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Mexiko und Amerika Der Beginn einer notwendigen Freundschaft

Amerikas Präsident muss das aufstrebende Mexiko künftig ernster nehmen. Die Chancen für eine Lösung im Einwanderungsstreit stehen gut. Allerdings wandern kaum noch Mexikaner ein.

© dpa Vergrößern Treffen der Telegenen: Mexikos Präsident Peña Nieto (links) und Barack Obama am Dienstag im Weißen Haus

Es war eine Art verfrühter Antrittsbesuch, doch wichtiger als der Verstoß gegen das Protokoll ist das politische Signal: Präsident Barack Obama und der künftige mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto sprachen am Dienstag im Weißen Haus über die größten Probleme, die einer weiteren Verbesserung der gutnachbarlichen Beziehungen im Wege stehen. Zur Amtseinführung von Peña Nieto am Samstag wird dann Vizepräsident Joseph Biden nach Mexiko-Stadt reisen. Ganz oben auf der Tagesordnung standen für Peña Nieto bei der Begegnung mit Obama zwei Themen, die auch der scheidende Präsident Felipe Calderón bei seinen Treffen mit Obama und mit dessen Vorgänger George W. Bush immer wieder angesprochen hat: die Einwanderungspolitik und das Drogenproblem.

Matthias Rüb Folgen:    

Über Calderóns Vermächtnis, der gemäß Verfassung nach einer Amtszeit von sechs Jahren aus dem Präsidentenpalast Los Pinos ausziehen muss, wird derzeit in Mexiko und auch im nördlichen Nachbarland viel diskutiert: Calderón selbst hat in der vergangenen Woche noch ein besonderes, sprachliches Erbe hinzugefügt: Er will sein Heimatland umtaufen lassen. Zwar bezeichnet alle Welt das größte Land Mittelamerikas längst schlicht als Mexiko, doch der amtliche Name lautet „Estados Unidos Mexicanos“ (Vereinigte Mexikanische Staaten). Daraus soll nach dem Willen Calderóns künftig einfach „México“ werden.

Als das Land mit seiner ersten Verfassung von 1824 nach langem Krieg die Unabhängigkeit von Spanien erreichte, war es noch ehrenhaft und opportun, sich als auch dem Namen nach als historischer Nacheiferer der Vereinigten Staaten von Amerika zu bekennen, die sich ihrerseits 1776 von den britischen Kolonialherren freigekämpft hatten. Doch spätestens seit dem amerikanisch-mexikanischen Krieg von 1846 bis 1848 ist das Verhältnis der Nachbarländer schwer belastet. Darauf spielte Calderón an, als er die angestrebte Namensänderung, für die er sich schon als Kongressabgeordneter 2003 stark gemacht hatte, folgendermaßen begründete: „Der Name unseres Landes muss nicht länger jenen eines anderen Landes nachahmen.“ Vielmehr sollten die Mexikaner auch offiziell zur einfachen Schönheit des Namens „México“ zurückkehren – „ein Name, den wir rufen und singen, der uns glücklich macht und uns mit Stolz erfüllt“. Die Namensänderung erfordert eine Verfassungsänderung, der beide Kammern des Kongresses sowie die Mehrheit der 31 mexikanischen Teilstaaten zustimmen müssten. Selbst wenn es dazu erst unter dem neuen Präsidenten Peña Nieto kommen wird, dürfte Calderón diesen letzten politischen Sieg unter seinem Namen in den Geschichtsbüchern verewigen.

Drogen aus Mexiko, Waffen aus Amerika

Die Namensdebatte ist freilich nur ein Symbol für das schwierige Verhältnis Mexikos zum großen Nachbarn nördlich des Rio Grande. Umfragen zeigen, dass Mexikaner mit einem ähnlich großen Misstrauen auf die Macht und den globalen Einfluss der Gringos schauen wie Pakistanis oder Chinesen. Angeheizt wird dieses Misstrauen vor allem durch die zwei „ewigen“ Themen Immigration und Drogen. Dass Präsident Calderón in beiden Bereichen keinen Durchbruch erzielen konnte, ist nicht ihm oder Mexiko anzulasten, sondern dem Nachbarland. Der Kongress in Washington war bisher nicht imstande, eine Reform der Einwanderungspolitik zu beschließen. In den Vereinigten Staaten werden 80 bis 95 Prozent der harten Drogen wie Kokain, Heroin und Methamphetamin konsumiert, die in Mexiko produziert oder über Mexiko geschmuggelt werden, während im Gegenzug 70 Prozent der in Mexiko sichergestellten illegalen Waffen aus den Vereinigten Staaten stammen.

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