13.03.2006 · Sie sprechen sich Mut zu und warten auf ein weiteres Lebenszeichen: Seit Ende Januar kommen auch viele unbeteiligte Leipziger zu den Mahnwachen für die beiden seit Ende Januar im Irak entführten Techniker.
Von Reiner Burger, LeipzigEs ist nun schon das dreizehnte Mal, daß neben den Angehörigen, Kollegen und Freunden der beiden seit Ende Januar im Irak entführten Leipziger Techniker Rene B. und Thomas N. auch viele unbeteiligte Leipziger vor der Nikolaikirche zu einer Mahnwache zusammenkommen.
Mit Kerzen in der Hand wollen die Leute an das Schicksal der beiden Mitarbeiter des Unternehmens Cryotec in Bennewitz bei Wurzen erinnern. „Wir halten durch gegen alle Tristesse und alle Resignation", sagt der Pfarrer der Nikolaikirche, Christian Führer. Mut machen den jeweils 200 bis 300 Teilnehmern der Mahnwache die kleinen Zeichen. So konnte Pfarrer Führer vergangenen Donnerstag mitteilen, es sei durchgesickert, daß die beiden Techniker, die im Irak auf dem Gelände einer Raffinerie eine Spezialanlage in Betrieb neben sollten, noch am Leben seien. Sie seien gesund, es gehe ihnen den Umständen entsprechend.
Ein offizielles Lebenszeichen fehlt
Ein offizielles Lebenszeichen fehlt seit der zweiten Videobotschaft von Ende Februar freilich. Darin forderten die Geiselnehmer von der Bundesregierung, ihre Botschaft in Bagdad zu schließen, alle deutschen Unternehmen aus dem Land abzuziehen und die Zusammenarbeit mit der Regierung des Irak zu beenden. Anderenfalls würden die beiden Deutschen ermordet.
Die Angehörigen und Freunde von Rene B. und Thomas N. erlebten in den vergangenen Wochen ein Auf und Ab der Gefühle. Ende Februar war Hoffnung aufgekommen, die beiden könnten bald freigelassen werden, als sich ein führender sunnitischer Prediger mit dem deutschen Botschafter im Irak getroffen hatte.
Dank von Steinmeier
Ebenfalls ohne greifbaren Erfolg blieben mehrere Videobotschaften an die Entführer. Neben den Müttern der beiden Geiseln hatte sich Cryotec-Geschäftsführer Peter Bienert und auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) an die Geiselnehmer gewandt.
Vor wenigen Tagen bedankte sich der Minister mit einem Brief bei Pfarrer Führer und den Teilnehmern der Friedensgebete und Mahnwachen. Diese seien für die Familien und Freunde der Entführten ein wichtiges Zeichen des Mitgefühls und der Solidarität. „Gleichzeitig wird diese öffentliche Anteilnahme weit über Deutschland hinaus wahrgenommen“, sagte Steinmeier. „Sie wird auch im Irak aufmerksam verfolgt."