22.01.2007 · Trotz der Kritik aus dem Ausland an Chinas erstem Test einer Anti-Satelliten-Rakete hat Peking bislang keine offizielle Stellungnahme abgegeben. Chinesische Zeitungen verloren bisher kein Wort über den brisanten Test.
Von Petra Kolonko, PekingTrotz der Kritik aus dem Ausland an Chinas erstem Test einer Anti-Satelliten-Rakete hat Peking bislang keine offizielle Stellungnahme abgegeben. Chinesische Zeitungen berichteten am Wochenende nicht über den Test, der von den Vereinigten Staaten am Freitag bekanntgemacht worden war. Das chinesische Außenministerium blieb bei seiner ersten Stellungnahme, wonach China weiterhin einer Demilitarisierung des Weltalls verpflichtet sei.
Chinas Schweigen gibt weiteren Spekulationen Nahrung, dass die Führung über den Plan des Militärs nicht ausreichend informiert war oder nicht damit gerechnet hat, dass Washington die Informationen veröffentlichen werde. Offensichtlich war China nicht auf die heftigen internationale Reaktion vorbereitet.
Abschuss eines alten Wettersatelliten
China hatte mit einer Mittelstreckenrakete einen alten chinesischen Wettersatelliten abgeschossen, der in einer Umlaufbahn in einer Höhe von etwa 800 Kilometern über der Erde flog. Damit hat das chinesische Militär demonstriert, dass es eine Technik beherrscht, über die die Vereinigten Staaten schon seit 20 Jahren verfügen. Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion hatten dann aber von solchen Tests abgesehen, da die Trümmer, die sie erzeugen, eine Gefahr für andere Satelliten sind.
Unterdessen verbreitete die offizielle Nachrichtenagentur Xinhua am Montag eine Analyse, die Aufschluss über Beweggründe des chinesischen Raketentestes gibt. Danach sehen chinesische Wissenschaftler eine Beschleunigung bei der Militarisierung des Weltalls und werfen den Vereinigten Staaten vor, ihre Monopolstellung auszubauen, um eine Vormachtstellung auch im Weltraum zu erhalten.
Beschleunigung der Militarisierung des Weltalls
Diese amerikanische Politik habe die anderen Großmächte dazu veranlasst, sich militärisch im Weltall zu engagieren, schreibt Gao Zugui vom Forschungsinstitut für Sicherheit und Strategie. Die russische Regierung habe große Investitionen für Kauf und Forschung von Waffensystemen für das Weltall genehmigt. Japan habe im Jahr 2006 seinen dritten Spionagesatelliten ins All gebracht und plane dieses Jahr einen vierten.
Außerdem diskutiere man in Japan über eine Aufhebung der Selbstbeschränkung bei der militärischen Erschließung des Weltalls. Auch Europa habe neue Pläne für Laser-Satelliten. Solche internationale Konkurrenz führe zu einer Beschleunigung der Militarisierung des Weltalls. Chinas eigene Anstrengungen und der jetzige Raketentest werden in dem Artikel nicht erwähnt.
Offensichtlich haben solche Analysen die chinesischen Militärs veranlasst, jetzt der Welt zu zeigen, dass auch China im Weltall eine Rolle spielen kann und will. Ungewöhnlich bleibt allerdings, dass der Test in der Volksrepublik noch nicht vermeldet wurde. Das chinesische Militär rühmt sich gern seiner Erfolge. Die Führung nutzt sie zur Hebung des Nationalstolzes.