15.03.2009 · In der russischen Luftwaffe gibt es „hypothetische Überlegungen“, strategische Überschall-Langstreckenbomber auf Kuba oder einer Insel vor Venezuela zu stationieren. Für Washington wäre damit eine „rote Linie“ überschritten.
Die russische Luftwaffe erwägt die Stationierung strategischer Bomber auf Kuba oder auf einer Insel vor der Küste Venezuelas. Wie die Moskauer Nachrichtenagentur Interfax am Wochenende mitteilte, prüfe Luftwaffenchef Anatoli Schicharew „technische Möglichkeiten“ für eine solche Stationierung, sollte ein entsprechender politischer Entschluss gefasst werden. Bislang waren auf Kuba noch nie dauerhaft sowjetische oder russische Bomber stationiert, weswegen sich Moskau bemüht, nur von hypothetischen Überlegungen zu sprechen. Für Washington wäre die Stationierung russischer strategischer Bomber auf Kuba das „Überschreiten der roten Linie“.
Auf Kuba gebe es vier bis fünf Luftwaffenstützpunkte, auf welchen die Überschall-Langstreckenbomber des Typs Tu-160 starten und landen könnten, hieß es in Moskau. Der venezolanische Präsident Hugo Chávez hat schon vor längerer Zeit ein Flugfeld auf der Insel La Orchila nördlich von Caracas als vorübergehenden Stationierungsort für die Tu-160-Bomber angeboten. Im Herbst 2008 waren zwei russische Tu-160-Langstreckenbomber auf Einladung von Präsident Chávez auf venezolanischen Flughäfen gelandet. Der russische Präsident Dmitri Medwedjew hatte auf seiner Lateinamerika-Reise im vergangenen November die Bereitschaft Moskaus zu engerer militärischer Zusammenarbeit mit Venezuela und Kuba hervorgehoben. Im Dezember 2008 hatten russische Kriegsschiffe in kubanischen und venezolanischen Häfen vorübergehend festgemacht.
Unterdessen hat der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva den amerikanischen Präsidenten Barack Obama dazu gedrängt, die Beziehungen zu Kuba und Venezuela zu verbessern. Zwischen den Vereinigten Staaten und Lateinamerika müsse eine neue Ära des freundschaftlichen Umgangs beginnen, die auf Vertrauen und nicht auf Einmischung beruhe, sagte Lula am Samstag nach einem Treffen mit Obama im Weißen Haus. Lula war der erste Präsident Lateinamerikas, der seit dem Amtsantritt Obamas vom 20. Januar von diesem zu einem offiziellen Besuch im Weißen Haus empfangen wurde.