http://www.faz.net/-gpf-928ho

Manal al Sharif : Rebellin am Steuer

Die Aktivistin Manal al Sharif wurde mit einem Video bekannt, in dem sie in Saudi Arabien Auto fährt. Bild: AFP

Schon 2011 hat sich Manal al Sharif hinters Steuer gesetzt und fuhr los. Das Video der Saudi-Araberin im Auto ging um die Welt. Nun wurde der Kampf der Aktivistin belohnt.

          Manal al Sharif wurde bereits in eine Reihe mit Rosa Parks gestellt. Die hatte sich 1955 in Alabama geweigert, ihren Sitzplatz im Bus für einen weißen Fahrgast zu räumen. Der „revolutionäre Mut“ der Rosa Parks sei ein Fanal für die amerikanische Bürgerrechtsbewegung gewesen, schrieb am 17. Juni 2011 Mai Yamani, die bekannteste saudische Sozialwissenschaftlerin. Dem „Widerstand von Manal al Sharif gegen die systematische Unterdrückung von Frauen durch das Saudi-Regime“ wünsche sie eine ähnliche Wirkung.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Yamani, Tochter eines früheren saudischen Ölministers, schrieb das an dem Tag, den Sharif und andere saudische Frauen zum „Autofahrtag“ ausgerufen hatten. Um weitere saudische Frauen zu ermuntern, sich daran zu beteiligen, hatte sich Sharif bereits am 17. Mai hinter das Steuer gesetzt und war losgefahren. Eine Freundin filmte den Start und die Fahrt in den Straßen von Khobar. Auf der Fahrt sprachen sie darüber, dass Frauen ein Drittel ihres Gehalts für Chauffeure ausgeben müssten und wie sie beim Warten auf Taxis belästigt würden. Noch am ersten Tag wurde das Video auf Youtube 700 000 Mal aufgerufen. Ihr Mut hatte Sharif und zehn anderen Frauen zwar weltweit Beachtung eingebracht, aber auch Gefängnis. Nach neun Tagen wurden sie, nicht zuletzt wegen der weltweiten Empörung, und Kritik auch in Saudi-Arabien, wieder auf freien Fuß gesetzt.

          Vor 6 Jahren : Manal Al Sharif widersetzt sich dem Fahrverbot

          Die 1979 geborene Manal al Sharif war Rebellin geworden. Dabei war sie in einem salafistischen Umfeld als ein braves, vollverschleiertes Mädchen aufgewachsen. Ihr Vater war Analphabet, die Familie lebte im ärmsten Viertel von Mekka. In der Schule sei sie religiös indoktriniert worden, sagt sie heute. Die Spiegel in den Toiletten seien abmontiert worden, damit die Mädchen ihre Gesichter nicht sehen. Zu Hause verbrannte sie die Musikkassetten ihres Bruders und dachte, dass alle diese Regeln ja von Gott erlassen worden seien.

          Das Erwachen setzte mit dem Terror vom 11. September 2001 ein. Da studierte sie bereits in Dschidda, das offener ist als Mekka, Informatik. Sie machte Sport, entdeckte das Internet und las dort kritische Artikel über den Islam in Saudi-Arabien. Als Jahrgangsbeste stellte sie der Ölkonzern Aramco als erste Frau in der Abteilung für Datensicherheit ein. Der große Wendepunkt war dann eine Dienstreise 2008 in die Vereinigten Staaten. Sie machte den Führerschein, kehrte als Aktivistin zurück, kaufte sich ein Auto und fuhr auf dem Compound von Aramco selbst. Drei Jahre später fand sie nach einem abendlichen Arzttermin kein Taxi und wurde auf offener Straße von Männern übel beschimpft. Darauf gründete sie mit anderen Frauen die Initiative „Women2Drive“.

          Ihr Mut wurde zunächst nicht belohnt. Aramco entließ Sharif, sie erhielt Hassmails und Drohanrufe, so dass sie mit ihrem brasilianischen Ehemann, den sie in Dubai kennengelernt hatte, nach Sydney auswanderte, wo sie heute lebt und ein Buch über ihre Erfahrungen geschrieben hat. Am Dienstagabend twitterte sie: „Wir haben es geschafft“. Und: „Saudi Arabien wird nie wieder dasselbe sein. Der Regen beginnt mit einem einzelnen Tropfen.“

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Das bringt der Dienstag

          Der Tag : Das bringt der Dienstag

          Der EuGH entscheidet über den Zugang zu Daten der Finanzaufsicht und darüber, welches Land bei grenzüberschreitender Verleumdung im Internet zuständig ist

          F-18 bei Madrid abgestürzt Video-Seite öffnen

          Spanien : F-18 bei Madrid abgestürzt

          In der Nähe der spanischen Hauptstadt Madrid ist am Dienstagvormittag ein F-18-Kampfflugzeug abgestürzt. Näheres über die Unglücksursache ist bislang nicht bekannt. Ein Video auf Twitter zeigt die Absturzstelle kurz nach dem Vorfall.

          Topmeldungen

          F.A.Z. exklusiv : Forcadell: Europa kann nicht mehr wegsehen!

          Die Präsidentin des katalanischen Parlaments kritisiert die Untätigkeit der EU im Katalonien-Konflikt. Diese ignoriere eine „offensichtliche Verletzung von Grundrechten in einem ihrer Mitgliedstaaten“, schreibt Carme Forcadell in einem Gastbeitrag für die F.A.Z. In Spanien gebe es wieder politische Gefangene.
          Am 20. März 2012 herrschten an der Ozar-Hatorah-Schule in Toulouse Trauer und Fassungslosigkeit. An diesem Tag wurden die Leichen von drei Schülerinnen und eines Lehrers überführt, die der Islamist Mohamed Merah mit Kopfschüssen ermordet hatte. Ihre letzte Ruhe fanden die Opfer in Israel. In Frankreich scheint das vergessen.

          Judenhass in Frankreich : Die Täter machen es wie die Nazis

          Verbrechen an Juden werden totgeschwiegen – und in der Banlieue grassiert der islamische Antisemitismus: Die feministische Philosophin Elisabeth Badinter klagt Frankreichs Medien und Politik an.
          Turbinenherstellung von Siemens in Berlin.

          F.A.Z. exklusiv : Siemens schließt Standorte in größter Konzernsparte

          Die Nachfrage nach Kraftwerken ist wegen der Energiewende fast um die Hälfte gesunken. Siemens hat dafür zu viele Werke und muss mit drastischen Maßnahmen reagieren. Tausende Stellen sind betroffen.

          Streit bei den Republikanern : Bannons Krieg gegen die eigene Partei

          Trumps ehemaliger Chefstratege Bannon nimmt dessen Versprechen, in Washington „den Sumpf trockenzulegen“, ernst. Dafür will er moderate Republikaner aus dem Kongress werfen und durch Ultrarechte ersetzen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.