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Linkspopulist Mélenchon : Wahlkampf mit Antigermanismus

Gehörige Portion Antigermanismus: Mélenchons Wahlslogans geben sich angriffslustig. Bild: AFP

Der französische Wahlkampf geht in die heiße Phase. Plötzlich erscheint Jean-Luc Mélenchon als Favorit. Der Linkspopulist macht Stimmung gegen die „deutsche Dominanz“ – und findet damit deutlichen Anklang bei den Franzosen.

          Pünktlich zum offiziellen Wahlkampfauftakt in Frankreich hat sich der linke Volkstribun Jean-Luc Mélenchon seinen Traum erfüllt. Der 65 Jahre alte Präsidentschaftskandidat liegt in der Gunst der Franzosen ganz vorn, so dass Meinungsforschungsinstitute ihn jetzt als möglichen Anwärter für den entscheidenden Wahlgang am 7. Mai sehen. Gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen würde er mit 57 Prozent der Wählerstimmen siegen. Den angeschlagenen rechtsbürgerlichen Kandidaten François Fillon (17 Prozent) hat Mélenchon (18 Prozent) überholt und zum Führungsduo aus dem Unabhängigen Emmanuel Macron und der Rechtspopulistin Marine Le Pen (beide 24 Prozent) beinahe aufgeschlossen.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Der ehemalige Trotzkist hat es geschafft, wie der einzig ernstzunehmende Linke auszusehen. Der sozialistische Präsidentschaftskandidat Benoît Hamon verliert immer mehr Anhänger und liegt abgeschlagen zurück. Dabei ist Mélenchons protektionistisches, antikapitalistisches Projekt der Albtraum des französischen Bürgertums. „Große Klappe, keine Stimmen“, spottete unlängst der frühere Haushaltsminister Eric Woerth (Republikaner) über Mélenchon. Doch inzwischen wird der linke Revoluzzer von den politischen Gegnern ernst genommen.

          „La France insoumise“, ein Frankreich, das sich nicht unterwirft, lautet der Wahlslogan Mélenchons, und dabei schwingt eine gehörige Portion Antigermanismus mit. Mélenchon hat sich aus Protest gegen die Europapolitik der Sozialisten politisch selbständig gemacht. Das ist jetzt fast zehn Jahre her, aber Kritik an EU und insbesondere an Bundeskanzlerin Angela Merkel zählt zu seinen bewährten Erfolgsrezepten. Mélenchon versteht es so gut wie kein anderer auf der Linken, den Volkszorn zu schüren. Seine Wahlkampfauftritte wie zuletzt in Marseille sind meisterhafte Inszenierungen eines begnadeten Redners. Um an mehreren Orten gleichzeitig präsent zu sein, setzt er modernste Hologrammtechnik ein. Am 18. April wird er dank seiner Hologramme an gleich sieben Orten Kundgebungen abhalten.

          Mélenchon verspricht Säuberungsoffensive

          Der Gründer der französischen Linkspartei verspricht den Franzosen ein Ende der „präsidialen Monarchie“ und der damit verbundenen politischen Korruption. Nach den Affären um Fillon und während des Mandats Präsident François Hollandes kommt seine Säuberungsoffensive gut an. Mélenchon verheißt eine VI. Republik mit strikten Ethikregeln für die Volksvertreter und noch strikteren Sanktionen. Sein kommunistisch inspiriertes Wirtschaftsprogramm will er durch „Neuverhandlung“ aller europäischen Verträge durchsetzen. Sollten die EU-Partner bei seinen Vorstellungen über eine über Schulden finanzierte Ausgaben- und Umverteilungspolitik nicht mitspielen, hat er in einem „Plan B“ den Frexit vorgesehen. Die EU-Kritik verbindet er mit einem ehrgeizigen Umweltprogramm. Er verspricht den Atomausstieg.

          Mélenchons Vorbilder sind Fidel Castro und Hugo Chávez. Er instrumentalisiert gern die Revolutionsromantik, die auf der französischen Linken noch lebendig ist. Zugleich gibt er sich aber auch als großer Patriot. „Die Reichen, die Wichtigen, die Mächtigen, die haben kein anderes Vaterland als das Geld. Sie lieben ihr Vaterland nicht“, sagte Mélenchon. Die EU sieht er als Schöpfung dieser herrschenden Klasse. Mélenchon behauptet zudem, dass die EU allein von Deutschland dominiert werde und die Bundesregierung alle EU-Länder ihren Interessen unterwerfe.

          Vor zwei Jahren widmete Mélenchon Deutschland ein eigenes Buch mit dem provokanten Titel „Bismarcks Hering – Das deutsche Gift“. Der Titel ist der Tatsache geschuldet, dass die Bundeskanzlerin dem französischen Präsidenten bei dessen Besuch an der Ostsee Bismarckheringe schenkte. Mélenchon interpretierte das Gastgeschenk als eine Anspielung auf den Reichskanzler um, der den deutsch-französischen Krieg gewonnen habe. „Der Hering hat Gräten, die einem im Hals steckenbleiben. Bismarck war der Angreifer Frankreichs. Nach seinem Sieg hat er den ersten Kaiser der Deutschen im Spiegelsaal des Königsschlosses von Versailles krönen lassen“, schrieb Mélenchon.

          Der Linkspopulist verspricht den Franzosen, sich der deutschen Regierung nicht länger unterzuordnen. Er ist seit langem sehr präsent in den sozialen Netzwerken, auf Youtube feiert er große Erfolge. Als die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft 2016 gegen Frankreich unterlag, twitterte Mélenchon: „Die Moral des Spiels: ein unbesiegbarer Gegner existiert nicht für diejenigen, die siegen wollen.“ Der 1951 im damals französischen Protektorat in Marokko geborene Mélenchon ist Oskar Lafontaine freundschaftlich verbunden, der ihn bei der Gründung der Linkspartei beriet. In Marseille ließ sich Mélenchon als „Friedenspräsident“ feiern. Er verspricht, Frankreich aus der Nato zu führen, um nicht an kriegerischen Handlungen mitwirken zu müssen. „Frankreich muss seine Unabhängigkeit wiedererobern“, sagte er.

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