marinekräfte hatten am Montag früh vor Somalia sieben mutmaßliche Piraten festgesetzt, die zuvor einen ihrer Marineversorger angegriffen hatten. Sie befinden sich jetzt an Bord der Fregatte „Rheinland-Pfalz“, die auf dem Weg ins kenianische Mombasa ist.
Schüsse vor den Bug
Nach Angaben der Bundeswehr war der Betriebsstoffversorger „Spessart“ am Sonntagnachmittag von einem Schnellboot aus attackiert und dabei mit Handfeuerwaffen beschossen worden. Die zur Sicherung auf dem Schiff postierten Kräfte hätten darauf mit Schüssen vor den Bug reagiert.
Das flüchtende Piratenboot sei dann von der „Spessart“ verfolgt worden; zugleich seien in der Nähe operierende Kriegsschiffe herbeigerufen worden. Das griechische Flaggschiff der EU-Operation „Atalanta“, die seit Dezember gegen Piraten am Horn von Afrika entsandt ist, habe das sogenannte Skiff gestellt. Die mit Höchstgeschwindigkeit herbeieilende deutsche Fregatte „Rheinland-Pfalz“ habe die Angreifer dann mit einem Boardingteam, das per Schlauchboot ausgesetzt wurde, festgenommen. Sie befinden sich nun auf der „Rheinland-Pfalz“ in Gewahrsam.
Dies war der erste Angriff auf ein Schiff der am Horn von Afrika operierenden Marinekräfte (außer den europäischen Schiffen unter „Atalanta“ sind das Nato-Schiffe sowie Schiffe unter anderem aus den Vereinigten Staaten, China, Indien, Malaysia, Saudi-Arabien). Allerdings ist es möglich, dass die Piraten in der „Spessart“, die in einem Konvoi fuhr, kein Militärschiff erkannt haben.
Der Versorger hat ein tief gelegenes Deck, das ein Entern leicht erscheinen lässt, und Aufbauten mit Tankschläuchen. Die Besatzung von knapp 40 Mann besteht aus Zivilisten. Doch befand sich ein zwölf Mann starkes bewaffnetes Schutzteam der Marine an Bord.
Schutzteam an Bord
Vor drei Wochen hatte Deutschland schon einmal neun somalische Piraten an Kenia überstellt, die eine Woche zuvor ebenfalls im Golf von Aden den deutschen Frachter „MV Courier“ kapern wollten. Nach Abkommen zwischen der Europäischen Union (EU) und Kenia über die Strafverfolgung von Piraten, die im Rahmen der EU-Mission „Atalanta“ gefasst werden, müssen sich die Seeräuber in dem ostafrikanischen Land vor Gericht verantworten.
Das Mandat für die Beteiligung deutscher Soldaten an „Atalanta“ sieht ausdrücklich die Möglichkeit vor, Piraten in Deutschland vor Gericht zu stellen, wenn deutsche Rechtsgüter verletzt worden sind. Der Parlamentarische Staatssekretär beim Verteidigungsminister Christian Schmidt (CSU) hatte sich für ein solches Verfahren ausgesprochen.
Nach Angaben der Internationalen Seefahrtsbehörde (IMB) wurden seit 22. März zehn Schiffe vor der Ost- und Südküste Somalias attackiert. Im gleichen Zeitraum habe es aufgrund der Präsenz der internationalen Anti-Piraten-Mission im Golf von Aden nur einen Angriff gegeben, teilte die für die Pirateriebekämpfung zuständigen Abteilung des IMB in Kuala Lumpur mit. Es zeige sich, dass sie Seeräuber ihre Angriffe nun auf leichtere Ziele in den
Zeichen der Demenz bei den Piraten..
Michael Meier (never1)
- 30.03.2009, 15:34 Uhr
Mittel gegen Piraten
Ernst Viehweger (tabascoman)
- 30.03.2009, 16:14 Uhr
Mission gegen Piraten
Charles Lorant (lorant.tsce)
- 30.03.2009, 18:15 Uhr
Moeglicher Weise
Lill-Karin Bryant (kb26919)
- 30.03.2009, 18:18 Uhr
nicht der erste Angriff
niko koelen (notilas)
- 30.03.2009, 19:02 Uhr
