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Malediven : Autokraten-Bruder Yameen gewinnt Wahl

  • Aktualisiert am

Wahlsieger Abdulla Yameen Bild: REUTERS

Bei den Präsidentschaftswahlen auf den Malediven hat Abdullah Yameen gewonnen. Er ist der Halbbruder des Autokraten Maumoon Abdul Gayoom, der das Inselreich drei Jahrzehnte lang beherrscht hatte.

          Nach zahlreichen gescheiterten Wahlversuchen auf den Malediven hat der Halbbruder des früheren Autokraten den Kampf um das Präsidentenamt in dem Urlaubsparadies gewonnen. Abdulla Yameen erreichte bei der Stichwahl am Samstag laut Medienberichten die knappe Mehrheit der Stimmen. Sein Kontrahent, der Menschenrechtsaktivist Mohamed Nasheed, gestand seine Niederlage bereits ein. Er habe seinem Gegner gratuliert, teilte seine Partei MDP via Twitter mit.

          Yameen ist der Halbbruder von Maumoon Abdul Gayoom, der das Inselreich im Indischen Ozean drei Jahrzehnte lang beherrscht hatte. 2008 gab es die ersten demokratischen Wahlen in dem muslimischen Land, die der nun unterlegene Nasheed für sich entschied. Nach einer Meuterei der Sicherheitskräfte musste er im Frühjahr 2012 abtreten. Seitdem herrschte politische Instabilität.

          Laut lokalen Medien soll das neue Staatsoberhaupt schon am Sonntag bei einer Parlamentssitzung eingeschworen werden. Der noch amtierende Präsident Mohamed Waheed erklärte diesen Tag zum Feiertag. Die Regierungszeit des Präsidenten endete bereits am vergangenen Montag, doch um eine Verfassungskrise zu verhindern, blieb Waheed vorübergehend im Amt.

          Die Abstimmung, zu der rund 240.000 Menschen aufgerufen waren, konnte laut Wahlkommission „ohne größere Zwischenfälle“ abgehalten werden. Es habe nur ein paar Klagen über Versuche der Wählerbestechung gegeben. Auch die Antikorruptionsorganisation Transparency Maldives lobte den Urnengang erneut als „glaubhauft, transparent und äußerst gut organisiert“.

          Der Abstimmung vorausgegangen waren zahlreiche Wahlversuche, die vom Verfassungsgericht des Landes in den vergangenen zwei Monaten für ungültig erklärt, abgesagt oder verschoben wurden. Der Druck der internationalen Gemeinschaft, endlich einen Präsidenten zu finden, war riesig. Die EU warnte vor einem Abdriften in eine autokratische Herrschaft und kündigte „angemessene Maßnahmen“ an, sollten die Wahlen nicht stattfinden.

          Nach einem Bericht des Nachrichtenportals „Minivan News“ versprach Yameen im Wahlkampf ein starkes Eintreten für Recht und Ordnung. So solle die Todesstrafe künftig vollstreckt, Haftstrafen verlängert und die Bürger flächendeckend überwacht werden. Auch solle die Ölförderung vorangetrieben und der Tourismus ausgebaut werden. Er versprach den jungen Menschen demnach mehr Jobs und Frauen etwas mehr Rechte.

          Nasheed erklärte laut seiner Partei, er sei froh, dass es endlich eine gewählte Regierung gebe. „Als Oppositionspartei ist es unsere Verantwortung sicherzustellen, dass die Demokratie überlebt“, sagte er laut dem Twitter-Account seiner Partei MDP. Beim Wahlsieg geholfen haben dürfte Yameen die Unterstützung des Business-Tycoon Gasim Ibrahim, der im ersten Durchgang am vergangenen Wochenende auf dem dritten Platz landete.

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