16.12.2009 · Laut einem Magazinbericht soll der deutsche Oberst Klein die Aufklärung der Folgen des Luftschlags nahe Kundus am 4. September erschwert haben. Es heißt, Ermittler vom Regionalkommando aus Mazar-i-Sharif seien „vor Ort nicht erwünscht“ gewesen.
Der deutsche Oberst Georg Klein, der den Luftschlag nahe Kundus am 4. September befohlen hatte, soll die Ermittlungen aktiv behindert haben. Wie das Magazin „Stern“ am Mittwoch vorab berichtete, hat Klein nach dem Angriff angeordnet, Ermittler vom Regionalkommando aus Mazar-i-Sharif nicht mit den ersten deutschen Soldaten zum Ort des Angriffs zu lassen - sie seien „vor Ort nicht erwünscht“.
Die von Brigadegeneral Jörg Vollmer entsandten Ermittler hätten erst später an den Ort des Geschehens kommen können, heißt es in dem Bericht. Leichen und Leichenteile seien da längst von Angehörigen beerdigt gewesen. Somit fehlten Spuren, um zu klären, wie viele Zivilisten bei dem Angriff getötet wurden, schreibt das Magazin unter Berufung auf vertrauliche Unterlagen der Bundeswehr.
Informationen „nur nach Freigabe“
Zudem wies Klein Untergebene im Feldlager Kundus angeblich an, bei Ermittlungen nicht zu kooperieren. So habe ein am Bombardement beteiligter Luftleit-Feldwebel Militärpolizisten jede Zusammenarbeit verweigert. Informationen zum Sachverhalt gebe es „nur nach Freigabe“ durch den Oberst, habe es geheißen.
Bei dem Angriff waren bis zu 142 Menschen ums Leben gekommen. Um die Hintergründe aufzuarbeiten, wollte sich am Mittwoch der Verteidigungsausschuss des Bundestags in einen Untersuchungsausschuss umwandeln. Zudem befasst sich das Parlament in einer Aktuellen Stunde mit dem Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan.
Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Susanne Kastner (SPD), sagte am Mittwoch im Deutschlandfunk, SPD und Grüne seien dafür, dass zumindest der politische Teil der Untersuchungen zur Kundus-Affäre öffentlich geführt werde. Der militärische Bereich werde voraussichtlich geheim bleiben müssen.