Sie ist die erste Frau, die in Tunesien einer politischen Partei vorsteht, und erst die zweite im gesamten Maghreb. Und wenn nicht alles täuscht, wird man von ihr noch ziemlich viel hören - vorausgesetzt, Tunesien bekommt ein demokratisches und pluralistisches Regime. Doch auch wenn das nicht geschieht, wird sie wohl keine Ruhe geben: Maya Jribi hat sich während der „Jasmin-Revolution“, die zur überstürzten Abreise von Präsident Ben Ali führte, immer wieder vernehmen lassen; das wird sie auch weiterhin tun.
Wie hartnäckig sie sein kann, zeigte sich im Jahre 2007. Da verweigerte sie - zusammen mit Ahmed Nejib Chebbi, ihrem „politischen Mentor“ und Vorgänger im Parteivorsitz - vom 20. September bis zum 20. Oktober vier Wochen lang jegliche Nahrung. Das Regime Ben Alis war gerade dabei, die letzten Reste einer Opposition mundtot zu machen, und verfiel auf die Idee, der Partei von Frau Jribi, der linken Parti démocrate progressiste (PDP), ihre Immobilie im Zentrum der Hauptstadt Tunis abspenstig zu machen. Dies war Schikane. Der Hungerstreik nahm sie so mit, dass sie noch eine Zeitlang körperlich darunter zu leiden hatte. Doch am Ende konnte die Partei nicht - wie man beabsichtigt hatte - aus Tunis vertrieben werden.
Einsatz für Menschenrechte
Maya Jribi ist Tochter einer algerischen Mutter und eines tunesischen Vaters. Im Jahre 1960 in dem Ort Bou Arada geboren, ging sie in Tunis zur Schule und studierte anschließend, von 1979 bis 1983, an der wissenschaftlichen Fakultät der Universität Sfaks in Mitteltunesien. Sie ist Biologin. Schon als Studentin engagierte sie sich für die Menschenrechte und trat in die Tunesische Liga für Menschenrechte ein, die von dem Arzt und nun nach Tunis zurückgekehrten Oppositionellen Moncef Marzouki geführt wurde. Insbesondere Frauenfragen und die Behandlung von Kindern in der Gesellschaft wurden Schwerpunkte ihrer Arbeit, auch in Zusammenarbeit mit der Kinderhilfsorganisation der Vereinten Nationen Unicef.
Im Alter von nur 23 Jahren gehörte sie zu jenen, welche die Partei Rassemblement socialiste progressiste (RSP) gründeten, zusammen mit dem Anwalt Chebbi, der jetzt in der Übergangsregierung sitzt. Aus dem Rassemblement wurde im Jahre 2001 die PDP. Der langjährige Vorsitzende Chebbi gab im Dezember 2006 sein Amt an sie ab.
Maya Jribis Engagement in Sachen Menschenrechte hat ihr nicht nur in Tunesien den Ruf einer mutigen Frau eingebracht, weil sie sich gegen den repressiven Kurs Ben Alis wandte, sondern auch manche Kritik. So kennt man sie in Israel als eine streitbare Kämpferin für die Sache der Palästinenser; viele nennen sie eine Antisemitin.
Anlass dafür war unter anderem ein mit dem arabischen Sender Al Dschazira geführtes Interview, in dem sie auch heftige Attacken gegen Israel, das sie bevorzugt das „zionistische Gebilde“ nennt, ritt. Allerdings gab sie im Wesentlichen nur Standpunkte wieder, die in der arabischen Welt ohnehin gang und gäbe sind. Ob und wo Maya Jribi in einer neuen Ordnung in Tunesien einen herausgehobenen Platz finden wird, muss die Zukunft zeigen.
Wie Herr Lerch?!
Roland Schop (rolop)
- 21.01.2011, 16:37 Uhr
Die alte Wahl zwischen zwei Übeln…
Konrad Baumgarten (AnnaeusLucanus)
- 22.01.2011, 15:07 Uhr
