18.03.2009 · Mit der Wahlsieg Funes in El Salvador rückt in Lateinamerika ein weiteres Land nach links. Dem „sozialistischen“ Einigungsfeldzug des venezolanischen Präsidenten Chávez will sich Funes jedoch nicht anschließen. Er will sein Land „entpolarisieren“, nicht spalten .
Von Josef OehrleinEl Salvador wird künftig in einem Atemzug mit den lateinamerikanischen Ländern genannt werden, in denen „Linksregierungen“ das Sagen haben. Wie „links“ sie tatsächlich sind, wird dabei daran gemessen, in welchem Maß sie sich vom venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez, dem Erfinder des „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“, beeinflussen lassen.
Der neue Präsident El Salvadors, Mauricio Funes, hatte sich im Wahlkampf deutlich von Chávez distanziert und als ein zutreffenderes Vorbild den Brasilianer Luiz Inácio Lula da Silva genannt. Die Frage ist nun, wie sehr Funes der unvermeidlichen Umarmung durch Chávez widerstehen kann oder will. Denn für Chávez ist der Sieg des Kandidaten einer früheren revolutionären Bewegung allemal ein Fortschritt in seinem „sozialistischen“ Einigungsfeldzug. Eines will Funes nach ersten Bekenntnissen auf jeden Fall anders als Chávez machen: Er will sein Land nicht spalten, sondern „entpolarisieren“.
Sympathie mit Aufständischen
Funes war Kandidat der „Nationalen Befreiungsfront Farabundo Martí“ (FMLN), der früheren Guerrilla, die im Kampf gegen die nicht minder blutrünstigen Streitkräfte im Bürgerkrieg Angst und Schrecken verbreitet hatte. Sein Vorteil bestand darin, dass er selbst nicht als Guerrillero aktiv war. Das unterschied ihn von dem 2006 an einem Herzinfarkt gestorbenen Guerrilla-Anführer Schafik Handal, der sich 2004 von der FMLN als Präsidentschaftskandidat hatte aufstellen lassen und gescheitert war.
Funes musste sich, als er sich von der „Front“ aufstellen ließ, erst einmal als Mitglied der Partei einschreiben. Aber er sympathisierte sehr wohl mit den einstigen Aufständischen. Als Journalist hatte er schon während des Bürgerkriegs gute Kontakte zu Guerrilla-Anführern.
Funes: „Ein Revolutionär und Mann der Linken“
Später prangerte er in seinen Sendungen Korruption von Politikern aus dem „Arena“-Regierungslager an. Das machte ihn im Land populär. Über die Grenzen El Salvadors hinaus wurde er als Korrespondent des Nachrichtensenders CNN bekannt. „Ich halte mich für einen Revolutionär und einen Mann der Linken, der an die Demokratie glaubt, an die soziale Gerechtigkeit und den Humanismus“, lautet Funes’ Glaubensbekenntnis.
Carlos Mauricio Funes Cartagena, dessen Kennzeichen ein kurzer Haarschnitt und eine markante Brille sind, wurde am 18. Oktober 1959 in San Salvador geboren. Er ging zunächst auf eine Jesuitenschule und später auf eine Universität, beendete sein geisteswissenschaftliches Studium jedoch nicht. Von 1986 an arbeitete er bei verschiedenen Fernsehsendern, 1997 wurde er Nachrichtenchef und Moderator populärer politischer Programme bei der Station „Canal 12“.
Das neue Staatsoberhaupt El Salvadors ist in dritter Ehe mit der Brasilianerin Vanda Pignato verheiratet, der Repräsentantin der „Arbeiterpartei“ des Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva. Mit ihr hat er drei Söhne. Ein viertes Kind, sein ältester Sohn Alejandro, starb 2007 im Alter von 27 Jahren bei einem Überfall in Paris. Sein älterer Bruder Roberto, ein Studentenführer, war 1980, am Beginn des Bürgerkriegs, von der Nationalpolizei ermordet worden.
Josef Oehrlein Jahrgang 1949, politischer Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in Buenos Aires.
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