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Veröffentlicht: 13.03.2017, 09:22 Uhr

Merkel trifft Trump Ein Besuch mit Risiken

Donald Trump und Angela Merkel – das sind zwei wie Feuer und Wasser. Nun reist die Bundeskanzlerin zum mächtigsten Mann der Welt. Wie will sie ihm begegnen?

von , Berlin
© Reuters/Montage F.A.S. In so einer Maschine würde Merkel bei Trump gewiss mehr Eindruck hinterlassen – aber natürlich handelt es sich hier um eine Bildmontage.

„Schauen Sie sich doch einmal an, was Donald Trump zum Frauentag getwittert hat. Die Ladys werden entzückt sein“, sagte Peter Altmaier. Selten habe er „so ein engagiertes Bekenntnis zum Frauentag“ gelesen. Der Chef des Kanzleramts und Merkel-Vertraute stellte am Donnerstag in der Heinrich-Böll-Stiftung ein Buch mit dem Titel „Freiheit verteidigen“ vor, das der Vorsitzende der Stiftung geschrieben hat. Altmaier nutzte die Gelegenheit, positiv über den amerikanischen Präsidenten zu sprechen.

Markus Wehner Folgen:

Zwar hatte Trump nur vom „großen Respekt“ für alle Frauen und deren Rolle in der Gesellschaft und Wirtschaft geschrieben. Angesichts anderer Äußerungen über Frauen, die Trump in seinem Leben gemacht hat, schien Altmaier das aber schon lobenswert. Und Trump habe auch gezeigt, dass er zwischen Wahlkampf und Regierungsamt unterscheide. Erst habe er die Nato als obsolet geschmäht, jetzt sich als deren großer Fan bezeichnet. Ob Altmaier tatsächlich glaubt, dass ein neuer Trump in Washington sitzt? Zumindest will er den Mann im Weißen Haus in mildem Licht erscheinen lassen.

Dieses Mal ist es besonders heikel

Das hat einen aktuellen Grund: Donald Trump wird in zwei Tagen Angela Merkel treffen – zum ersten Mal. Es ist ihr Antrittsbesuch in Washington. Solche Visiten hat sie schon bei anderen mächtigen und schwierigen Staatslenkern gemeistert. Doch dieses Mal ist es besonders heikel. Trump steht für ein anderes, neues Amerika. Der neue Präsident hält die Europäische Union für überflüssig und ein Werkzeug zum Nutzen der Deutschen; den Brexit begrüßt er als großartige Sache; die Handelsüberschüsse der Deutschen will er bekämpfen. Wegen alldem und manchem mehr gilt Merkel nun als seine wichtigste Gegenspielerin. Trump hat sie gewissermaßen in diese Rolle gedrängt. Mehr noch haben es dessen Gegner in Amerika und Europa getan: Merkel, die Führerin des freien Westens. Eine Rolle, die der Kanzlerin nicht behagt.

45283315 © dpa Vergrößern Regierungsmaschine: Luftwaffen-Airbus „Konrad Adenauer“

Die Zeichen stehen also nicht unbedingt auf netten Smalltalk. Im Gegenteil: Es ist ein Besuch mit Risiken – für Trump, vielleicht mehr noch für die Kanzlerin. Merkel war schockiert von Trumps skrupellosem Wahlkampf. Sie verlor kein öffentliches Wort darüber. Selbst als er ihre Flüchtlingspolitik als „verrückt“ schmähte, schwieg sie. Merkel reagierte erst nach der Wahl, kühl und dosiert. Knapp zweieinhalb Minuten gönnte sie Trump nach seinem Wahlsieg Anfang November, als sie für eine frostige Gratulation vor die Kameras trat. Sie erinnerte Trump dabei an die Werte von Demokratie, Freiheit und Gleichberechtigung, erklärte sie zur Bedingung für eine zukünftige Zusammenarbeit.

Es folgte ein fünfminütiges Glückwunsch-Telefonat, in dem Trump stolz an seine deutschen Vorfahren erinnerte. Ende Januar telefonierten sie immerhin 45 Minuten miteinander: über die Nato, über Putin, die Ostukraine, die Sanktionen, auch über die deutsche Flüchtlingspolitik. Merkel kritisierte damals das Einreiseverbot, das Trump verhängt hatte. Von ihren Erläuterungen, dass es ihr nicht etwa um offene Grenzen gehe, sondern darum, sichere Außengrenzen der EU zu schaffen, war der Amerikaner nicht überzeugt.

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