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Missbrauchsvorwürfe : Der Republikaner Roy Moore gibt nicht auf

  • -Aktualisiert am

Senatskandidat Roy Moore im September Bild: AP

Roy Moore wird seit Wochen sexuelle Belästigung vorgeworfen. Doch aufgrund der Mehrheitsverhältnisse im Senat müssen die Republikaner und Präsident Trump hoffen, dass er gewählt wird.

          Donald Trump hat ein Machtwort gesprochen – Roy Moore wird in Alabama weiter für einen Senatssitz kandidieren. Dem 70 Jahre alten Moore wird seit einigen Wochen vorgeworfen, dass er mit Mitte Dreißig nicht nur Beziehungen zu Teenagern hatte, sondern zwei Mädchen auch sexuell nötigte. Donald Trump hatte länger als andere Republikaner zu den Anschuldigungen geschwiegen. Das Weiße Haus hatte zunächst nur erklärt, Moore solle nicht weiter kandidieren, „falls die Vorwürfe stimmen“. Dann entschied Trump sich aber doch zu einer umfassenderen Verteidigung. „Lassen Sie mich Ihnen nur sagen, Roy Moore bestreitet es“, sagte er am Dienstag vor Reportern. „Das ist alles, was ich sagen kann. Er bestreitet es. Und, nebenbei gesagt, er streitet es entschieden ab.“ Der Präsident fuhr fort: „Sie müssen auch ihn anhören. Sie reden über etwas, das vor 40 Jahren passiert sein soll und er sagt, es ist nicht passiert.“ Nun klang es also eher so, als sei es für Trump zweitrangig, ob die Frauen die Wahrheit sagen – weil er sich entschieden hat, dass ihm Moores Leugnen reicht.

          Trump stellt sich damit gegen prominente Republikaner und gegen seine Tochter und Beraterin Ivanka. Die hatte zu dem Fall erklärt: „Für Menschen, die hinter Kindern her sind, gibt es einen besonderen Platz in der Hölle.“ Senats-Mehrheitsführer Mitch McConnell hatte gefordert, Roy Moore solle nicht mehr antreten, wenn er die Anschuldigungen nicht glaubhaft entkräften könne. Er, McConnell, habe bislang keinen Grund, an der Glaubwürdigkeit der Betroffenen zu zweifeln: „Ich glaube den Frauen“, sagte er. Ähnlich äußerte sich auch Justizminister Jeff Sessions in einer Anhörung in der vergangenen Woche. Das Nationalkomittee der Republikaner wollte schon davor kein Geld mehr für Moores Kampagne ausgeben, ebenso fehlt er auf einer Liste von Kandidaten, für die Vizepräsident Mike Pence Spenden einsammelt. Trump-Gegner Jeff Flake, republikanischer Senator aus Arizona, sagte: „Wenn ich die Wahl hätte zwischen Roy Moore und einem Demokraten, würde ich ganz sicher den Demokraten wählen.“ Auch sein Senatskollege Cory Gardner aus Colorado will Moore nicht mehr im Kongress sehen. Falls der ehemalige Richter die Wahl gewinne, solle die Partei dafür sorgen, dass der Senat ihn ausschließe.

          Moore soll während seiner Zeit im Büro des Generalstaatsanwalts von Gadsden, Alabama, mehrere damals minderjährige Frauen sexuell genötigt oder mit ihnen Beziehungen unterhalten haben. Die schwerwiegendsten Anschuldigungen kommen von Leigh Corfman und Beverley Young Nelson. Corfman sagte, dass Moore sie 1977 nach einer Verhandlung abfing, in der es um das Sorgerecht für das damals 14 Jahre alte Mädchen ging. Der 32 Jahre alte Jurist habe sie zu einem Date überredet, anschließend habe er sie gegen ihren Willen ausgezogen und angefasst. Beverly Young Nelson sagte auf einer Pressekonferenz, dass Moore oft in das Restaurant kam, in dem sie mit 16 Jahren arbeitete. Er habe eines Tages ihr Highschool-Jahrbuch signiert. An einem Abend, als sie nach der Schicht auf ihren Freund wartete, habe Moore ihr angeboten, sie nach Hause zu fahren. Er sei jedoch auf den Parkplatz hinter dem Restaurant gefahren, habe das Auto von innen verriegelt und sei gewalttätig geworden. Moore habe ihren Nacken so fest gepackt, dass sie am folgenden Tag blaue Flecken hatte und habe versucht, ihren Kopf in seinen Schritt zu drücken. Nelson sagte: „Ich dachte, er wird mich vergewaltigen.“ Sie habe sich allerdings so heftig gewehrt, dass Moore schließlich aufgab. Ob er sie aus dem Auto geschmissen habe oder ob sie gefallen sei, wisse sie nicht mehr. Moore habe ihr gesagt, dass ihr niemand glauben werde. Sie habe zunächst niemandem von dem Vorfall erzählt – auch, weil sie fürchtete, ihr Freund könne sich deswegen in Schwierigkeiten bringen.

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