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Mali : Hoffen auf den Frieden

Ibrahim ag Jiddou ist 12 und mit seiner Familie vor der Gewalt im malischen Lere geflohen. In einem Busch-Taxi machte sich die Familie auf den Weg in das 19 Stunden entfernte Flüchtlingslager in Mbera, wo mehr als 64.000 Flüchtlinge leben. Wenn er einmal groß ist, will Jiddou ein General in einem unabhängigen Staat Azawad werden, sagt er. Bild: REUTERS

Die Lage im Norden Malis ist verworrener denn je. Erst wollten die Tuareg nicht mit den Islamisten, dann doch, dann doch nicht. Ein Ende der Gewalt ist nicht in Sicht. Tausende Menschen sind schon ins Nachbarland Mauretanien geflohen. 

          N’Beiket Lehouache ist einer jener Orte in Mauretanien, die nur erfahrene Saharafahrer kennen, weil es dort Treibstoff aus Fässern zu kaufen gibt und mit viel Glück auch einen neuen Keilriemen. Seit Sonntag aber ist das Kaff im Südosten Mauretaniens Schauplatz eines drei Tage dauernden Treffens, bei dem es um nicht weniger als die Zukunft des Norden Malis gehen soll, der bekanntlich unter die Räuber gefallen ist. Eingeladen zu dem Treffen haben die arabischen Stämme Malis, die sich dieses eine Mal mit den anderen nicht zu den Tuareg gehörenden Volksgruppen im Norden Malis, den Songhoïs und den Peul, einig sind: die Unabhängigkeitserklärung des Azawad durch die Tuareg-Rebellen, die im März blitzartig vorgerückt waren, war ein Fehler. Und vor allem: die Araber, die Songhoïs und die Peul sind nicht gefragt worden. „Wir wollen eine dauerhafte Lösung für Azawad und wir glauben nicht, dass die gegenwärtige Situation noch weiter tragbar ist“, sagte Ahmed Ould Sidi Mohamed, einer der Organisatoren des Treffens.

          Thomas Scheen †

          Politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Nairobi.

          Die „gegenwärtige Situation“ im Norden Malis ist tatsächlich alles andere als vielversprechend. Die Rebellen der Tuareg, die einst in der libyschen Armee gekämpft haben und im Januar unter der Flagge des „Mouvement national de libération de l’Azawad“ (MNLA) den Kampf gegen die Regierung in Bamako aufnahmen, sind von den radikalen Islamisten von Ansar al Din längst auf die Rolle von Statisten reduziert worden. Ansar al Din unterhält beste Beziehungen zur Terrororganisation „Al Qaida im islamischen Maghreb“ (Aqim), ist inzwischen tonangebend in der Region zwischen Timbuktu, Gao und Kidal und hat vielerorts bereits die Scharia eingeführt.

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          Ende Mai in Niger: Desertierte Kämpfer der malischen Armee, bewacht von nigrischen Kämpfern :

          Vor knapp zehn Tagen hatten Ansar al Din und die Tuareg des MNLA angekündigt, ihre Kräfte künftig zu bündeln und einen islamischen Staat auszurufen - was schon deshalb auf Befremden stieß, weil ein solches Gebilde den ausdrücklich laizistischen Charakter der Tuareg-Rebellion regelrecht auf den Kopf stellt. Doch für die Tuareg geht es inzwischen nur noch um das politische Überleben. Am vergangenen Freitag hieß es dann, die Fusion sei vorerst ausgesetzt, weil es innerhalb der Tuareg-Rebellion offenbar zu einem offenen Streit über den Umgang mit den Islamisten gekommen ist. „Ein islamischer Staat heißt für uns ein Staat mit einer toleranten Auslegung des Islam und nicht einer, in dem die Scharia regiert“, ließ Hamma Ag Mahmoud wissen, ein einflussreiches Mitglied im Politbüro des MNLA.

          Beträchtliche finanzielle Mittel aus Geiselnahmen und Schmuggel

          Der Dreh- und Angelpunkt dieser Auseinandersetzung aber ist Aqim. Die Gruppe mit ihren beträchtlichen finanziellen Mitteln, die aus Geiselnahmen und Schmuggel stammen, hat offenbar die Reihen der Tuareg-Rebellen regelrecht leergekauft. Unbestätigten Informationen aus Mauretanien zufolge soll mehr als die Hälfte der Tuareg unter Waffen sich inzwischen für die Islamisten verdingen. Das ist auch der Grund, warum der MNLA sich nicht zu einer Offensive gegen Aqim imstande sieht, wie es ursprünglich angekündigt worden war. Ein hartes Vorgehen gegen die Terroristen hätte den Tuareg internationales Interesse gebracht und ihnen für ihre Absicht, aus Azawad einen eigenständigen Staat zu machen, ein wertvolles Pfund für eventuelle Verhandlungen mit der Regierung in Bamako an die Hand gegeben. Das aber scheiterte am Widerstand von Ansar al Din, deren Führer Iyad ag Ghaly einst im Auftrag der malischen Regierung mit Aqim Verhandlungen führte.

          Sowohl Ansar al Din als auch der MNLA haben Vertreter nach N’Beiket Lehouache geschickt. Ihre wichtigsten Gesprächspartner dürften indes nicht die Araber sein, sondern die mauretanische Regierung, die offiziell dem Treffen nicht beiwohnt, inoffiziell aber alles versucht, um die explosive Lage im Norden des Nachbarlandes zu entschärfen.

          Auf die Übergangsregierung in Bamako hofft derweil kaum noch einer. Dort geht es drunter und drüber. Die Putschisten, die im März den amtierenden Präsidenten Amadou Toumani Touré gestürzt und drei Wochen später die Macht an eine Zivilregierung zurückgegeben hatten, sind auf Posten und Pfründen aus und blockieren die Entsendung einer westafrikanischen Friedenstruppe. Der Präsident dieser Übergangsregierung, der vor zwei Wochen unter tatkräftiger Mithilfe von Militärs von einem Mob in seinem Büro überfallen und übel zusammengeschlagen worden war, weilt inzwischen in Frankreich. Zurückkehren will Dioncounda Traoré vorerst nicht. Monsieur brauche jetzt erst einmal Ruhe, hieß es aus seinem Umfeld.

          Quelle: F.A.Z.

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