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Merkel in Beirut : An der Flüchtlingsfront

Die Kanzlerin zu Besuch in einer Schule, inmitten von Beirut Bild: EPA

Bei ihrer Reise durch den Libanon erlebt die Kanzlerin eine Gesellschaft, die durch die vielen Vertriebenen im Land verunsichert ist – kommt ihr das bekannt vor?

          „Recht schön gemacht“, sagt Angela Merkel. In einer Schule in Beirut zieht sie von einer Darbietung syrischer Flüchtlingskinder zur nächsten, verteilt Basketbälle und Deutschland-Trikots, spricht mit Müttern. In Doppelschichten werden hier libanesische und syrische Schulkinder unterrichtet. „Wir wollen der Kanzlerin zeigen, unter welcher Belastung wir stehen“, sagt der libanesische Bildungsminister Marouan Hamadé, der Merkel empfängt und durch den überdachten Hof führt. „Wir müssen das alles hier zu einem glücklichen Ende bringen. Sonst haben wir hier eine verlorene Generation.“ Es ist ein Termin, der Merkel gefallen dürfte. Hier findet sie Zuspruch für ihre Flüchtlingspolitik und erfährt Dankbarkeit für die Bemühungen, die aufnehmenden Länder zu unterstützen. Der Bildungsminister folgt der deutschen Linie, nach der die Zeit für eine Rückkehr der Flüchtlinge noch nicht reif ist. „Natürlich müssen sie irgendwann zurückkehren. Aber derzeit würden viele in den Gefängnissen der Geheimdienste landen“, sagt er.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Merkel will eine Botschaft aussenden: Berlin setzt sich dafür ein, dass der Libanon stabil bleibt und dass die Krisen in der Region nicht auf das Land übergreifen. Doch es ist eine schwierige Reise für die Kanzlerin, denn die Botschaften von Beirut sind immer auch Botschaften in die aufgewühlte Heimat. Merkel, mit einer schweren Regierungskrise konfrontiert, die auf ihre Flüchtlingspolitik zurückgeht, fährt in den Libanon, der wie kein anderes Land unter den Flüchtlingen ächzt – und dessen Gesellschaft in Aufruhr versetzt ist. Ihre Berliner Gegner hören genau hin, was sie dort zu sagen hat. Zudem schwelt ein Streit über die europäische Migrationspolitik. Regierungsmitarbeiter sprechen von „konstruktiven Gesprächen“ mit Italien. Während mitreisende Bundestagsabgeordnete schon über mögliche vorgezogene Wahlen sprechen, fährt Merkel „an die Flüchtlingsfront“, wie es von einem hohen Funktionär der libanesischen Regierung heißt. In Beirut heißt es, die Kanzlerin sei konzentriert. Sie sei während der Treffen nur ein-, zweimal durch ihr Telefon abgelenkt worden und habe sich Notizen gemacht.

          Nicht nur die Konflikte in Deutschland und Europa machen die Reise zu einem Balanceakt, sondern auch die aufgeheizte Stimmung im Libanon selbst. Etwa anderthalb Millionen syrische Flüchtlinge kommen hier auf gut viereinhalb Millionen Einwohner – in einem Land, in dem die Bevölkerungsstruktur auch eine Machtfrage ist. Regierungsmitglieder sagen, sie hätten lieber Hilfe dabei, die Flüchtlinge loszuwerden, als Hilfe dabei, die derzeitige Situation zu bewältigen. Politiker und religiöse Führer schüren Ressentiments und Angst. Eine der Mütter, mit denen die Kanzlerin in der Doppelschichtschule spricht, erzählt vor der Begegnung, die Stimmung werde spürbar feindseliger. Vor einigen Wochen geisterte das Gerücht durch libanesische Twitter- und Facebook-Konten, Merkel wolle der Regierung in Beirut 30000 Euro für jeden syrischen Flüchtling bezahlen, der im Libanon bleiben dürfe.

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