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Mißhandlungen im Irak Blair: „Wir entschuldigen uns zutiefst“

10.05.2004 ·  Nach Präsident George W. Bush hat sich auch der britische Premier Tony Blair für die Mißhandlungen irakischer Gefangener entschuldigt. Das Verteidigungsministerium in London räumte ein, es ermittle bereits seit vergangenem Jahr.

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Der Skandal um die Mißhandlungen irakischer Gefangener bringt nach der amerikanischen nun auch die britische Regierung in Bedrängnis.

Der britische Premierminister Tony Blair entschuldigte sich am Sonntag abend im französischen Fernsehsender France 3 für die „inakzeptablen“ Mißhandlungen durch britische Soldaten. Unterdessen räumte das Verteidigungsministerium in London ein, es ermittle bereits seit vergangenem Jahr zu den Mißbrauchsvorwürfen. Verteidigungsminister Geoff Hoon soll an diesem Montag vor dem britischen Unterhaus zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Ranghohe amerikanische Regierungsverteter wußten offenbar schon seit Januar von den Vorfällen.

„Vollkommen inakzeptabel“

"Wir entschuldigen uns zutiefst bei allen, die von unseren Soldaten mißhandelt worden sind“, sagte Blair. Die Mißhandlungen seien „vollkommen inakzeptabel“. Die Verantwortlichen würden gemäß der Disziplinarvorschriften der Armee bestraft. Das Fehlverhalten entspreche nicht dem Verhalten der Mehrheit der britischen Soldaten, fügte Blair hinzu.

Seit wann das britische Verteidigungsministerium zu den Vorwürfen ermittelt, sagte die Sprecherin nicht. Sie reagierte auf die Anschuldigung der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, wonach das Ministerium bereits im Mai 2003 von Amnesty über die Mißbrauchsvorwürfe informiert worden sei. „Wir hatten seit einem Jahr eine Reihe von Treffen und Briefwechseln mit der britischen Regierung“, sagte ein Sprecher am Sonntag.

Der frühere britische Gesandte in Bagdad, Jeremy Greenstock, sagte, die britischen Verantwortlichen hätten nichts von den Mißhandlungen gewußt. „Wir waren nicht darin verwickelt und wußten nichts über die Verhörmethoden oder allgemein den Umgang mit den Menschen“, sagte Greenstock der Zeitung „Daily Telegraph“. Er habe das Abu-Ghraib-Gefängnis besucht, aber dort keine Fälle von Mißbrauch gesehen.

„95 Prozent Amerikaner, fünf Prozent Briten“

Britische Verantwortliche hätten sich zwar Sorgen um die schleppenden Verfahren in den Koalitionsgefängnissen gemacht, sagte Greenstock weiter. Aber die Verhöre seien Sache von Armee und Geheimdiensten gewesen und nicht in den gemeinsamen Sitzungen der amerikanisch geführten Zivilverwaltung besprochen worden. Greenstock fügte hinzu, die Vereinigten Staaten machten mit ihrer personellen und finanziellen Stärke „95 Prozent“ der Koalition aus, während die Briten nur „fünf Prozent“ darstellten.

Nach einem Bericht des Fernseh-Magazins „Spiegel TV“ waren der amerikanische Außenminister Colin Powell, Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice und Vize-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz seit Januar über die Mißhandlungen irakischer Gefangener durch amerikanische Soldaten im Gefängnis Abu Ghraib informiert. Sie seien vom Präsidenten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Jakob Kellenberger, bei einem Treffen in Washington persönlich auf die Mißstände hingewiesen worden, sagte IKRK-Sprecherin Nada Dumani.

Unterdessen kamen weitere Details an die Öffentlichkeit: Das amerikanische Magazin „New Yorker“ veröffentlichte ein bislang unbekanntes Foto eines nackten und verängstigten irakischen Gefangenen, der von zwei Schäferhunden in Schach gehalten wird. Die amerikanische Zeitschrift „Time“ zitierte mehrere frühere irakische Gefangene, die von Mißhandlungen im Gefängnis Abu Ghraib berichten. Einer von ihnen erkannte sich auf mehreren Mißbrauchsfotos wieder.

Sexuelle Mißhandlungen, persönliche Entwürdigung

Deramerikanische Soldat Jeremy Sivits soll wegen Gefangenenmißhandlung am 19. Mai öffentlich vor ein Kriegsgericht in Bagdad gestellt werden. Ihm drohe die unehrenhafte Entlassung aus der Armee, sagte Armeesprecher Mark Kimmitt am Sonntag.

Ein ehemaliger Offizier der britischen Armee-Spezialeinheit Special Boat Squadron (SBS) hatte die bekanntgewordenen Mißhandlungen am Wochenende als systematisch bezeichnet. Die von britischen und amerikanischen Soldaten angewandten Techniken entsprächen weitgehend einer Vorgehensweise, die bei der SBS und der Schwestereinheit SAS gelehrt werde, sagte er dem „Guardian“. Zu den Methoden gehörten sexuelle Mißhandlungen, systematischer Schlafentzug, der Verlust des Zeitgefühls, der Entzug von Wärme, Essen und Getränken sowie die persönliche Entwürdigung.

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