http://www.faz.net/-gpf-75o97

Mali : Unheilige Allianz

Ein Mujao-Kämpfer im Januar in Gao Bild: AFP

Die malische Armee kann den Vormarsch der vereinten Dschihadisten nicht mehr aus eigener Kraft stoppen. Sie braucht Frankreichs Hilfe. Doch es wird schwieriger als in der Elfenbeinküste.

          Wenn es denn stimmt, was Augenzeugen aus der am Donnerstag von den radikalen Islamisten eroberten Ortschaft Konna berichten, dann steht Mali tatsächlich am Abgrund. Der Angriff auf das Dorf rund 70 Kilometer nördlich der Regionalstadt Mopti, so schilderten es Bewohner am Freitag telefonisch, sei eine gemeinsame Aktion der islamistischen Tuareg der Gruppe Ansar al Dine, der beiden Terrorgruppen Al Qaida im islamischen Maghreb (Aqim) und Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika (Mujao), sowie Mitgliedern der nigerianischen Islamistengruppe Boko Haram gewesen. Ein solch konzertiertes Vorgehen radikaler Islamisten hat es in den neun Monaten, in denen sie den Norden Malis besetzt halten, noch nicht gegeben. Ein nach Mopti geflohener Bewohner von Konna beschrieb die Kämpfe am Freitag fassungslos als Massaker.

          Thomas Scheen †

          Politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Nairobi.

          Die völlig demoralisierte malische Armee, die noch am Donnerstag kundgetan hatte, sie marschiere auf Douentza rund 145 Kilometer nordöstlich von Mopti zu, suchte ihr Heil – wieder einmal – in der Flucht. Dort hat die Terrorgruppe Mujao das Sagen. Die Dschihadisten bedrohen inzwischen die Stadt Mopti und damit unmittelbar die Hauptstadt Bamako. In seiner Verzweiflung richtete der malische Übergangspräsident Dioncounda Traoré ein offizielles Gesuch an die französische Regierung um militärischen Beistand. Dem wurde offenbar sehr schnell entsprochen.

          Noch am Donnerstag waren zwei ausländische Militärflugzeuge vom Typ C-160, wie sie die französische und auch die deutsche Armee benutzen, und ein paar Hubschrauber mit Verstärkung in Sévaré bei Mopti gelandet, wo die malische Armee einen vorgeschobenen Kommandoposten unterhält. Zunächst gab es nur die Aussage von Flughafenarbeitern, dass unter den neuen Soldaten auch solche mit weißer Haut waren. Woher diese stammen, wurde zunächst nicht mitgeteilt. Dann wurde am Freitag ein Mitglied des malischen Kabinetts anonym mit der Behauptung zitiert, dass es sich um Franzosen handele. Erst am Abend bestätigte der französische Staatspräsident das Engagement seines Landes. Der Weg für die französischen Soldaten war kurz: Frankreich unterhält nur eine Flugstunde von Bamako entfernt, in Abidjan in der Elfenbeinküste, einen Stützpunkt mit mehr als 800 Marineinfanteristen („83. Bataillon d’Infanterie de la Marine Française à Abidjan“). Hinzu kommen Spezialeinheiten zur Geiselrettung, die in Niger stationiert sind.

          Führungslose Armee

          Mit dem Vormarsch der Islamisten waren alle Hoffnungen auf ein friedliches Ende des malischen Konfliktes hinfällig. Daran ändert auch die nach wie vor optimistische Haltung des burkinischen Außenministers Djibrill Bassolé nichts. Sein Land vermittelt im Auftrag der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) zwischen den Konfliktparteien und hatte es geschafft, sowohl Ansar al Dine als auch die Tuareg-Rebellen der Nationalen Bewegung zur Befreiung von Azawad (MNLA) an den Verhandlungstisch zu bringen. Aber es war ein Irrtum, die Gruppe Ansar al Dine als halbwegs moderat und verhandlungswillig einzustufen.
          Führungslose Armee

          Die Tuareg-Islamisten haben die Verhandlungen offenbar nur dazu genutzt, ihre Kräfte neu zu bündeln, wie das Treffen zwischen Ansar al Dine, Aqim, Mujao und Boko Haram Anfang Januar in Bambara Maouda nahe der Stadt Timbuktu zeigte. Kurz darauf begann die Offensive auf Konna. Dort, in Bambara Maouda, existiert nach Erkenntnissen des nigrischen Geheimdienstes ein großes Ausbildungslager, in dem sich Dschihadisten aus ganz Afrika treffen, unter ihnen auch Somalier von der mit Al Qaida verbündeten Shabaab-Miliz.

          Weitere Themen

          Der Kampf an der zweiten Front

          Krieg im Jemen : Der Kampf an der zweiten Front

          In der jemenitischen Küstenstadt Mukalla ringt der Gouverneur um Normalität – damit die Terrororganisation Al Qaida nicht zurückkehrt. Hilfe kommt aus Abu Dhabi. Doch westliche Diplomaten betrachten die mit Skepsis.

          Betrugsvorwürfe nach Präsidentenwahl Video-Seite öffnen

          Mali : Betrugsvorwürfe nach Präsidentenwahl

          In Mali sind nach der Präsidentenwahl Betrugsvorwürfe gegen das Lager von Amtsinhaber Ibrahim Boubacar Keita laut geworden. Der Oppositionskandidat Cisse reklamiert den Wahlsieg für sich.

          Mukalla nach Al Qaida Video-Seite öffnen

          Jemen : Mukalla nach Al Qaida

          Die jemenitische Stadt profitiert massiv von den Hilfen der Vereinigten Arabischen Emiraten. Sowohl wirtschaftlich als auch im Kampf gegen den Terror.

          Topmeldungen

          Trotz Strafzöllen : Washington will harten Kurs gegen Ankara fortsetzen

          Die Gegenmaßnahmen der Türkei schrecken die Vereinigten Staaten nicht: Vizepräsident Pence erklärt, man werde im Fall des inhaftierten Pastor Brunson nicht lockerlassen. Überraschend frei kam der Ehrenvorsitzende von Amnesty International.

          Medien gegen Trump : „Wir sind nicht der Feind“

          Hunderte amerikanische Zeitungen veröffentlichen heute zeitgleich Leitartikel für die Pressefreiheit und wehren sich gegen die Angriffe von Präsident Trump. Nicht alle Medien sind jedoch von der Aktion begeistert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.