http://www.faz.net/-gpf-70g28

Mali : Tuareg kämpfen gegen Islamisten

Regionale Unsicherheit: Nigrische Sicherheitskräfte im Grenzgebiet zu Mali Bild: AFP

Kämpfe im Norden Malis: In der Nacht von Donnerstag auf Freitag haben sich Islamisten und Tuareg heftige Gefechte geliefert. In Timbuktu wurde derweil die Schaffung einer dritten bewaffneten Gruppe bekanntgegeben.

          In der nordmalischen Stadt Kidal haben sich in der Nacht von Donnerstag auf Freitag offenbar Kämpfer der radikalen islamistischen Miliz Ansar al Din heftige Gefechte mit den Tuareg-Rebellen des „Mouvement national de libération de L’Azawad“ (MNLA) geliefert. Es waren die ersten schweren Gefechte zwischen den beiden Gruppen seit der Eroberung des Norden Malis im März.

          Thomas Scheen †

          Politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Nairobi.

          Der Hintergrund der Kämpfe ist ebenso unklar wie die Zahl möglicher Opfer. Nach Berichten von Bewohnern sollen die Gefechte nahezu die ganze Nacht gedauert haben. Der Führer von Ansar al Din, Iyad Ag Ghaly, lebt in Kidal. Sein Haus soll angeblich von Tuareg angegriffen worden sein. In den vergangenen Tagen hatten Bewohner der Stadt wiederholt gegen die Anwesenheit der radikalen Islamisten protestiert. Ansar al Din beschuldigt die Tuareg, diese Demonstrationen initiiert zu haben.

          Keine eindeutigen Kräfteverhältnisse

          Vor nicht einmal zwei Wochen hatten Ansar al Din und MNLA die Fusion der beiden Gruppen angekündigt, die aber nur wenige Tage später nach heftigem Widerstand zahlreicher einflussreicher Persönlichkeiten innerhalb des MNLA wieder rückgängig gemacht worden war. Die Gruppe Ansar al Din, die eng mit dem Terrornetz „Al Qaida im islamischen Maghreb“ (Aqim) kooperiert, will den Norden Malis in einen Scharia-Staat nach ihren radikalen religiösen Vorstellungen verwandeln. Die Tuareg hingegen plädieren für einen unabhängigen Staat mit einer laizistischen Rechtsprechung. Die Kräfteverhältnisse zwischen den beiden Gruppen sind nicht eindeutig festzustellen. Es scheint aber so zu sein, dass Ansar al Din zumindest militärisch die Oberhand in nahezu allen Gebieten in Norden Malis gewonnen hat.

          In Timbuktu wurde derweil am Freitag die Schaffung einer dritten bewaffneten Gruppe bekanntgegeben. Das so genannte „Mouvement des patriotes pour la résistance et la libération de Tombouctou“ (MPRLT) will nach eigenen Angaben die „Islamisten aus Timbuktu verjagen“. Hinter dieser Gruppe, deren tatsächliche Stärke völlig unbekannt ist, stehen mutmaßlich Würdenträger der arabischen Gemeinschaft in Azawad. Die Araber hatten zu Beginn dieser Woche sowohl Ansar als Din als auch die Tuareg zu Verhandlungen nach Mauretanien eingeladen, bei denen sie die Unabhängigkeit des Azawad von Mali abgelehnt und eine Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung gefordert hatten. Das Treffen war nach drei Tagen ergebnislos beendet worden.

          Mali mit den von den Tuareg beanspruchten nordöstlichen Gebieten Bilderstrecke
          Mali mit den von den Tuareg beanspruchten nordöstlichen Gebieten :

          Schon am Donnerstagabend hatte die westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion (Ecowas) nach einem Krisentreffen in Abidjan angekündigt, die Vereinten Nationen um finanzielle und logistische Hilfe für die Entsendung einer militärischen Eingreiftruppe nach Mali zu bitten. Der Antrag soll in den kommenden Tagen in New York eintreffen.

          Nach den Worten des gegenwärtigen Vorsitzenden der Ecowas, dem beninischen Präsidenten Thomas Boni Yayi, muss der Ausbreitung des islamistischen Terrors in Mali „so schnell wie möglich“ Einhalt geboten werden. Nach Worten des nigrischen Präsidenten Mahamadou Issoufou halten sich inzwischen afghanische und pakistanische Dschihadisten als Ausbilder in Mali auf. „Wir haben präzise Angaben über eines dieser Trainingslager in Gao, in dem die Kämpfer der nigerianischen Sekte Boko Haram ausgebildet werden“, sagte Issoufou dem französischen Sender France 24.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Wieder Zwischenfall mit Hubschrauber

          Bundeswehr in Mali : Wieder Zwischenfall mit Hubschrauber

          Wenige Monate nach einem tödlichen Absturz fällt bei einem Bundeswehr-Hubschrauber in Mali beim Abheben offenbar das Triebwerk aus. Die Situation in dem westafrikanischen Land bleibt schwierig.

          Dominikanische Republik bereitet sich auf „Maria“ vor Video-Seite öffnen

          Hurrikan : Dominikanische Republik bereitet sich auf „Maria“ vor

          Hurrikan „Maria“ soll über den Norden der Dominikanischen Republik hinwegziehen. Nach seinem zerstörerischen Weg durch die Karibik und zuletzt Puerto Rico bereiten sich die Einwohner Punta Canas auf den Sturm entsprechend vor. „Maria“ soll bis Freitag weiter zu den Bahamas ziehen.

          Merkel kritisiert Trumps Drohung gegen Nordkorea scharf Video-Seite öffnen

          Nach UN-Ansprache : Merkel kritisiert Trumps Drohung gegen Nordkorea scharf

          Am Mittwoch zeigte sich Angela Merkel im Norden Deutschlands, um für ihre Politik zu werben und die letzten Wähler zu mobilisieren. Dort äußerte sie sich abermals kritisch gegenüber dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Die richtige Antwort auf die nordkoreanischen Atom- und Raketentests seien Sanktionen und keine „totale Vernichtung“.

          Topmeldungen

          Merkel vor vierter Amtszeit : Die ewige Kanzlerin

          An diesem Sonntag wird Angela Merkel aller Voraussicht nach für ihre vierte Legislaturperiode gewählt. Und spätestens am Montag beginnt die Nachfolgedebatte und die CDU hat ein Problem.
          Stürmische Zeiten: Theresa May muss in Florenz versuchen, ihre Partei und die EU zufrieden zu stellen.

          Brexit-Rede : Theresa Mays italienischer Spagat

          Die britische Premierministerin Theresa May will in einer Rede in Florenz ihre Brexit-Politik erklären. Darin muss sie sowohl die EU als auch ihre Basis zufriedenstellen, um die Partei zu beruhigen.

          Bundestagswahl : Russland rechnet mit Merkel

          In Moskau wird über die Bundestagswahl in viel milderem Ton gesprochen, als über die Präsidentenwahlen in Amerika und Frankreich. Man will Berlin schließlich wieder als Partner gewinnen.
          Will aufrüsten: Irans Präsident Ruhani

          Streit um Atomabkommen : Iran droht Aufrüstung an

          Iran werde niemanden um Erlaubnis bitten, wenn es um seine Verteidigung gehe, sagt Präsident Rohani. Die Ankündigung wirkt wie Öl ins Feuer inmitten eines aufgeflammten Streits um das Atomabkommen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.