http://www.faz.net/-gpf-7u7fz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren

Veröffentlicht: 22.09.2014, 08:38 Uhr

Massenflucht aus Syrien PKK ruft zu Kampf gegen IS-Milizen auf

Die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) fordert die türkischen Kurden auf, gemeinsam gegen die Terrormiliz Islamischer Staat zu kämpfen: „Es gibt im Widerstand keine Grenze mehr.“

© AFP PKK-Anhänger demonstrieren im nordsyrischen Kobane gegen die Terrormilz IS

Die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) hat die Kurden in der Türkei zum Kampf gegen die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) im benachbarten Syrien aufgerufen. „Es gibt im Widerstand keine Grenze mehr“, weshalb eine „Mobilisierung“ nötig sei, hieß es in einer PKK-Mitteilung, aus der die prokurdische Nachrichtenagentur Firat am Montag zitierte. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte eroberten IS-Kämpfer seit vergangenen Donnerstag etwa 60 Dörfer in den Kurdengebieten im Norden Syriens und drängten kurdische Kämpfer zurück.

Nach UN-Angaben flohen inzwischen mehr als 130.000 syrische Kurden über die Grenze in die Türkei. Insgesamt seien sogar 150 000 Menschen vertrieben worden, teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Montag mit. Der türkische Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus sagte, sein Land bereite sich auf eine neue Flüchtlingswelle mit möglicherweise Hunderttausenden Menschen vor - abhängig von weiteren Angriffen des IS. Schon bisher hat die Türkei nach Regierungsangaben rund 1,3 Millionen Flüchtlinge vor allem aus Syrien aufgenommen

Ziel der IS-Offensive ist die kurdische Enklave Kobane nahe der Grenze zum Nachbarland. Die Enklave im Norden Syriens ist jetzt von drei Seiten eingekesselt. „Der Ort ist wie eine Geisterstadt“, sagte Rami Abdel Rahman von der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte der Nachrichtenagentur dpa.  Die IS-Kämpfer würden Ain al-Arab mittlerweile von Süden, Osten und Westen einkeilen. An einigen Stellen stünden die Kämpfer 14 Kilometer vor der Stadt, an anderen nur zehn.

Mehr zum Thema

Der PKK-Vertreter Dursun Kalkan rief laut Firat in einem belgischen Fernsehsender alle Kurden auf, sich zusammenzuschließen. „Die kurdische Jugend vor allem, die Frauen, müssen diesen Angriffen entgegentreten“, sagte Kalkan.

Die PKK kämpft bereits im Norden des Iraks auf Seiten der kurdischen Peschmerga gegen die Dschihadisten, nachdem Anfang August die Kurden aus dem Irak, der Türkei und Syrien gegen die Extremisten eine gemeinsame Offensive starteten. In den syrischen Kurdengebieten führt die kurdische Partei der Demokratischen Union (PYD) den Kampf gegen die IS-Milizen an. Sie ist die syrische Schwesterpartei der PKK.

Kalkan warf der Türkei „Kollaboration“ mit der IS-Miliz vor, weil Ankara territoriale Ambitionen im Irak und in Syrien habe. Die Türkei hatte sich bisher im Kampf gegen die Dschihadisten zurückgehalten, die seit Juni im irakischen Mossul 46 türkische Diplomaten und Angehörige als Geiseln hielten, bevor sie diese am Samstag freiließen.

Ein Sprecher der Rebellengruppe Kurdenfront berichtete unterdessen, mehr als 80 IS-Kämpfer seien bei Gefechten südlich und östlich von Kobane getötet worden. Andere Einheiten hätten sich in der Stadt Asas nördlich von Aleppo Kämpfe mit der IS-Miliz geliefert. Dabei seien acht IS-Kämpfer getötet worden.

Die Kurdenfront ist eine im syrischen Bürgerkrieg gegründete Rebellengruppe, die vor allem in Nordsyrien gegen Soldaten des Regimes von Baschar al Assad sowie gegen die IS-Miliz kämpft. Die IS-Miliz kontrolliert in Syrien rund zwei Drittel des Landes. Die nordsyrische Stadt Al Rakka ist eine ihrer Hochburgen. Bei dem Vormarsch Mitte Juni auf das Nachbarland Irak eroberten die Dschihadisten dort mit Mossul die zweitgrößte Stadt des Landes sowie weitere Regionen im Osten und Norden. Ihre Eroberungen hat die IS-Miliz in einem selbst ernannten „Kalifat“ zusammengefasst.

Im Dissens vereint

Von Nikolas Busse

Der pompöse Empfang, den Macron Putin bereitet hat, wirkt nach außen hin wie der Versuch eines Neustarts in den Beziehungen Frankreichs und Russland. Aber da sollte man sich keinen Illusionen hingeben. Mehr 16

Zur Homepage