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Veröffentlicht: 11.01.2013, 19:39 Uhr

Mali Unheilige Allianz

Die malische Armee kann den Vormarsch der vereinten Dschihadisten nicht mehr aus eigener Kraft stoppen. Sie braucht Frankreichs Hilfe. Doch es wird schwieriger als in der Elfenbeinküste.

© AFP Ein Mujao-Kämpfer im Januar in Gao

Wenn es denn stimmt, was Augenzeugen aus der am Donnerstag von den radikalen Islamisten eroberten Ortschaft Konna berichten, dann steht Mali tatsächlich am Abgrund. Der Angriff auf das Dorf rund 70 Kilometer nördlich der Regionalstadt Mopti, so schilderten es Bewohner am Freitag telefonisch, sei eine gemeinsame Aktion der islamistischen Tuareg der Gruppe Ansar al Dine, der beiden Terrorgruppen Al Qaida im islamischen Maghreb (Aqim) und Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika (Mujao), sowie Mitgliedern der nigerianischen Islamistengruppe Boko Haram gewesen. Ein solch konzertiertes Vorgehen radikaler Islamisten hat es in den neun Monaten, in denen sie den Norden Malis besetzt halten, noch nicht gegeben. Ein nach Mopti geflohener Bewohner von Konna beschrieb die Kämpfe am Freitag fassungslos als Massaker.

Thomas Scheen Folgen:

Die völlig demoralisierte malische Armee, die noch am Donnerstag kundgetan hatte, sie marschiere auf Douentza rund 145 Kilometer nordöstlich von Mopti zu, suchte ihr Heil – wieder einmal – in der Flucht. Dort hat die Terrorgruppe Mujao das Sagen. Die Dschihadisten bedrohen inzwischen die Stadt Mopti und damit unmittelbar die Hauptstadt Bamako. In seiner Verzweiflung richtete der malische Übergangspräsident Dioncounda Traoré ein offizielles Gesuch an die französische Regierung um militärischen Beistand. Dem wurde offenbar sehr schnell entsprochen.

Noch am Donnerstag waren zwei ausländische Militärflugzeuge vom Typ C-160, wie sie die französische und auch die deutsche Armee benutzen, und ein paar Hubschrauber mit Verstärkung in Sévaré bei Mopti gelandet, wo die malische Armee einen vorgeschobenen Kommandoposten unterhält. Zunächst gab es nur die Aussage von Flughafenarbeitern, dass unter den neuen Soldaten auch solche mit weißer Haut waren. Woher diese stammen, wurde zunächst nicht mitgeteilt. Dann wurde am Freitag ein Mitglied des malischen Kabinetts anonym mit der Behauptung zitiert, dass es sich um Franzosen handele. Erst am Abend bestätigte der französische Staatspräsident das Engagement seines Landes. Der Weg für die französischen Soldaten war kurz: Frankreich unterhält nur eine Flugstunde von Bamako entfernt, in Abidjan in der Elfenbeinküste, einen Stützpunkt mit mehr als 800 Marineinfanteristen („83. Bataillon d’Infanterie de la Marine Française à Abidjan“). Hinzu kommen Spezialeinheiten zur Geiselrettung, die in Niger stationiert sind.

Führungslose Armee

Mit dem Vormarsch der Islamisten waren alle Hoffnungen auf ein friedliches Ende des malischen Konfliktes hinfällig. Daran ändert auch die nach wie vor optimistische Haltung des burkinischen Außenministers Djibrill Bassolé nichts. Sein Land vermittelt im Auftrag der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) zwischen den Konfliktparteien und hatte es geschafft, sowohl Ansar al Dine als auch die Tuareg-Rebellen der Nationalen Bewegung zur Befreiung von Azawad (MNLA) an den Verhandlungstisch zu bringen. Aber es war ein Irrtum, die Gruppe Ansar al Dine als halbwegs moderat und verhandlungswillig einzustufen.
Führungslose Armee

Die Tuareg-Islamisten haben die Verhandlungen offenbar nur dazu genutzt, ihre Kräfte neu zu bündeln, wie das Treffen zwischen Ansar al Dine, Aqim, Mujao und Boko Haram Anfang Januar in Bambara Maouda nahe der Stadt Timbuktu zeigte. Kurz darauf begann die Offensive auf Konna. Dort, in Bambara Maouda, existiert nach Erkenntnissen des nigrischen Geheimdienstes ein großes Ausbildungslager, in dem sich Dschihadisten aus ganz Afrika treffen, unter ihnen auch Somalier von der mit Al Qaida verbündeten Shabaab-Miliz.

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