http://www.faz.net/-gpf-9a8mq

Proteste in Gaza : Mehrheit der Getöteten waren Hamas-Mitglieder

  • Aktualisiert am

Gefallen: Ein Protestler am Dienstag im Gazastreifen am Grenzzaun zu Isael Bild: AP

50 der 60 am Grenzzaun zu Israel getöteten Palästinenser sollen Mitglieder der Hamas gewesen sein, sagt ein Vertreter der radikalislamischen Organisation. Tel Aviv fühlt sich bestätigt.

          Bei den jüngsten Unruhen an der Grenze des Gazastreifens zu Israel sind nach Angaben der Hamas überwiegend Mitglieder der radikalislamischen Palästinenserorganisation getötet worden. 50 der rund 60 bei den Protesten am Montag und Dienstag getöteten Palästinenser seien Hamas-Mitglieder gewesen, sagte Hamas-Vertreter Salah Bardawil am Mittwoch im palästinensischen Fernsehen. Israel wertete dies als Beleg dafür, dass es sich nicht um friedliche Proteste handelte.

          Die übrigen Toten seien „aus dem Volk“ gewesen, sagte Bardawil. Er erläuterte nicht, ob es sich bei den Toten um Mitglieder des bewaffneten oder des politischen Hamas-Flügels handelte. Auch machte er keine Angaben dazu, was die Opfer gerade taten, als sie getötet wurden. Bardawil sprach von „offiziellen Zahlen“.

          Hamas-Sprecher Fausi Barhum bestätigte die Angaben nicht. Er sagte lediglich, die Hamas bezahle die Begräbnisse der 50, unabhängig von ihrer Beziehung zur Hamas. Ein weiterer ranghoher Hamas-Vertreter, Bassem Naim, sprach lediglich von der Hamas als einer „großen Bewegung“ mit großem Rückhalt in der Bevölkerung. Natürlich seien bei derartigen Protesten entsprechend viele Hamas-Anhänger anwesend. Naim sagte, die Getöteten hätten „friedlich“ protestiert.

          Israel wertete die Hamas-Angaben als Beleg dafür, dass es sich nicht um friedliche Proteste gehandelt hat. „Wir nehmen ihn beim Wort, das war kein friedlicher Protest“, schrieb Armeesprecher Jonathan Conricus bei Twitter. Regierungssprecher Ofir Gendelman twitterte, Bardawil habe die „Wahrheit offengelegt“. „Das war keine friedliche Demonstration, sondern ein Einsatz der Hamas.“ Der israelische Parlamentspräsident Juli-Joel Edelstein sagte in Paris, die Proteste hätten wenig mit der Verlegung der amerikanischen Botschaft nach Jerusalem zu tun gehabt: „Das war eine wohl überlegte Aktion der Hamas, die die Bevölkerung, darunter Frauen, Kinder und Jugendliche, als menschliche Schutzschilde einsetzt.“ Die Eröffnung der Botschaft in Jerusalem am Montag war von blutigen Zusammenstößen zwischen Palästinensern und der israelischen Armee an der Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen begleitet gewesen. Dutzende Palästinenser wurden getötet und mehr als 2400 verletzt.

          Israel hat in der Nacht zu Donnerstag Angriffe auf Ziele im Norden des Gazastreifen geflogen. Sie seien die Reaktion auf Maschinengewehrfeuer, das zuvor mehrere Häuser in der israelischen Stadt Sderot getroffen habe, teilte das israelische Militär mit. Gesundheitsbehörden im Gazastreifen zufolge gab es einen Verletzten. Aus Sderot wurden keine Verletzten oder Tote gemeldet.

          Getroffen wurden laut Israels Armee mehrere Gebäude, „terroristische Infrastruktur“ in einem Militärkomplex und eine Waffenproduktionsstätte. Zuvor hatte ein israelischer Panzer am Mittwoch einen Hamas-Stützpunkt beschossen.

          Die Lage am der Grenze Israels zum Gazastreifen hat sich am Mittwoch weiter beruhigt. Am Montag hatte die Eröffnung der amerikanischen Botschaft in Jerusalem noch schwere Proteste von Palästinensern ausgelöst. Mindestens 60 Menschen waren dabei von israelischen Soldaten getötet worden.

          Für Freitag haben Palästinensergruppen zu Massendemonstrationen aufgerufen. Der seit Donnerstag laufende Fastenmonat Ramadan werde dabei berücksichtigt, teilten die Gruppen mit. Er könnte die Teilnehmerzahl beschränken.

          Weitere Themen

          Systemversagen auf Kosten der Kleinsten

          Hessische Kinderkliniken : Systemversagen auf Kosten der Kleinsten

          In Hessen wird von einem „Notstand“ in den Kinderkliniken gesprochen, weil die Kapazitäten in den Krankenhäusern nicht mehr ausreichen. Das Problem ist tief verwurzelt – nicht nur in Hessen.

          Eine Brücke, zwei Systeme

          China, Hongkong und Macau : Eine Brücke, zwei Systeme

          China eröffnet eine der längsten Meeresbrücken der Welt zwischen Hongkong, Macau und dem Festland. Ihr wirtschaftlicher Nutzen ist begrenzt. Sie hat vor allem politische Bedeutung.

          Topmeldungen

          Unser Sprinter-Autor: Patrick Bernau

          FAZ.NET-Sprinter : Was der Mord an Khashoggi lehrt

          Der Mord an Khashoggi zwingt Unternehmen, sich politisch zu positionieren. Das geht manchmal sehr schief. Was sonst wichtig wird, steht im FAZ.NET-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.