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Abschuss von Flug MH17 : Russland weist Verantwortung abermals zurück

  • Aktualisiert am

Ein prorussischer Separatist am 17. Juli 2014 am Absturzort von MH-17 in der Ostukraine Bild: Reuters

Russland weist eine Einschätzung zurück, es sei rechtlich haftbar zu machen für den Abschuss des Fluges MH17 über der Ostukraine. Die Niederlande und Australien sind jedoch dieser Ansicht.

          Russland hat die Verantwortung für den Abschuss des malaysischen Passagierfluges MH17 über dem Kriegsgebiet Ostukraine zurückgewiesen und zweifelt an der Glaubwürdigkeit der Ermittlungen. Moskau sei nicht an den Untersuchungen beteiligt worden, Kiew hingegen schon, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Freitag in St. Petersburg. „Russland weiß nicht, wie sehr es den Ergebnissen vertrauen kann“, sagte er der Agentur Interfax zufolge. Auf die Frage, ob der Kreml die Vorwürfe der Niederlande und Australiens zurückweise, dass Moskau rechtlich haftbar ist für den Abschuss des Flugzeugs, sagte Peskow: „Absolut.“

          Die Niederlande und Australien hatten vorher Russland für den Abschuss von Flug MH17 über der Ukraine verantwortlich gemacht. Beide Länder „machen Russland für seine Beteiligung an dem Abschuss verantwortlich“, erklärte die niederländische Regierung am Freitag. Am Vortag hatte das Ermittlerteam zum MH17-Abschuss einen neuen Bericht vorgelegt und die eingesetzte Rakete erstmals einer russischen Militärbrigade zugeordnet. Die Erklärung der niederländischen Regierung könnte nun auch gerichtliche Schritte zur Folge haben.

          Flug MH17 war am 17. Juli 2014 auf dem Weg vom Amsterdamer Flughafen Schiphol nach Kuala Lumpur über der Ostukraine abgestürzt. Unter den 298 Insassen waren 196 Niederländer und 39 Australier. Die von den Niederlanden geleitete internationale Untersuchungskommission kam nun zu dem Schluss, dass die Rakete vom Typ Buk-Telar, mit der die Passagiermaschine von Malaysia Airlines vor fast vier Jahren abgeschossen wurde, von der 53. Flugabwehrbrigade im russischen Kursk „stammte“, wie der Ermittler Wilbert Paulissen am Donnerstag in Utrecht bekanntgab. „Die 53. Brigade ist Teil der russischen Streitkräfte“, fügte der Niederländer hinzu.

          Das investigative Recherchenetzwerk Bellingcat hat unterdessen nach eigenen Angaben einen der mutmaßlichen Hauptverantwortlichen für den Abschuss identifiziert. Es handele sich um einen hohen russischen Offizier, berichtete Bellingcat am Freitag in Den Haag. Der Offizier sei 2014 in der Ostukraine verantwortlich für den Transport der Luftabwehrrakete vom Typ Buk von und nach Russland gewesen. Das investigative Netzwerk übergab seine Untersuchungsergebnisse am Freitag den internationalen Ermittlern. Bei den Ermittlungen zum Fall MH17 hat es bislang wertvolle Hinweise gegeben.

          Die ukrainische Regierung und der Westen vermuten schon lange, dass prorussische Rebellen das Flugzeug mit einer aus Russland stammenden Boden-Luft-Rakete abgeschossen haben. Moskau sieht die Verantwortung dafür hingegen bei der ukrainischen Armee. Diese hatte ebenfalls Raketen russischer Bauart in ihren Beständen. Präsident Wladimir Putin hatte sich am Vortag ausweichend zu den konkretisierten Vorwürfen geäußert. „Um das anzuerkennen, was dort dargestellt wird, müssten wir vollberechtigt in die Ermittlungen eingebunden sein“, sagte er. Russland werde die Ergebnisse des Berichts aufmerksam studieren. Die russische Armee wies die Ermittlungsergebnisse am Donnerstag zurück. Das Verteidigungsministerium in Moskau erklärte: „Kein einziges Luftabwehrsystem der russischen Armee hat jemals die russisch-ukrainische Grenze überquert.“ Hinter der Tragödie stecke die Ukraine. Die russischen Behörden hätten „erschöpfende Beweise“ dafür vorgelegt, dass ukrainische Einheiten beteiligt gewesen seien, die russische Buk-Raketen nutzten.

          Von den Niederlanden geleitete strafrechtliche Ermittlungen waren bereits im September 2016 zu dem Ergebnis gekommen, dass die malaysische Maschine über dem Gebiet prorussischer Rebellen unter Beschuss geraten sei. Kurz zuvor sei eine Buk-Rakete aus Russland geliefert und der Raketenwerfer nach dem Abschuss wieder „zurück nach Russland“ gebracht worden. Moskau wies die Ermittlungsergebnisse damals als „politisch motiviert“ zurück.

          Neu an dem jetzigen Ermittlungsergebnis ist, dass das Ermittlerteam aufwändig den Weg der Rakete von Kursk bis zur ukrainischen Grenze rekonstruierte und dabei Videos und Fotos nutzte. Demnach verließen 50 Fahrzeuge unter anderem mit sechs Systemen mit Raketen vom Typ Buk-Telar am 23. Juni 2014 den Militärstützpunkt Kursk. Von dem beweglichen Raketensystem, mit dem das Passagierflugzeug abgeschossen wurde, existieren zudem mehrere Filmaufnahmen, die vom 17. und 18. Juli 2014 stammen.

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