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Michail Gorbatschow : Noch als Gescheiterter erfolgreich

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Bild: afp

Das ehemalige Staatsoberhaupt feiert an diesem Mittwoch seinen 80. Geburtstag. Michail Gorbatschow hat zu seiner Zeit viel ermöglicht, hauptsächlich international. In seinem Heimatland wird er weniger für seine Taten geschätzt.

          Boris Jelzin, dem früheren Mitstreiter, der später sein stärkster Widersacher wurde, hat die russische Regierung vor kurzem ein Denkmal gesetzt. Zehn Meter hoch ist die Säule aus weißem Marmor in Jelzins Heimatstadt Jekaterinburg. Ein Denkmal hätte auch Michail Gorbatschow verdient.

          Ohne ihn wäre der kommunistische Parteifunktionär aus dem Ural schließlich niemals zum ersten demokratisch gewählten Präsidenten Russlands aufgestiegen. Dennoch ist Gorbatschow den meisten seiner Landsleute vor allem als der große Zerstörer in Erinnerung geblieben. Am liebsten, so scheint es, würden sie ihn ganz vergessen. Der Zerfall der Sowjetunion, hat Wladimir Putin einmal gesagt, sei „die größte geopolitische Katastrophe“ des zwanzigsten Jahrhunderts gewesen.

          Wer so über die knapp sieben Jahre denkt, in denen Gorbatschow sein Land und die Welt verändert hat, verliert leicht aus dem Blick - oder will es einfach nicht wahrhaben -, dass der letzte Generalsekretär der KPdSU und letzte Präsident der Sowjetunion auch ein großer Reformer gewesen ist. Wie andere russische Reformer hat er das, was er anstieß, allerdings nicht zu Ende bringen können. Er wollte das kommunistische Herrschaftssystem modernisieren und liberalisieren. Gescheitert ist er, weil die Partei Lenins und Stalins sich nicht reformieren ließ und weil das russische Imperium, das nun „Union der sozialistischen Sowjetrepubliken“ genannt wurde, ohne Unterdrückung nicht zusammenzuhalten war.

          Noch ist Michail Gorbatschow ohne Denkmal in seinem Heimatland

          „Neues Denken“

          So verlor Gorbatschow am 25. Dezember 1991, als über dem Moskauer Kreml zum letzten Mal die rote Fahne mit dem Symbol von Hammer und Sichel eingeholt wurde, nicht nur sein Amt, sondern auch ein Land. Es ist eines seiner größten Verdienste, dass er es so weit hat kommen lassen, ohne auf bewährte Methoden der Repression zurückzugreifen. Objektiv betrachtet, ist der Zusammenbruch des totalitären kommunistischen Systems natürlich ein Erfolg - auch sein Erfolg.

          Den Bürgern im östlichen Teil Europas und vor allem in Deutschland ist eher bewusst, was sie diesem Mann verdanken. Niemand weiß, ob mit einem anderen sowjetischen Führer der Kalte Krieg beendet worden und die Einheit Deutschlands möglich geworden wäre. Gorbatschows Außenpolitik trug zu Recht die Überschrift „Neues Denken“. An die Stelle der Breschnew-Doktrin, die 1968 die militärische Intervention zur Niederschlagung der Reformen des „Prager Frühlings“ rechtfertigen sollte, trat die „Frank-Sinatra-Doktrin“, wie der Sprecher Gorbatschows es flapsig formulierte: „I did it my way“. Jedes Mitgliedsland des Warschauer Paktes sollte künftig seinen eigenen Weg gehen dürfen.

          International hoch angesehen, zu Hause verliert er Popularität

          Es war die große Zeit amerikanisch-sowjetischer Gipfelbegegnungen. Gorbatschow traf sich fünfmal mit Präsident Ronald Reagan und viermal mit Präsident George H. Bush. Wichtige Abrüstungsvereinbarungen wurden geschlossen: eine „Nulllösung“ für nuklear bestückte Mittelstreckenwaffen, die Reduzierung der strategischen Atomwaffen (Start), eine Verringerung der konventionellen Streitkräfte in Europa. Dieses vertrauensvolle Verhältnis zwischen Washington und Moskau war eine wesentliche Voraussetzung für die in einem günstigen Augenblick gelingende Vereinigung Deutschlands.

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