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Mali : Peitschenhiebe von den Bärtigen

Französische Fähnchen: Am Freitag in Bamako Bild: AFP

Die Franzosen wollen Malis Islamisten schlagen. Das Volk leidet unter deren Gewalt. Im Norden des Landes ist es ihnen dennoch gelungen, Hunderte von Jugendlichen zu rekrutieren, die sie jetzt als Kanonenfutter missbrauchen.

          Die Narben auf seinem Rücken sind so breit wie Finger, an den Rändern ist Schorf. Bubayo Sagara verzieht vor Schmerz sein Gesicht, als er das Hemd lupft. Die Narben stammen von 50 Hieben mit einer kurzen, dicken Lederpeitsche, mit der sonst störrische Kamele zur Räson gebracht werden. Das war Bubayos Strafe, weil er mit einer Zigarette im Mundwinkel auf seinem Mofa durch Gao geknattert war. Rauchen in der Öffentlichkeit ist verboten im Reich der malischen Islamisten. „Die haben mich vom Mofa gezerrt, und schon hagelte es Schläge“, erinnert sich Bubayo. Verabreicht hat sie ihm ein „Polizeikommissar“, von dem Bubayo behauptet, er habe bis vor kurzem noch Ziegen gehütet. „Diese Radikalen sind Fanatiker und Analphabeten zugleich, das macht sie so unglaublich gefährlich“, sagt der 22 Jahre alte Student. Fast die Hälfte der auf 1,3 Millionen Menschen geschätzten Bevölkerung der drei Verwaltungsdistrikte Gao, Timbuktu und Kidal sind inzwischen vor den Terroristen geflohen.

          Thomas Scheen †

          Politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Nairobi.

          Bubayo hatte Glück. Einen Monat nach den Peitschenhieben fand er einen Weg aus der abgeriegelten Stadt Gao, auf der Ladefläche eines Pick-ups, auf der sich zwölf Leute zwischen zwei große Fässer Diesel drängten. Sie waren nur nachts gefahren, ohne Licht, und hatten lange Umwege über üble Pisten genommen, um nicht einer Patrouille der Radikalen zu begegnen. Sobald es dämmerte, hatten sie eine große Kuhle in den Sand gegraben, das Fahrzeug darin versteckt und gebetet, dass niemand die Reifenspuren sieht. Drei Tage und Nächte ging das so, bis die Flüchtlinge endlich Mopti erreichten, die von Regierungstruppen gehaltene Stadt im Zentrum von Mali.

          Hilfe von der tschadischen Armee

          Das war am 9. Januar, am Tag, als die Radikalen zum Sturm auf Mopti ansetzten. Also sind Bubayo und die anderen weitergeflohen, in Richtung Bamako, und dieses Mal waren schon 25 Leute auf der Ladefläche. „Wir haben uns gefragt, wo wir eigentlich noch sicher sind, und waren drauf und dran, bis Burkina Faso durchzufahren“, sagt Bubayo. Zwei Tage später bebte in Konna in der Nähe von Mopti die Erde, als französische Kampfhubschrauber und Jagdflugzeuge das Feuer auf die Radikalen eröffneten. Bubayo zündet sich eine Zigarette an, trinkt einen Schluck des süßen Tees, den sie in der kleinen Kneipe im „Quartier du fleuve“ in Bamako servieren, und genießt die Aussicht auf den Niger-Fluss. „Glaub mir, das war wirklich knapp“, sagt er, „zwei Tage mehr, und die Bärtigen hätten sich Bamako und damit das ganze Land geschnappt.“ Hat er jetzt keine Angst mehr? Bubayo lächelt. „Ich gönne diesen Typen jede französische Granate, die trifft.“

          Seit rund zehn Tagen läuft in Mali die französische „Opération Serval“ gegen die Radikalen von „Ansar al Dine“, „Al Qaida im islamischen Maghreb“ (Aqim) und der „Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika“ (Mujao). Die französische Luftwaffe hat deren Stützpunkte in Konna, Kidal, Gao, Douentza und Léré bombardiert, ohne die Radikalen sichtbar zu schwächen. Im Gegenteil. In der Ortschaft Diabali rund 400 Kilometer nördlich von Bamako eröffnete Aqim eine neue Front. Die französische Armee setzt dort Panzer und Infanterie ein. Die Rede ist von mehr als 1000 Dschihadisten, darunter sollen viele Ausländer sein. 2000 Mann stark ist das französische Kontingent inzwischen. In den nächsten Tagen sollen es 4000 Mann werden. Ob das reichen wird, die hochmobilen Islamisten zu schlagen? Die im April vergangenen Jahres zugesagte Entsendung einer 3300 Mann starken westafrikanischen Eingreiftruppe lässt weiter auf sich warten. Dass die angesichts lausiger Ausbildung und fehlender Waffen etwas bewirken kann, darüber macht sich in Mali ohnehin niemand Illusionen.

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