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Dienstag, 18. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Medienbericht „Französischer Atommüll in Sibirien“

 ·  Frankreich lädt einen Teil seines Atommülls heimlich in Sibirien ab. Das berichtet die Zeitung „Libération“. Seit Mitte der neunziger Jahre seien jährlich 108 Tonnen abgereichtertes Uran aus französischen Reaktoranlagen in das 8000 Kilometer entfernte Sewersk gebracht worden.

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Frankreich lädt einen Teil seines Atommülls heimlich in Sibirien ab. Das berichtete die Zeitung „Libération“ am Montag. Etwa 13 Prozent der Abfälle aus französischen Atomkraftwerken lagerten in der für die Öffentlichkeit unzugänglichen sibirischen Stadt Sewersk, schreibt „Libération“ nach acht Monate währenden Recherchen.

Seit Mitte der neunziger Jahre werden demnach jährlich 108 Tonnen abgereichtertes Uran aus den Reaktoranlagen des französischen Elektrizitätskonzerns EDF 8000 Kilometer weit nach Sibirien gebracht. Der Atommülltransport erfolge zunächst auf dem Seeweg (von Le Havre nach Sankt Petersburg) und dann auf der Schiene. Der Atommüll werde in Sewersk unter freiem Himmel „auf einem Parkplatz“ aufbewahrt. „Libération“ schreibt, die EDF-Konzernleitung habe diese Informationen bestätigt, aber auf einen Kommentar verzichtet.

Umweltminister Borloo: „Kein Geheimnis“

Frankreich deckt etwa 80 Prozent seines Strombedarfs aus der Kernenergie, es betreibt 58 Reaktoranlagen. Der in Sibirien gelagerte Atommüll gehöre nicht mehr EDF, sondern dem russischen Aufbereitungsunternehmen Tenex, sagte ein EDF-Sprecher. Der Atomkonzern Areva, der in La Hague eine Wiederaufbereitungsanlage unterhält, wies EDF die Verantwortung zu.

Areva arbeite lediglich im Auftrag von EDF, sagte ein Areva-Sprecher. Von 2012 an werde die mit einer neuen Zentrifugaltechnik arbeitende Fabrik Georges-Besse II am Standort Tricastin in Südfrankreich in Betrieb genommen. Dann könne mehr Atommüll in Frankreich aufbereitet werden, sagte ein Areva-Sprecher.

„Strategische Frage der Atommülllagerung“

Der französische Minister für Umwelt und nachhaltige Entwicklung, Jean-Louis Borloo, teilte mit, der Atommülltransfer nach Russland sei „kein Geheimnis“. EDF habe lediglich entschieden, nicht darüber zu kommunizieren. Borloo lehnte es ab, mögliche Sicherheitsrisiken zu kommentieren. Stattdessen regte er eine Debatte über „die Abhängigkeit Frankreichs von Russland in der strategischen Frage der Atommülllagerung“ an.

An diesem Dienstagabend strahlt der deutsch-französische Fernsehsender Arte einen Film zu den Recherchen der französischen Journalisten aus. Bislang wurde in Frankreich wenig über die Lagerung des Atommülls debattiert. Dabei hat sich mehr als eine Million Kubikmeter radioaktiver Abfall aufgehäuft. Im Land gibt es drei Atommülldeponien; zurzeit werden Standorte für zwei neue Atommülllager gesucht. Bernard Bigot, der bis vor kurzem das französische Kommissariat für Atomenergie leitete und jetzt im Aufsichtsrat von Areva sitzt, spricht „vom Vertrauen in die Zukunft“. Es werde schon eine Lösung für die radioaktiven Abfälle gefunden.

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Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

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