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Militärschlag gegen Syrien? : Einsamer Obama

Militärpräsenz in der Nachbarschaft von Syrien Bild: F.A.Z.

Ausgerechnet Friedensnobelpreisträger Barack Obama wird vor die Wahl gestellt, militärisch mehr oder weniger allein im Nahen Osten zu intervenieren oder Glaubwürdigkeit und Prestige zu verlieren.

          Für einen amerikanischen Präsidenten ist es eine neue Erfahrung: Sollte Barack Obama - wie auch immer begrenzt - militärisch gegen Syriens Machthaber vorgehen, werden die Vereinigten Staaten ihren treuesten Verbündeten nicht an ihrer Seite haben.

          Anders als beim letzten und beim vorletzten Golf-Krieg und anders als im Fall Libyen wird sich Großbritannien nach dem Willen einer Mehrheit im Unterhaus nicht beteiligen. Ganz allein steht Obama nicht da, aber einsam wird es doch. Schon muss er sich den dümmlichen Spott gefallen lassen, dass ausgerechnet er „unilateral“ werde handeln müssen, während sein vielgescholtener Vorgänger eine beachtliche Koalition der Willigen um sich geschart habe.

          Es stimmt: Obama, Friedensnobelpreisträger und Gegner des Irak-Kriegs, hätte es sich nicht träumen lassen, dass er einmal vor die Wahl gestellt wäre, militärisch mehr oder weniger allein im Nahen Osten zu intervenieren oder Glaubwürdigkeit und Prestige zu verlieren.

          Die Bedeutung der britischen Weigerung wird jetzt natürlich heruntergespielt; Obama werde sich bei seiner Entscheidung nur an den amerikanischen Interessen orientieren (und nicht an anderer Mächte Politik). Was so viel heißt wie: Der Einsatz chemischer Kampfstoffe stellt eine solch dramatische Eskalation dar, dass die Vereinigten Staaten darauf reagieren werden, ganz gleich, wie viele Partner ihnen dabei folgen. Militärisch ist deren Mitwirkung nicht entscheidend, politisch und symbolisch aber ist sie von Bedeutung. Wenn sich die engsten Partner dispensieren, ist das nicht nur nicht schön, es ist eine kleine Katastrophe.

          Auch das Echo der amerikanischen Innenpolitik brüllt nicht nur Zustimmung. Im Kongress regt sich einiger Unmut; allerdings geht es da weniger um den Sinn einer Militäraktion als, wie das in solchen Fällen üblich ist, um die angemessene Beteiligung und Unterrichtung der beiden Kammern. Dass die große Mehrheit der Amerikaner von einem Eingreifen in Syrien wenig hält, ist auch bekannt. Angesichts dieser Lage ist es unabdingbar, dass der Oberkommandierende der Nation (und nicht nur der) erklärt, warum er eine militärische Reaktion für notwendig hält - und was auf dem Spiel steht in einer Welt, in der die Verbreitung und sogar der Einsatz von Massenvernichtungswaffen nicht mehr nur Stoff von Schauergeschichten sind, sondern mörderische Wirklichkeit.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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          Quelle: F.A.Z.

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