Home
http://www.faz.net/-gq5-167jw
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Medwedjew im Kaukasus Kreml kündigt „vorbeugende Schläge“ an

 ·  Drei Tage nach den Anschlägen auf die Moskauer Metro sind bei weiteren Anschlägen in Dagestan zwei Menschen getötet worden. Der Präsident Medwedjew kündigte bei einem Besuch in der Kaukasusrepublik einen „härteren“ und „grausameren“ Kampf gegen den Terror an.

Artikel Bilder (4) Video (1) Lesermeinungen (16)

Drei Tage nach dem doppelten Selbstmordanschlag auf die Moskauer Metro ist Präsident Dmitrij Medwedjew am Donnerstag überraschend in den Kaukasus gereist. Vor Behördenvertretern in Machatschkala, der Hauptstadt von Dagestan, sprach sich Medwedew für ein hartes Vorgehen gegen die Aufständischen aus: „Die Maßnahmen im Kampf gegen den Terrorismus sollten ausgeweitet werden, sie sollten wirksamer sein, schärfer, grausamer.“

Zur Verhinderung eines „grausamen Attentats“ dürften „vorbeugende Schläge gegen Terroristen“ kein Tabu sein, sagte der russische Präsident vor Polizisten. „Die Liste der Kampfmaßnahmen muss erweitert werden“, forderte Medwedjew. „Wir werden alle Terroristenführer finden und bestrafen.“

Die Behörden im Nordkaukasus seien aufgerufen, enger mit muslimischen Geistlichen zusammenarbeiten, um Anschläge islamistischer Extremisten zu verhindern. Zudem sollte Extremisten, die sich vom bewaffneten Kampf lossagen, eine Ausstiegsperspektive gegeben werden, sagte Medwedjew. Dagegen müssten „Hassprediger“ isoliert werden.

Weiterer Anschlag in Dagestan

Unterdessen sind bei der vorzeitigen Explosion einer Bombe in Dagestan am Donnerstag zwei mutmaßliche Aufständische getötet worden, wie die russischen Regionalbehörden in Machatschkala mitteilten. Der Sprengsatz explodierte in einem Auto im Bezirk Chasawjurt nahe der Grenze zu Tschetschenien. Das Fahrzeug sei mit Sprengstoff präpariert gewesen und in der Region Chasawurzky versehentlich in die Luft gegangen, meldeten russische Nachrichtenagenturen.Ein dritter Verdächtiger wurde verletzt. Bereits am Mittwoch wurden bei zwei Selbstmordanschlägen in Dagestan zwölf Menschen getötet.

Der Anschläge auf die Moskauer U-Bahn mit 39 Toten bezichtigte sich derweil der tschetschenische Rebellenführer Doku Umarow. Er
habe selbst den Befehl zur Zündung der Sprengsätze gegeben, sagte Umarow in einer Videobotschaft.

Die Anschläge seien „Rache“ für die „anhaltende Ermordung von Zivilisten im Kaukasus“. In den hauptsächlich von Muslimen bewohnten Republiken Dagestan, Tschetschenien und Inguschetien kämpft Russland seit Jahren gegen islamistische Aufständische. Umarow kündigte weitere Attentate an.

Selbstmordattentäterinnen in Tschetschenien trainiert

Wie die Zeitung „Kommersant“ am Donnerstag berichtete, gehörten die beiden mutmaßlichen Täterinnen der Anschläge in Moskau offenbar zu einer Gruppe von 30 in Tschetschenien trainierten Selbstmordattentätern. Die beiden Frauen, die sich am Montag in der Moskauer Metro in die Luft gesprengt und 39 Menschen getötet hatten, sollen vor allem im Internet von Rebellenführern angeworben und im Bezirk Wedensky in Tschetschenien trainiert worden sein.

Die beiden Attentäterinnen waren dem Bericht zufolge mit dem Bus von der Stadt Kisljar in Dagestan aufgebrochen - dort, wo am Mittwoch bei einem Doppelanschlag zwölf Menschen ums Leben gekommen waren. Kisljar gelte als idealer Ausgangspunkt für Rebellen auf dem Weg nach Moskau, weil es gleich an der Grenze zu Tschetschenien liege und gute Zug- und Busverbindungen in die russische Hauptstadt habe.

Der tschetschenische Rebellenführer Umarow hatte im Oktober 2007 in der Konfliktregion im Südwesten Russlands das „Kaukasus-Emirat“ ausgerufen und sich selbst zu dessen Emir ernannt. Das „Kaukasus-Emirat“ hat in der Vergangenheit mehrere Anschläge verübt, darunter den Anschlag auf den „Newski-Express“ Ende November 2009. Der Schnellzug war auf dem Weg von Moskau nach St. Petersburg durch eine Explosion entgleist, 28 Menschen kamen ums Leben.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Wir sind Jonny

Von Philip Eppelsheim

Die Kriminalstatistik sagt: Die Gewalt nimmt ab. Aber über die Angst spricht niemand. Im öffentlichen Raum wurden jeden Tag etwa 175 Menschen geschlagen und getreten. Mehr 45 38