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Manal al Sharif : Rebellin am Steuer

Die Aktivistin Manal al Sharif wurde mit einem Video bekannt, in dem sie in Saudi Arabien Auto fährt. Bild: AFP

Schon 2011 hat sich Manal al Sharif hinters Steuer gesetzt und fuhr los. Das Video der Saudi-Araberin im Auto ging um die Welt. Nun wurde der Kampf der Aktivistin belohnt.

          Manal al Sharif wurde bereits in eine Reihe mit Rosa Parks gestellt. Die hatte sich 1955 in Alabama geweigert, ihren Sitzplatz im Bus für einen weißen Fahrgast zu räumen. Der „revolutionäre Mut“ der Rosa Parks sei ein Fanal für die amerikanische Bürgerrechtsbewegung gewesen, schrieb am 17. Juni 2011 Mai Yamani, die bekannteste saudische Sozialwissenschaftlerin. Dem „Widerstand von Manal al Sharif gegen die systematische Unterdrückung von Frauen durch das Saudi-Regime“ wünsche sie eine ähnliche Wirkung.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Yamani, Tochter eines früheren saudischen Ölministers, schrieb das an dem Tag, den Sharif und andere saudische Frauen zum „Autofahrtag“ ausgerufen hatten. Um weitere saudische Frauen zu ermuntern, sich daran zu beteiligen, hatte sich Sharif bereits am 17. Mai hinter das Steuer gesetzt und war losgefahren. Eine Freundin filmte den Start und die Fahrt in den Straßen von Khobar. Auf der Fahrt sprachen sie darüber, dass Frauen ein Drittel ihres Gehalts für Chauffeure ausgeben müssten und wie sie beim Warten auf Taxis belästigt würden. Noch am ersten Tag wurde das Video auf Youtube 700 000 Mal aufgerufen. Ihr Mut hatte Sharif und zehn anderen Frauen zwar weltweit Beachtung eingebracht, aber auch Gefängnis. Nach neun Tagen wurden sie, nicht zuletzt wegen der weltweiten Empörung, und Kritik auch in Saudi-Arabien, wieder auf freien Fuß gesetzt.

          Die 1979 geborene Manal al Sharif war Rebellin geworden. Dabei war sie in einem salafistischen Umfeld als ein braves, vollverschleiertes Mädchen aufgewachsen. Ihr Vater war Analphabet, die Familie lebte im ärmsten Viertel von Mekka. In der Schule sei sie religiös indoktriniert worden, sagt sie heute. Die Spiegel in den Toiletten seien abmontiert worden, damit die Mädchen ihre Gesichter nicht sehen. Zu Hause verbrannte sie die Musikkassetten ihres Bruders und dachte, dass alle diese Regeln ja von Gott erlassen worden seien.

          Das Erwachen setzte mit dem Terror vom 11. September 2001 ein. Da studierte sie bereits in Dschidda, das offener ist als Mekka, Informatik. Sie machte Sport, entdeckte das Internet und las dort kritische Artikel über den Islam in Saudi-Arabien. Als Jahrgangsbeste stellte sie der Ölkonzern Aramco als erste Frau in der Abteilung für Datensicherheit ein. Der große Wendepunkt war dann eine Dienstreise 2008 in die Vereinigten Staaten. Sie machte den Führerschein, kehrte als Aktivistin zurück, kaufte sich ein Auto und fuhr auf dem Compound von Aramco selbst. Drei Jahre später fand sie nach einem abendlichen Arzttermin kein Taxi und wurde auf offener Straße von Männern übel beschimpft. Darauf gründete sie mit anderen Frauen die Initiative „Women2Drive“.

          Ihr Mut wurde zunächst nicht belohnt. Aramco entließ Sharif, sie erhielt Hassmails und Drohanrufe, so dass sie mit ihrem brasilianischen Ehemann, den sie in Dubai kennengelernt hatte, nach Sydney auswanderte, wo sie heute lebt und ein Buch über ihre Erfahrungen geschrieben hat. Am Dienstagabend twitterte sie: „Wir haben es geschafft“. Und: „Saudi Arabien wird nie wieder dasselbe sein. Der Regen beginnt mit einem einzelnen Tropfen.“

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