Fünf Tage nach dem Militärputsch in Mali gerät die Junta zusehends unter innen- wie außenpolitischen Druck. Nahezu die gesamte politische Klasse des Landes hatte die Putschisten am Sonntag aufgefordert, unverzüglich die Macht an den gewählten Präsidenten Amadou Toumani Touré zurückzugeben. Lediglich drei der 147 malischen Parlamentarier wollen mit den Soldaten zusammenarbeiten.
Zu einem für Montag geplanter Protestmarsch von Politikern und Bürgerrechtsorganisationen in der Hauptstadt Bamako versammelten sich nach scharfen Warnungen der Junta allerdings nur etwa tausend Menschen. Der 26. März ist ein Feiertag in Mali: Am 26. März 1991 hatte Touré selbst gegen den damals seit zwei Jahrzehnten herrschenden Militärdiktator Moussa Traoré geputscht.
Laut unbestätigten Informationen sind zahlreiche Mitglieder der gestürzten Regierung, die alle in einer Kaserne festgehalten werden, am Sonntag in einen Hungerstreik getreten. Sie wollen damit gegen die Verletzung elementarer Rechte protestieren, hieß es. Über das Schicksal und den Verbleib von Präsident Touré liegen nach wie vor keine gesicherten Angaben vor. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich verlangte „unverzüglichen Zugang“ zu Touré. Nach Angaben des französischen Außenministeriums sei es in den vergangenen Tagen trotz zahlreicher Versuche nicht gelungen, mit dem gestürzten Präsidenten zu sprechen. Die Junta hatte versichert, alle Regierungsmitglieder seien „wohlauf und in Sicherheit“. Die Vereinten Nationen verlangen ebenso wie Amerika, die Europäische Union und die Afrikanische Union eine sofortige Rückkehr zur „verfassungsmäßigen Ordnung“ sowie das Abhalten der für Ende April geplanten Wahlen in Mali.
Weiter Kämpfe im Norden
Unterdessen gehen im Norden Malis die Kämpfe zwischen der regulären Armee und den Tuareg-Rebellen des „Mouvement national pour la libération de l’Azawad“ (MNLA) mit unverminderter Härte weiter. Eine Splittergruppe des MNLA, die sich „Ançar Dine“ (Verteidiger des Islams) nennt, steht eigenen Angaben zufolge kurz vor der Eroberung von Kidal, einer der größten Städte in der Region.
Ançar Dine gibt vor, für die Einführung der Scharia „durch das Schwert“ einzustehen, und ist vermutlich ein neuer Ableger der islamischen Terrorgruppe „Al Qaida im islamischen Maghreb“, die im Norden Malis ihre Rückzugsgebiete hat. Die seit Januar andauernden Kämpfe in Norden haben mehr als 200.000 Menschen zur Flucht veranlasst.
Für die Junta wäre der Verlust von Kidal eine Katastrophe, weil ihr Putsch mit der Untätigkeit der Regierung gegen die islamistischen Terroristen im Norden begründet worden war. Die von einem Hauptmann angeführten Putschisten haben indes nahezu die gesamte Generalität der malischen Armee festsetzen lassen. Wer genau gerade die Verteidigung von Kidal organisiert, war nicht in Erfahrung zu bringen.
