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Neuer Bürgermeister? : Manuel Valls zieht es nach Barcelona

Manuel Valls macht ein Selfie während einer Demonstration Mitte März in Barcelona. Bild: AFP

In Frankreich steht Manuel Valls keine große politische Karriere mehr bevor. Als Premierminister hat er sich unbeliebt gemacht. Jetzt will er in seiner Geburtsstadt Barcelona kandidieren.

          Manuel Valls steht bereit. Der frühere französische Premierminister scheint sich als einfacher Abgeordneter in Paris nicht mehr ausgelastet zu fühlen. Immer mehr Zeit verbringt der französische Politiker in seiner Geburtsstadt Barcelona – um den Kampf gegen die katalanischen Separatisten aufzunehmen und die Demokratie in Katalonien zu verteidigen, wie er es nennt: Das Streben der katalanischen Separatisten nach einem eigenen Staat bedeutet für ihn einen „neuen Krieg“. Um ihn zu gewinnen, würde Valls, der eigentlich französischer Präsident werden wollte, sogar ins Rathaus von Barcelona wechseln: „Ihr könnt auf mich zählen“, verspricht er seinen katalanischen Freunden.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Erst im Mai nächsten Jahres stehen in Spanien Kommunal- und Europawahlen an, doch die liberale Ciudadanos-Partei bringt sich schon in Stellung. In Umfragen hat sie die von Affären geplagte konservative Volkspartei (PP) von Ministerpräsident Mariano Rajoy hinter sich gelassen; in Katalonien waren die erst 2006 gegründeten Ciudadanos stärkste Kraft im Regionalparlament geworden, wo trotzdem die drei separatistischen Parteien eine absolute Mehrheit besitzen.

          Als EU-Bürger könnte Valls in der Stadt kandidieren, in der er 1962 als Sohn eines katalanischen Vaters und einer aus dem italienischsprachigen Teil der Schweiz stammenden Mutter zur Welt gekommen ist. In Frankreich ist Valls’ politische Karriere an einem Tiefpunkt angelangt. Der ehemalige sozialistische Premierminister scheiterte kläglich bei den Vorwahlen seiner Partei im Januar 2017. Dabei hatte Valls zuvor nichts unversucht gelassen, um François Hollande zu beerben. Im ersten Wahlgang kam der damalige Regierungschef, der sich durch einen Law-and-Order-Kurs in der eigenen Partei unbeliebt gemacht hatte, mit nur 31 Prozent der Stimmen auf den zweiten Platz. Im zweiten Wahlgang unterlag er gegen den damals kaum bekannten Sozialisten Benoît Hamon.

          Kaum war sein Traum geplatzt, bei den Präsidentenwahlen zu kandidieren, suchte Valls den Schulterschluss mit Emmanuel Macron, den er noch als Regierungschef wiederholt öffentlich gedemütigt hatte. Das erklärt, warum Macron ihn nicht mit offenen Armen aufnahm, sondern sich erst lange bitten ließ. Inzwischen gehört Valls in der Nationalversammlung der Fraktion der Präsidentenpartei „La République en marche“ an, hat aber keinerlei politisches Gewicht.

          Petition für Valls' Ausreise nach Katalonien

          Das hält den 55 Jahre alten Abgeordneten jedoch nicht davon ab, dem Präsidenten öffentlich Standpauken zu halten, wie etwa in der Frage der Laizität. Als Macron den gesellschaftlichen Beitrag der Katholiken in einer Rede vor der Bischofskonferenz in Paris lobte, empörte sich Valls und sah darin einen Verstoß gegen das Laizitätsgebot. In Frankreich ist Valls wegen seiner oftmals polemischen Stellungnahmen nicht gerade wohlgelitten. So wurde sofort nach Bekanntwerden seines möglichen Kandidaturwunsches in Barcelona eine Petition in die sozialen Netzwerke gestellt, in dem Franzosen für seine sofortige Ausreise nach Katalonien plädieren: kurz, ihre Freude bekunden, ihn loszuwerden. Auch privat hält den früheren Regierungschef nichts mehr in Paris. Er hat sich gerade von seiner zweiten Ehefrau, der bekannten Geigerin Anne Gravoin, getrennt.

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